DJK Sportfreunde Katernberg
 
1
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             VfB Essen-Nord             
  DJK SF Katernberg Offiziell
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  VfB Essen-Nord Offiziell
Kreisliga A Essen 2017/2018 - Sonntag, 18. Februar 2018, 15:00 Uhr
DJK SF Katernberg - VfB Essen-Nord (1:1) 1:2

Spielort: Stadion Lindenbruch, Essen
Zuschauer: 180
SFK: 30 Nass – 4 Buhren, 6 Jügel, 7 Yerek, 11 Tepe, 14 Hunder, 16 Vietz, 17 Löffler, 19 Pinke (85. 9 Dörpinghaus), 22 Jakubowski (58. 10 Basar), 37 Campe
VfB: 1 Fioretti – 4 Bilen, 6 Zuhric (46. 7 Hünselar), 8 Guimaraes, 9 Hoffmann (8. 71 Yildiz, 71. 17 Grüttner)), 10 Haruna, 13 Dedek, 23 Ekin, 61 Öntürk, 73 Hwang, 96 Dzemajli
Tore:
1:0 Tepe (25.),
1:1 Haruna (41.),
1:2 Dedek (72.)
Schiedsrichter: Klaus Plettenberg (Essen)
Rote Karte: Haruna (Essen-Nord, 53.)

An diesem ebenfalls sonnigen aber kalten Sonntag Nachmittag gab es eine der letzten Möglichkeiten, das legendäre "Stadion Lindenbruch" der Sportfreunde Katernberg zu besuchen. Der ehemalige Bergbauklub gehörte zweifelsfrei zu den großen Traditionsvereinen im Ruhrgebiet. Unterstützt von der nahen Zeche Zollverein, die ja heute als Museum und Industriedenkmal zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, hatte der Klub kurz vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte, als man fast durchgängig erstklassig spielte. Zwischen 1947 und 1953 gehörte man der Oberliga West, der damals höchsten deutschen Spielklasse, an. In der ersten Saison der Oberliga West 1947/48 gehörten die Sportfreunde, die damals fast ausschließlich aus Kumpels aus der Zeche Zollverein bestanden, auf ihrer von den Gegnern gefürchteten roten Asche zu den positiven Überraschungen, und lagen bis zum vorletzten Spieltag auf dem ersten Tabellenplatz, bis ihnen doch noch Borussia Dortmund den ersten Westdeutschen Meistertitel wegschnappte. 

Mit dem "Boss" Helmut Rahn und Heinz Kubsch begannen gleich zwei 54er Weltmeister von Bern ihre Karriere beim Essener Vorortklub. In der größten Zeit des Vereins in den 1940er und 1950er Jahren verfolgten im Schnitt um die 9.000 Zuschauer die Spiele auf Asche am Lindenbruch. Bei Derbys wie gegen Rot-Weiss Essen kamen sogar regelmäßig über 20.000 Besucher in das Stadion an der Zeche Zollverein (Zuschauerrekord: 23.000, 1952 beim 1:3 gegen Rot-Weiss Essen). Als Helmut Rahn 1951 für 7.000 Mark zum Lokalrivalen Rot-Weiss Essen verkauft wurde, investierte man das Geld in einen Bretterzaun, als Abgrenzung und Abschottung zu den nahen Bahngleisen. Von dort aus hatten viele Betrachter die Spiele der Sportfreunde verfolgt, ohne Eintritt zu bezahlen und sogar die vorbeifahrenden Züge hatten ihr Tempo während der Partien extra verlangsamt, damit die Fahrgäste etwas Oberliga West schauen konnten. "Helmut Rahn sein(en) Zaun", wie er im Volksmund genannt wurde, gibt es inzwischen nicht mehr, aber natürlich immer noch einen Zaun als Abgrenzung zu den Bahngleisen.

