SV Straelen 1919
 
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   VfB Speldorf   
  SV Straelen Offiziell
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  VfB Speldorf Offiziell
Oberliga Niederrhein 2017/2018 - Sonntag, 22. Oktober 2017, 15:00 Uhr
SV Straelen - VfB Speldorf (1:1) 1:3

Spielort: Stadion an der Römerstraße, Straelen
Zuschauer: 250
SVS: Ishibashi - Stevens, Lenders, Vogel, Weggen (56.Pütz) - Ribeiro, Kim, Abdelkarim, Istrefi (72.Hitzek) - Grens, Jansen
VfB: Gröger – Nakaoaka, Bartmann, Müller, Szewczyk – Yussif (84.Ouedraogo), Terwiel, Fritzsche, Morina (67.Armen) - Hotoglu (90.Panz), Timm

Tore:
1:0 Grens (7.),
1:1 Hotoglu (18.),
1:2 Morina (53.),
1:3 Hotoglu (74.)
Schiedsrichter: Jonathan Becker (Viersen)

An diesem sehr herbstlichen Sonntag Nachmittag ging es für mich in etwa einer Dreiviertelstunde über die A40 in Richtung Niederlande, nach Straelen. Kurz vor Venlo verließ ich an einer der letzten Ausfahrten vor Venlo die Autobahn und erreichte anschließend relativ schnell das "Stadion an der Römerstraße" des SV Straelen. Die Anlage des SVS liegt gerade einmal ein paar Tausend Meter von der Landesgrenze zu den Niederlanden entfernt und bietet insgesamt drei Naturrasenplätze und einen Aschenplatz. Der Hauptplatz, auf dem die erste Mannschaft auch an diesem Nachmittag spielte, verdient mit einer Kapazität von aktuell ca. 2.300 Zuschauern auch wirklich den Namen Stadion und hat immerhin eine überdachte Sitzplatztribüne sowie an beiden Seiten daneben noch ein paar überdachte und unüberdachte Stehplatzstufen zu bieten. Insgesamt eine für diese Spielklasse sehr nette Anlage. Hinter einem Tor gibt es auch noch ein paar unüberdachte Stehplätze und gegenüber der Haupttribüne noch eine elektronische Anzeigetafel. Dort gibt es auch noch ein paar kleine Behelfstribünen.

Der "Sportverein 1919 Straelen" aus der gleichnamigen 15.000-Einwohner-Gemeinde hatte seine erfolgreichste Zeit in den Jahren zwischen 1996 und 2000, als man der damals noch viertklassigen Oberliga Nordrhein angehörte und dort durch starke Platzierungen für überregionales Aufsehen sorgte. Der Name, der für diese Zeit steht, ist Jos Luhukay, der in dieser Zeit zunächst als Spieler und dann als Trainer für den SV Straelen arbeitete und sich so für höhere Aufgaben empfahl. 1998 gewann man dabei den Niederrheinpokal und in der anschließenden ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gab es gegen den damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf vor 3.400 Zuschauern an der Römerstraße ein furioses 4:7 nach 90 Minuten. 2006 gelang sogar noch einmal (ohne Luhukay) die kurze, zweijährige Rückkehr in die Oberliga Nordrhein, aber danach ging es sportlich abwärts bis in die Siebtklassigkeit. Nach einigen Jahren in der sechstklassigen Landesliga gelang in diesem Frühjahr 2017 als Landesliga-Meister die Rückkehr in die inzwischen nur noch fünftklassige Oberliga, die jetzt Oberliga Niederrhein heißt.

