SG Eintracht Gelsenkirchen
 
3
:
1
      FV Viktoria Resse II      
   
:
   
Kreisliga A Gelsenkirchen 2018/2019 - Sonntag, 28. Oktober 2018, 15:00 Uhr
Eintracht Gelsenkirchen - Viktoria Resse II (0:0) 3:1

Spielort: Südstadion Haidekamp, Gelsenkirchen
Zuschauer: 10

Tore:
0:1 Barde (52.),
1:1 Durmaz (63.),
2:1 Dogan (72.),
3:1 Dogan (90.)
Schiedsrichter: Sinan Erk

An diesem sehr herbstlichen Sonntag Nachmittag ging es kurz hinüber, über die Stadtgrenze, nach Gelsenkirchen, in den 20.000-Einwohner-Stadtteil Ückendorf, wo die "Sportgemeinde Eintracht Gelsenkirchen" beheimatet ist. Im dritten Versuch hat es also endlich mit einem Besuch im Südstadion Haidekamp geklappt. Beim ersten Mal hatte ich das typische "Nebenplatz-Pech", beim zweiten Mal, exakt zwei Wochen zuvor, wurde das Spiel kurz vor Anpfiff abgesagt, weil die Gastmannschaft von Union Neustadt nicht genug Spieler zusammenbekommen hatte. Doppelt bitter, weil vor 14 Tagen die Bedingungen mit sommerlichen 27°C noch absolut perfekt gewesen wären. An diesem Sonntag klappte es dann mit dem Besuch, bei 5°C, die sich durch den kühlen Wind noch wesentlich winterlicher anfühlten.

Der Kassierer am Eingang hatte jedenfalls nicht allzuviel zu tun, an diesem Nachmittag. Allerhöchstens zehn zahlende Besucher verloren sich bei diesem Knaller in der neuntklassigen Kreisliga A Gelsenkirchen. Das war in der Vergangenheit schon mal ganz anders. Als Eintracht Gelsenkirchen in den 1960er und 1970er Jahren noch in der damals zweitklassigen Regionalliga West spielte, erreichte man stets fünfstellige Zuschauerzahlen. 15.000 zum Beispiel, wollten hier damals das Revierduell mit dem VfL Bochum sehen. Auch in den Duellen mit Rot-Weiss Essen, Fortuna Düsseldorf, Borussia Dortmund oder dem Wuppertaler SV gab es ähnlich hohe Zuschauerzahlen im Südstadion, das wirklich direkt an der Stadtgrenze von Gelsenkirchen zu Bochum (bzw. Wattenscheid-Günnigfeld) liegt, und das damals bis zu 22.000 Zuschauer fassen konnte.

Entstanden war Eintracht Gelsenkirchen erst 1950 durch eine Fusion von Union Gelsenkirchen mit Alemannia Gelsenkirchen. Und zwischen 1974 und 1997 war der Verein sogar mehr als zwanzig Jahre lang komplett von der Fußball-Landkarte verschwunden. Denn 1974 war man mit dem Lokalrivalen STV Horst-Emscher (den legendären "Emscher-Husaren") zum "STV Eintracht Gelsenkirchen-Horst" fusioniert. Auf Grund der Einführung der 2. Bundesliga sollten die Kräfte in Gelsenkirchen gebündelt werden, um dem gerade schwächelnden, großen FC Schalke 04 Konkurrenz zu machen. Die Fusion erwies sich aber letztendlich als Desaster. Der Fusionsklub, ohnehin von beiden Seiten überhaupt nicht angenommen, scheiterte auch sportlich auf ganzer Ebene. Statt dem erhofften Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde man in der Premierensaison nur Drittletzter der Regionalliga und stieg in die damals dann nur noch viertklassige Verbandsliga ab. Weil sowieso kaum noch Eintrachtler im Verein waren, nannte man sich 1978 wieder in "STV Horst-Emscher" um. Eine neue "SG Eintracht Gelsenkirchen" gab es aber erst im Jahr 1997, als der bisherige "SV Fortuna Gelsenkirchen" den Namen annahm.

Die "neue" SG Eintracht Gelsenkirchen pendelt seit seiner Gründung mehr oder weniger immer zwischen Bezirksliga und Kreisliga hin und her. In dieser Spielzeit 18/19 sieht mal wieder gut aus für die Eintracht, denn nach zwölf Spieltagen liegt man auf dem zweiten Tabellenplatz, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter SSV/FCA Rotthausen, und darf vom erneuten Aufstieg in die Bezirksliga träumen. An diesem Nachmittag allerdings taten sich die Gastgeber gegen die Zweitvertretung von Viktoria Resse, die aktuell nur Drittletzter ist, lange Zeit sehr schwer. Trotz großer Dominanz stand es lange Zeit 0:0. Kurz nach der Pause gingen die Gäste dann sogar in Führung, was den Spielverlauf ziemlich auf den Kopf stellte. Nach dem Ausgleichstreffer elf Minuten später war der Bann aber gebrochen, und die Eintracht siegte am Ende hochverdient mit 3:1.

Seine besten Zeiten lange hinter sich hat auch das aber trotzdem immer noch sehenswerte Südstadion Haidekamp, in das Eintracht Gelsenkirchen 1967 umgezogen war. Der Großteil der Tribünen ist mittlerweile wegen akuter Baufälligkeit mit Bauzäunen abgesperrt und darf nur auf eigene Gefahr betreten werden. Nur die große, überdachte Haupttribüne, wo man in großen, roten Buchstaben den Vereinsnamen "SG EINTRACHT GE" lesen kann, ist noch für Zuschauer freigegeben und kann nur über den Innenraum des Stadions erreicht werden. Überall sonst hat sich mittlerweile die Natur den Ground zurückgeholt. Der Ground atmet allerdings immer noch die alten Fußballzeiten, und man kann sich immer noch gut vorstellen, wie hier damals in den Anfangszeiten regelmäßig mehr als 10.000 Zuschauer die Spiele der Eintracht angeschaut haben. Was mit dieser Stadionperle in Zukunft passiert, ist laut Stadt Gelsenkirchen noch nicht entschieden.