SC Westfalia Herne
 
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TSG Sprockhövel 1881
  Westfalia Herne Offiziell
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  TSG Sprockhövel Offiziell
Oberliga Westfalen 2017/2018 - Samstag, 17. Februar 2018, 13:00 Uhr
Westfalia Herne - TSG Sprockhövel (0:0) 2:2

Spielort: Sportplatz am Wasserturm, Dortmund-Bövinghausen
Zuschauer: 300
SCW: Königs – Temme, Hötte, Haar, Rößler (60.Yoshida) - Legat, Zaskoku, Thier, Anan - Onucka (66.Mützel), Benkovic (51.Kühn)
TSG: Möllerke – Gremme, Tchakoumi, Muharremi, Oberdorf - Postolli, Wasilewski, Dytko (68.Kadiu), Ramaj - Terzicik (74.Buceto), Bukowski (74.Claus)
Tore:
0:1 Wasilewski (75., direkter Freistoß),
1:1 Haar (81.),
1:2 Kadiu (88.),
2:2 Mützel (90.)
Schiedsrichter: Florian Visse (Hörstel)

An diesem sonnigen aber kühlen Samstag Nachmittag kam es zu einem Nachholspiel in der fünftklassigen Oberliga Westfalen. Der SC Westfalia Herne empfing "zu Hause" in Dortmund-Bövinghausen die TSG Sprockhövel.

In dem Dortmunder Stadtteil, der genau im Städtedreieck Dortmund, Bochum und Castrop-Rauxel liegt, hat die in dieser Spielzeit heimatlose Westfalia erst einmal ein neues Domizil für die kommenden Monate gefunden. Denn in der eigentlichen Heimstätte, dem "Stadion am Schloss Strünkede" kann man in dieser Saison 17/18 kein einziges Heimspiel austragen. Dort "am Schloss" wird ein neuer Kunstrasen den bisherigen Naturrasen ersetzen, und eigentlich sollte der neue künstliche Untergrund bereits am 1. November 2017 eingeweiht werden, aber das beauftragte Bauunternehmen ist in Verzug gekommen, und hat mitgeteilt, dass der neue Kunstrasen voraussichtlich erst ab Juli 2018 bespielbar sein wird. Zunächst zog man deshalb zu Saisonbeginn in die Mondpalast-Arena des großen Erzrivalen DSC Wanne-Eickel um, aber der dortige Naturrasen hielt zwei Heimteams auf einmal leider nicht lange aus, und war schon nach kurzer Zeit zum unbespielbaren Acker geworden. So musste man dort auch wieder "ausziehen", um viele Spielausfälle zu vermeiden, und war also wieder heimatlos, und entschied sich für die Anlage des TuS Bövinghausen als neues Ausweichquartier.