Nach dem Oberliga-Abstieg 1953 stürzten die Sportfreunde Katernberg leider erst einmal tief in die Abgründe des Amateurfußballs ab. Zwei Mal aber flackerte das Licht der Hoffnung auf eine Rückkehr in die Spitze des deutschen Fußballs nochmal kurz auf. 1976 stieg man in die damals höchste Amateurklasse, die Verbandsliga Niederrhein, auf und 1989 qualifizierte man sich für die ebenfalls damals drittklassige Oberliga Nordrhein, aber jeweils nach wenigen Jahren war das Abenteuer auch schon wieder vorbei und man fiel anschließend wieder weit herunter bis in die lokalen Spielklassen zurück. 2015 folgte sogar der Absturz bis in die Kreisliga B als bislang negativer Höhepunkt.

Wie die Zeche Zollverein als Steinkohlebergwerk (bis 1986) sind auch die Sportfreunde Katernberg inzwischen leider komplett Geschichte, denn 2017 löste sich der Verein auf und die Sportfreunde-Mitglieder traten dem Lokakrivalen DJK Katernberg bei, der sich fortan in "DJK Sportfreunde Katernberg" umbenannte. Auch die Tage des Traditionsgrounds "Am Lindenbruch" aus dem Jahr 1931 sind leider schon sehr bald gezählt, denn der Umzug des neuen Klubs in die Anlage der DJK "Am Meerbusch" und der Abriss der Anlage der alten Sportfreunde Katernberg sind schon beschlossene Sache. Eigentlich sollte man auch schon längst umgezogen sein, aber glücklicherweise verzögert sich der Umbau des neuen Grounds auf Kunstrasen noch etwas, so dass wir heute nochmal die Gelegenheit bekamen, diese Traditionsstätte des Ruhrgebietsfußballs besuchen zu können. Trotz seines Alters und der Tatsache, dass der Ground offensichtlich in letzter Zeit nicht mehr besonders gepflegt wurde, handelt es beim "Stadion am Lindenbruch" immer noch um eine besondere Stadionperle. Auf drei von den vier Seiten gibt es immer noch (mittlerweile ziemlich vermooste) unüberdachte Stehstufen, die teilweise aber auch schon zurückgebaut worden sind. Den Namen "Stadion" hat der Ground aber sicherlich immer noch verdient. Zusammen mit der Currywurst-Pommes-Mayo auf Spitzenniveau, dem netten Vereinsheim mit Fotos aus früheren Erfolgstagen und dem schönen Wetter war das wirklich ein sehr netter Sonntagsausflug in die Nachbarstadt.

Auch auf dem Platz, denn in der achtklassigen Kreisliga A Essen empfingen die "neuen" DJK Sportfreunde Katernberg an diesem Nachmittag den VfB Essen-Nord zum absoluten Spitzenspiel in dieser Spielklasse, denn der aktuelle Tabellenzweite empfing den aktuellen Tabellenführer. Beide Klubs träumen also (zu Recht) vom Aufstieg in die Bezirksliga. Bei einem Heimsieg hätten die Katernberger an den Gästen in der Tabelle vorbeiziehen können, legten gleich dementsprechend leidenschaftlich los, und gingen auch früh in Führung. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Gäste aber ihrer Favoritenrolle gerecht, übernahmen das Kommando auf der roten Asche und kamen zum inzwischen hochverdienten Ausgleich. In der zweiten Halbzeit spielten quasi nur noch die Gäste und drückten auf das Führungstor. Auch von einer Roten Karte ließen sie sich an diesem Nachmittag nicht stoppen und wirkten auch mit einem Mann weniger auf dem Platz weiter überlegen. Etwa eine Viertelstunde vor dem Abpfiff kam der VfB Essen-Nord dann durch einen direkt verwandelten Freistoß zum verdienten Siegtor an diesem Tag. Wie 1947/48 reicht es am Ende wahrscheinlich für Katernberg nur zu Platz zwei.