SV Wacker Obercastrop
 
4
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2
    DJK Wattenscheid    
   
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Landesliga Westfalen 2018/2019 - Sonntag, 4. November 2018, 14:30 Uhr
Wacker Obercastrop - DJK Wattenscheid (1:2) 4:2

Spielort: Erin-Kampfbahn, Castrop-Rauxel
Zuschauer: 150

Tore:
0:1 Löhr (2.),
0:2 Kaiser (10.),
1:2 Schröder (29.),
2:2 Schröder (54.),
3:2 Schröder (63., Foulelfmeter),
4:2 Schröder (90.+3)
Schiedsrichter: Christian Lange

Schon gefühlte 50.000 Mal war ich - beruflich bedingt - am Förderturm der ehemaligen Zeche "Erin" in Castrop-Rauxel vorbeigefahren. Schon lange hatte ich mir auch mal vorgenommen, hier zu stoppen und den SV Wacker Obercastrop, dessen Anlage direkt neben dem ehemaligen Zechengelände liegt und nur knapp 1 km zur Stadtgrenze nach Bochum, zu besuchen. An diesem zwar bedeckten aber doch mit 14°C recht milden Sonntag Nachmittag war es endlich so weit.

Wie in den anderen Ruhrgebietsstädten, war es in Castrop-Rauxel natürlich auch die Steinkohle, die den wirtschaftlichen Aufstieg im vorletzten und letzten Jahrhundert bedeutete. In Obercastrop war es die Zeche Erin, die von 1867 bis 1983 mehr als 120 Jahre für Tausende Arbeitsplätze sorgte, und somit auch den Aufstieg vom Bauerndorf zur Stadt. Den Namen "Erin", eine Form des gälischen Namens "Eire" (= Irland), bekam sie von ihrem Gründer, William Thomas Mulvany, einem irischen Unternehmer, der im gesamten Ruhrgebiet zu dieser Zeit einige Bergwerke geführt hatte. Nach dem Ende der Zeche Erin, vor mittlerweile 35 Jahren, wurden immerhin zwei Fördertürme erhalten und der Rest des Geländes in einen Technologie- und Gewerbepark umgewandelt.

Auch die Anlage des SV Wacker Obercastrop trägt immer noch den Namen der ehemaligen Zeche nebenan. Die "Erin-Kampfbahn" hat zwar keinerlei Ausbau zu bieten, aber auf einer Längsseite gibt es immerhin einen Graswall mit ein paar Sitzbänken. Von hier aus hat man einen schönen Überblick auf das Geschehen. Hinter dem einen Tor steht das Vereinsheim, und daneben, in einer Art Garage, wird in der "Pommesbude" für das leibliche Wohl gesorgt. Und das hervorragend, denn die absolut zu empfehlende Currywurst spielt definitiv ein paar Ligen höher als der SV Wacker.

Der SV Wacker Obercastrop selbst spielt aktuell in der siebtklassigen Landesliga Westfalen, in die man nach dem Meistertitel in seiner Bezirksliga-Staffel in der vergangenen Saison 17/18 aufgestiegen ist. 2006 war man von der Kreisliga A in die Bezirksliga aufgestiegen, und hatte insgesamt zwölf Jahre ununterbrochen in dieser Spielklasse gekickt. Bis auf eine Saison erreichte man dabei immer einen einstelligen Tabellenplatz. Sehr erfolgreich war man auch im Pokal, zumindest in den letzten beiden Jahren. Als Vize-Pokalsieger 2017 des Fußballkreises Herne hatte man sich für den Westfalenpokal der vergangenen Spielzeit qualifiziert, wo man zu den Überraschungsmannschaften gehört hatte.
Nach Siegen zu Hause gegen den Landesligisten VfL Bad Berleburg (4:3) und zu Hause gegen Oberligist Hammer SpVg (4:1) hatte man immerhin das Achtelfinale erreicht, wo man dem Westfalenligisten FC Iserlohn schließlich ebenfalls zu Hause unglücklich mit 2:3 unterlag. Als Bezirksliga-Meister 2018 war man auch in dieser Saison 18/19 für den Westfalenpokal qualifiziert. Nach einem starken 6:3 beim FC Wetter in der ersten Runde schied man in Runde zwei gegen Regionalligist 1. FC Kaan-Marienborn wiederum äußerst unglücklich erst nach Elfmeterschießen aus.

Auch der heutige - erst 1997 durch eine Fusion entstandene - Gegner DJK Wattenscheid ist immer noch frischer Aufsteiger in die Landesliga, aber ist, anders als der SV Wacker, in den letzten beiden Jahren in beeindruckender Weise von der Kreisliga A direkt in die neue Spielklasse durchmarschiert. 16/17 wurde man mit 28 Siegen in 28 Spielen mehr als souverän Meister der Kreisliga A in Bochum, und auch die Bezirksliga war nur eine Durchgangsstation für die Wattenscheider. Auch dort wurde man 17/18 als Aufsteiger direkt mal eben Meister, mit nur drei Saisonniederlagen. Das ist natürlich alles andere als Zufall, denn mehrere Spieler des Kaders haben schon Erfahrung in höheren Spielklassen gesammelt. Matthias Kaiser, Rene Löhr und Kamil Kokoschka zum Beispiel sind vor ein paar Jahren schon mit Schwarz-Weiß Wattenscheid 08 bis in die Westfalenliga aufgestiegen.

Auch der Start in die neue Spielklasse lief für die Wattenscheider mehr als ok. Man setzte sich gleich mal im Tabellenmittelfeld fest. Die heutigen Gastgeber aus Obercastrop dagegen haben noch Probleme in der neuen Liga, denn vor diesem Spiel standen sie nur auf einem Abstiegsplatz. Auch an diesem Nachmittag sah es zunächst so aus, als würden sich die leicht favorisierten Wattenscheider Gäste klar durchsetzen. Nach zehn Minuten führten sie bereits verdient mit 2:0, aber verpassten es in dieser Phase den Sack zuzumachen. So kamen die Gastgeber langsam immer besser ins Spiel, und noch vor der Pause zum Anschlusstor. Nach der Pause war Obercastrop die bessere Mannschaft und drehte das Spiel schließlich komplett, was dann mittlerweile auch verdient war. In der Schlussphase ging es vogelwild auf dem Platz zu, was die Augen des neutralen Betrachters natürlich erfreute. Wattenscheid drängte auf den Ausgleich, und das ergab auf der anderen Seite Konterchancen für Obercastrop. Einer davon nutzte der vierfache Torschütze Schröder zur endgültigen Entscheidung in dieser Partie.