SG Wattenscheid 09
 
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  VfL Bochum 1848  
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VfL Bochum bei Westline
Testspiel 2017/2018 - Mittwoch, 12. Juli 2017, 18:30 Uhr
SG Wattenscheid 09 - VfL Bochum (1:2) 1:6

Spielort: Lohrheidestadion, Bochum-WAT
Zuschauer: 2.592
SGW: Sancaktar - Bingöl, Schneider, Clever (17.Jakubowski), Langer (60.Neustädter) - Kim (46.Canbulut), Buckmaier, Tietz, Glowacz - Erwig-Drüppel, Tumbul (28.Tunga)
VfL 1.HZ: Riemann - Stiepermann, Leitsch, Hoogland, Celozzi - Janelt - Bapoh, