Herner EV 2007
 
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Deggendorfer SC
  Herner EV Offiziell
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  Deggendorfer SC Offiziell
Oberliga-Playoffs 2017/2018 - Sonntag, 11. März 2018, 18:30 Uhr

Herner EV - Deggendorfer SC (0:1, 0:1, 0:1) 0:3

Spielort: Gysenberghalle, Herne
Zuschauer: 2.196

Tore:
0:1 Böhm (04:53),
0:2 Vavrusa (33:17),
0:3 Leinweber (55:40)

 

Von Moers-Scherpenberg ging es in einer Dreiviertelstunde wieder zurück ins Ruhrgebiet. Bevor es aber nach Hause gehen sollte, nahm ich noch einen kleinen Umweg, um endlich einmal den Herner EV in der Gysenberghalle zu besuchen, was ich mir schon seit Jahren vorgenommen, aber dann immer doch wieder die Pläne kurzfristig verworfen hatte. Heute sollte es aber endlich so weit sein. Etwa eine Stunde vor Beginn traf ich am Gysenberg, der quasi direkt an der Stadtgrenze zu Bochum liegt, ein und hatte etwas Glück, noch einen Parkplatz direkt vor der Halle zu bekommen, denn an diesem Abend sollte es richtig voll werden. Es stand für den Herner EV nämlich das zweite Playoff-Spiel und damit im schlechtesten Fall schon das letzte Heimspiel der Saison auf dem Programm.

Die beiden drittklassigen Eishockey-Oberligen Nord und Süd spielen nämlich in den Playoffs einen einzigen Aufsteiger in die zweitklassige DEL2 aus. Das bedeutet, dass sich 16 Klubs um einen freien Platz in der 2. Liga "kloppen" müssen. Für die Playoff-Spiele haben sich jeweils die besten acht Klubs aus beiden Ligen qualifiziert und so trafen heute der Tabellenachte der Oberliga Nord (Herner EV) und der Tabellenerste der Oberliga Süd (Deggendorfer SC) der aktuellen Spielzeit aufeinander. Beide kämpften im Modus "Best of Five" um das Weiterkommen ins Viertelfinale. Und die Gäste gingen nicht nur wegen ihrer bislang sehr erfolgreichen Saison als Favorit in dieses Spiel, sondern auch weil sie bereits am Freitag zuvor das erste Duell in Bayern mit 2:0 für sich entscheiden konnten und in diesem Spiel überlegen wirkten.

Und auch an diesem Abend wirkten die Herner den Gästen aus Niederbayern leider insgesamt gesehen unterlegen, auch wenn sie eigentlich trotzdem ausreichend Chancen hatten, dieses Spiel auch zu ihren Gunsten zu drehen. Alleine im letzten Drittel waren die Gastgeber fast ständig in Überzahl, sogar zwei Mal jeweils mehrere Minuten lang zwei Mann mehr auf dem Eis, aber schafften es trotzdem nicht den Puck im gegnerischen Tor unterzubringen. Wenn man das nicht schafft, hat man es meiner Meinung nach auch nicht verdient, aus diesem Spiel etwas mitzunehmen. Die bayerischen Gäste dagegen nutzten ihre wenigen Möglichkeiten eiskalt und gingen so auch verdient als Sieger vom Eis.

Trotz der Herner Niederlage bedarf dieser Abend aber sicher einer Wiederholung, denn stimmungsmäßig und atmosphärisch hat das echt viel Spaß gemacht. Zum Einlauf der Teams gab es von Herner Seite eine kleine Choreographie, wo der Slogan "Herner EV - Ein starkes Stück Ruhrgebiet", untermalt mit vielen kleinen grünen und roten Fahnen, präsentiert wurde. Die etwa 150 Gästefans aus dem gut 650 km entfernten Deggendorf lieferten einen durchaus starken, durchgängigen und auch lauten Support über die gesamte Spieldauer ab. Die Stimmung auf Heimseite war zu Beginn sehr gut und teilweise auch brachial laut, aber ebbte mit zunehmender Spieldauer und zunehmender Enttäuschung über die Leistung des eigenen Teams immer mehr ab.

Härte gehört im Eishockey natürlich dazu, aber dieses Duell an diesem Abend wurde auch für Eishockey-Verhältnisse extrem hart von beiden Seiten geführt. Es fing alles damit an, dass zu Beginn des Mitteldrittels eine Nicklichkeit in einer wüsten Schlägerei zwischen einem Herner und einem Deggendorfer Spieler endete. Schließlich musste der Deggendorfer verletzt vom Eis getragen werden. Das Blut, das erst vom Eis gekratzt werden musste, bevor das Spiel weitergehen konnte, stammte aber nicht von dem Aufprall mit dem Hinterkopf auf dem Eis, sondern von den zahlreichen Treffern des Herner Spielers im Gesicht des Deggendorfers. Im Boxen hätte es dafür eine Menge Punkte gegeben, im Eishockey gab es dafür völlig zurecht für beide Spieler eine Matchstrafe. Allerdings hätte der Deggendorfer Spieler sowieso nicht weiterspielen können, weil er direkt danach mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gefahren wurde.

Anschließend war natürlich noch mehr Gift im Spiel, und auch auf den Rängen änderte sich die bis dahin absolut friedliche Atmosphäre abrupt. Das Abtrenn-Tor zwischen Gäste- und Heimblock hatte man bis zu diesem Zeitpunkt offen gelassen, weil es ja keinerlei Rivalitäten zwischen beiden Klubs gibt. Aber das sollte sich rächen, denn kurz nach der gerade beschriebenen Schlägerei auf dem Eis stürmten einige Gästefans wütend und pöbelnd Richtung Heimblock, und von da aus aus wurde heftig zurückgepöbelt. Die Ordner hatten einige Mühe, die Gästefans wieder in ihren Block zurückzubewegen. Man entschloss sich, das Tor zwischen den beiden Blöcken dann doch zu schließen und mehr Ordner dort hinzustellen. Später beruhigte sich die Lage wieder, aber eine Fanfreundschaft zwischen beiden Klubs wird es wohl eher nicht geben. Von bayerischer Seite gab es jedenfalls endlich mal wieder das längst vergessene, im Fußball schon ewig nicht mehr gehörte "Ruhrpott-Kanacken" zu hören, mit dem ja trotzdem jeder Fußballfan aus dem Ruhrgebiet schon irgendwann mal beschimpft wurde.