Mit starken 77 Punkten aus 34 Saisonspielen gewann man 2016/17 souverän die Meisterschaft in der Staffel 2 der Landesliga Niederrhein und qualifizierte sich so endlich mal wieder für die Oberliga. Zweiter hinter dem SV Straelen, und damit zweiter Oberliga-Aufsteiger (mit ebenfalls starken 71 Punkten), wurde übrigens der VfB Speldorf, womit wir wieder beim heutigen Duell wären. In der vergangenen Saison 16/17 hatte ich auch erstmals die Oberliga Niederrhein komplettiert, also allen aktuellen Oberligisten vom Niederrhein mindestens einen Besuch abgestattet. Aber durch den Aufstieg des KFC Uerdingen und die Tatsache, dass kein einziger niederrheinischer Klub aus der Regionalliga West abgestiegen war, gab es im vergangenen Sommer gleich fünf Aufsteiger in die Oberliga Niederrhein, die ich allesamt noch nicht besucht hatte. Mittlerweile konnte ich aber schon den DSC 99 Düsseldorf, den VfB Speldorf und den FSV Vohwinkel wieder abhaken. Zur erneuten Komplettierung fehlt mir durch den heutigen Besuch beim SV Straelen dann nur noch der 1. FC Monheim.

Der SV Straelen sorgt auch in dieser Spielzeit 17/18 wieder für Aufsehen, denn in dieses Aufsteigerduell mit dem VfB Speldorf ging man als Überraschungs-Spitzenreiter der Oberliga Niederrhein, mit acht Siegen aus den ersten elf Spielen. So war die Favoritenrolle in diesem Spiel des 12. Spieltags natürlich ganz klar an die Gastgeber vergeben, und bereits nach 7 Minuten lagen sie auch schon mit 1:0 vorne, durch ein Tor des niederländischen Stürmers Grens. Wie in alten Zeiten profitiert man beim SV Straelen von der Nähe zu den Niederlanden, und hat wie damals mehrere Spieler aus unserem Nachbarland als Leistungsträger verpflichtet. Der niederländische Erfolgstrainer Rachid Sraizi hat den Klub indes schon Ende September wieder verlassen, für ein Engagement als Jugendtrainer in China. Nachfolger wurde der ehemalige Bundesligaprofi Dietmar "Didi" Schacht, der die Erfolgsserie des SVS in den letzten Wochen aber fortsetzen konnte. Auch auf der Gegenseite beim VfB Speldorf stand mit Christian Mikolajczak ein Ex-Profi und Ex-Schalker an der Seitenlinie, dessen emotionale Art ich ja schon vom letzten Besuch in Mülheim kannte. Und genau wie vor einem Monat entthronte der VfB Speldorf wiederum beim meinem Besuch den aktuellen Spitzenreiter der Oberliga Niederrhein. 

Ein wunderschönes, unhaltbares Freistoßtor oben in den Winkel durch Hotoglu sorgte für den schnellen Ausgleich für den VfB Speldorf, der das Spiel fortan ausgeglichen gestalten konnte. Für den neutralen Zuschauer war das wirklich ein sehr interessantes Spiel, denn auf beiden Seiten gab es im Minutentakt Großchancen. Da vergaß man auch ab und zu den kalten Wind, der für gefühlte Temperaturen im einstelligen Bereich sorgte. Auch in der zweiten Halbzeit drängten beide Teams sehr offensiv spielend auf das Führungstor. Das gelang dann etwas überraschend den Gästen in der 53. Minute durch Morina. Jetzt war es natürlich ein Spiel auf ein Tor, denn die Gastgeber gingen volles Risiko und erhöhten nochmal den Druck auf das gegnerische Tor. Statt dem hochverdienten Ausgleichstor nutzten die Gäste dann eine Viertelstunde vor dem Ende eine Konterchance gegen die weit aufgerückten Gastgeber zum entscheidenden 1:3.

Durch diese Heimniederlage verlor der SV Straelen erst einmal wieder die Tabellenführung an den SC Düsseldorf-West, während sich die Gäste aus Speldorf nach einem schwachen Saisonstart mittlerweile einen Platz im unteren Tabellenmittelfeld und ein kleines Punktepolster auf die Abstiegsplätze gesichert haben.
Dietmar "Didi" Schacht, Coach des SV Straelen
Dietmar "Didi" Schacht, Coach des SV Straelen
Christian Mikolajczak, Coach des VfB Speldorf
Christian Mikolajczak, Coach des VfB Speldorf
Erinnerung an Jos Luhukay im Vereinsheim des SV Straelen
Erinnerung an Jos Luhukay im Vereinsheim des SV Straelen