VfL Bochum 1848
 
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2. Bundesliga 2017/2018 - Freitag, 9. Februar 2018, 18:30 Uhr

VfL Bochum - Darmstadt 98 (0:0) 2:1

Spielort: Ruhrstadion, Bochum
Zuschauer: 14.520
VfL: Riemann - Gyamerah, Hoogland, Fabian, Soares - Losilla (64.Serra), Tesche - Sam, Stöger, Kruse (90.+2 Celozzi) - Hinterseer (89.Wurtz)

SVD: Heuer Fernandes - K.Großkreutz, Bregerie, Sulu, Holland - Y.Stark (84.Rosenthal), Medojevic - Kempe, Jones (70.Sirigu) - Ji - Platte (79.Sobiech)
Tore:
0:1 Bregerie (61., Linksschuss, Vorarbeit Sulu),
1:1 Hinterseer (66., Rechtsschuss, Vorarbeit Stöger),
2:1 Holland (69., Eigentor, Kopfball, Vorarbeit Stöger)
Schiedsrichter: René Rohde (Rostock)

 

Als ob diese Saison nicht schon turbulent genug war, produzierte der VfL Bochum auch in dieser Woche wieder reichlich überregionale Schlagzeilen. An diesem Montag hatte der bisherige Vorstand Sport, Christian Hochstätter, auf einer Veranstaltung in einer Kneipe in Stadionnähe öffentlich jede Menge weitere Internas ausgeplaudert, über ehemalige oder sogar noch aktive Mitarbeiter/Spieler. Zwei Tage später, am Mittwoch Abend, wurde er beurlaubt, und durch Sebastian Schindzielorz ersetzt. Im Nachhinein wirkt es fast so, als hätte Hochstätter seinen Rausschmiss provoziert. Schindzielorz' erste Amtshandlung als neuer Vorstand Sport war die zeitgleiche Beurlaubung des bisherigen Cheftrainers Jens Rasiejewski. Auch dieser wurde durch einen Bochumer Jungen, nämlich durch Heiko Butscher, ersetzt. Allerdings voraussichtlich nur für dieses eine Heimspiel gegen Darmstadt 98, weil ihm die erforderliche Trainer-A-Lizenz fehlt.

Mit beiden Entscheidungen kann ich sehr gut leben, aber natürlich ist jetzt nicht plötzlich alles wieder gut beim VfL Bochum. Es ist auf jeden Fall sehr seltsam, dass die personellen Veränderungen genau noch an dem gleichen Tag verkündet wurden, als die Opposition in Matthias Knälmann (dem ehemaligen Vorsitzenden des Wirtschaftsrates) endlich ein Gesicht bekommen hatte. Meiner Meinung nach ist die außerordentliche Mitgliederversammlung weiterhin zwingend notwendig, aber an diesem Abend ging es erst einmal darum, sich wieder auf das Sportliche zu konzentrieren, denn das Team braucht jetzt die Unterstützung der Fans, um den Absturz in die 3. Liga zu vermeiden. Seit dem Januar 1984 begleite ich jetzt den VfL Bochum, also seit mittlerweile mehr als 34 Jahren, in guten und in schlechten Zeiten, und es war klar, dass es an diesem Abend, für jeden, der ein Herz für diesen Klub hat, verdammt nochmal nur darum ging, sich möglichst die Lunge aus dem Leib zu schreien. Das klappte bei mir ganz gut. Ich hoffe nur, dass die Stimme bis Montag Morgen wieder da ist.

Wer miterlebt, wie sein Lieblingsklub nach unendlich langen, torlosen 270 Minuten im Jahr 2018 endlich wieder das Tor trifft, der braucht definitiv keine Urschrei-Therapie mehr. So fühlte sich das jedenfalls in der 66. Spielminute in etwa an. Wenn man nach "Urschrei-Therapie" googelt, findet man folgenden Satz: "Durch das laute Schreien können Aggression und Frustration beseitigt werden.", Ja, das stimmt. Aggression und Frust waren in diesem Moment schlagartig beseitigt. Und es sollte sogar noch besser kommen. Ich kann mich auf jeden Fall durch die ganzen Querelen der letzten Monate gar nicht mehr erinnern, wann ich ein Spiel des VfL derart emotional verfolgt habe.

Im Grunde hatten die mehr als 14.000 Zuschauer im Ruhrstadion zumindest bis zur 61. Minute aber ein Spiel auf extrem niedrigem Niveau gesehen. Und ein VfL-Team, das zwar wollte, aber nicht konnte. Trotz großem Engagement passierten einfach zu viele einfache Abspielfehler. Die Verunsicherung auf Grund der vielen erfolglosen Spiele zuvor war spürbar. Aber Gleiches galt für die Gäste aus Darmstadt. Also Abstiegskampf pur, Existenzkampf, Not gegen Elend. Mehr Phrasen fallen mir im Moment leider nicht ein. Bis zu jener 61. Minute hatte es keine(!!!) echte Torchance im ganzen Spiel gegeben, bei gefühlt 90% Ballbesitz für den VfL Bochum. Dann gingen die Gäste aus Darmstadt, die vor dieser Partie sogar noch einen Punkt weniger auf ihrem Konto hatten, überraschend in Führung. Was in Realgeschwindigkeit wie Absicht aussah, entpuppte sich in der Zeitlupe als Zufallsprodukt, denn Darmstadts Bregerie war einfach nur in den Ball gelaufen, bekam ihn an den Fuß und erzielte so das 0:1.

Es folgten die besten zehn Minuten an diesem Abend. Denn mit einem Doppelschlag drehten die Gastgeber die Partie und waren sogar drauf und dran, das Spiel schon frühzeitig zu entscheiden. Stöger scheiterte zunächst nach einem Klassesolo knapp an Darmstadts Keeper Heuer Fernandes, und Hinterseer staubte zum 1:1 ab. Das war der Brustlöser an diesem Abend, denn nur drei Minuten bebte das Ruhrstadion und meine Stimme sollte endgültig den Geist aufgeben. Eine scharfe Flanke, wieder von Stöger, köpfte Darmstadts Verteidiger Fabian Holland per Flugkopfball ins eigene Tor. Darauf ein dreifaches Hup, Holland, Hup! Eines der schönsten Eigentore, die ich je gesehen habe. Von der Offensive des VfL hat man so etwas in dieser Spielzeit jedenfalls leider viel zu selten gesehen, dass mal einer so schön unhaltbar einen Ball gegen die Laufrichtung des Torwarts oben in den Winkel versenkt. Anschließend hatte man sogar das schnelle 3:1 auf dem Fuß, machte es aber weiter spannend. Die Drangphase der Gäste am Ende überstand man ohne große Probleme, und verpasste weiterhin die frühzeitige endgültige Entscheidung bei den Entlastungsangriffen. Am Ende stand ein brutal wichtiger Heimsieg, der den Negativtrend der letzten Wochen erst mal gestoppt hat. Nicht mehr und nicht weniger!

Alle Spiele Bochum vs. Darmstadt:

78/79 (1.BL) VfL – SVD 1:2 (VfL-Tor: Eggeling)
81/82 (1.BL) VfL - SVD 1:0 (Patzke)
14/15 (2.BL) VfL - SVD 1:1 (Forssell)
17/18 (2.BL) VfL - SVD 2:1 (Hinterseer,Eigentor)

4 Spiele – 2 – 1 – 1 – 5:4 Tore