Hier, auf dem Sportplatz am Wasserturm in Dortmund, wo man auch zu Saisonbeginn schon trainieren durfte, wird man wohl für den Rest der Saison 17/18 seine Heimspiele austragen. Für einen kleinen Oberliga-Klub ist dieser Zustand natürlich eine Katastrophe, eine ganze Saison lang nicht in seinem Heimstadion spielen zu können. Unter anderem dadurch, dass statt bis zu 800 im Durchschnitt nur 200 bis 300 Zuschauer zu den Heimspielen in das 27 km entfernte Ausweichquartier kommen, entstehen der Westfalia große finanzielle Verluste. Insgesamt fehlt dem Traditionsverein in dieser Spielzeit durch die vielen Nachteile und zusätzlichen Kosten laut Vereinsangaben ein sechstelliger Betrag. Die großen Revierklubs nebenan haben aber schon Hilfe signalisiert. Borussia Dortmund wird im kommenden Sommer zu einem Testspiel ans Schloss Strünkede kommen, und vom VfL Bochum hat die Westfalia ein Darlehen in Höhe von angeblich 50.000 Euro bekommen. Gerade der VfL Bochum hatte ja auch noch was gutzumachen, denn 1976 durfte der VfL während des Umbaus des Ruhrstadions für ein paar Heimspiele ins "Stadion am Schloss Strünkede" ausweichen und schaffte dort damals in Herne in dieser schwierigen Saison den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Dabei war der "Sportclub Westfalia" nicht immer ein klammer Oberligist ohne Heimat, sondern früher mal eine ganz große Nummer im westdeutschen Fußball. Von 1933 bis 1945 und von 1954 bis 1963 spielte man jeweils erstklassig, und in den Jahren 1959 und 1960 erreichte man jeweils sogar die Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft, scheiterte dort aber jeweils in der Vorrunde. Nach ein paar schwächeren Jahren sah es in den 1970er Jahren nach einem Comeback von Westfalia Herne im großen Fußballgeschäft aus. Dank der Millionen von Erhard Goldbach, dem "Öl-König von Wanne", spielte man von 1975 bis 1979 in der 2. Bundesliga, und dort auch eine gute Rolle. Aber nachdem bekannt wurde, dass Hernes Mäzen bis zu 345 Millionen Mark an Steuern hinterzogen hatte, verlor Westfalia auf Grund finanzieller Probleme die Lizenz und verschwand schließlich wieder in den Tiefen des Amateurfußballs.

1996 stürzte man bis in die damals sechstklassige Landesliga Westfalen ab, arbeitete sich aber anschließend wieder bis in die damals noch viertklassige Oberliga Westfalen hoch. 2015 folgte erneut der Absturz in die Sechstklassigkeit, aber nach zwei Jahren gelang im vergangenen Sommer 2017 immerhin die Rückkehr in die inzwischen fünftklassige Oberliga Westfalen. Seit Christian Knappmann den Trainerposten bei Westfalia übernommen hat, läuft es wieder. In dieser Spielzeit spielt man als Aufsteiger ohne Abstiegsängste in der oberen Tabellenhälfte mit. Zwischen dem heutigen Gegner, der TSG Sprockhövel, und Westfalia Herne hatten in der vorherigen Saison noch sage und schreibe zwei Spielklassen gelegen. Dem Klub aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis war 2016 der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelungen, nämlich der Aufstieg in die viertklassige Regionalliga West. Als Vorletzter beendete man das Abenteuer Regionalliga nach nur einer Saison schon wieder, aber spielt auch in dieser Oberliga-Saison als aktueller Dritter wieder oben mit.

Lange Zeit sah es in diesem Duell zwischen Westfalia Herne und der TSG Sprockhövel nach einem torlosen Unentschieden aus, und ich überlegte schon, was man zu diesem Spiel schreiben könnte. Auf jeden Fall nahm ich mir vor zu schreiben, dass es sich um ein 0:0 der besseren Sorte gehandelt hat, denn hüben wie drüben gab es ausreichend Torchancen und die Partie war insgesamt sehr kurzweilig. In der Schlussviertelstunde nahm diese Partie dann plötzlich doch noch Fahrt auf. Adrian Wasilewski, der von 2012 bis 2014 für die U23 des VfL Bochum gespielt hatte, brachte die Gäste mit einem wunderschön direkt verwandelten Freistoß aus Strafraumnähe in Führung. Der Ball schlug oben links unhaltbar im Winkel ein. Sechs Minuten später gelang den Gastgebern der Ausgleich, als die Sprockhöveler Defensive in einen kurzzeitigen Kollektivschlaf gefallen war und plötzlich zwei Herner alleine vor dem Tor standen. Kurz vor dem Ende gingen die Gäste dann überraschend erneut in Führung, aber im Gegenzug gelang Westfalia der insgesamt hochverdiente Ausgleichstreffer. In der Nachspielzeit hatte Herne sogar noch die hundertprozentige Möglichkeit zum Siegtor, aber es blieb schließlich beim Remis, das sicherlich aus neutraler Sicht in Ordnung geht.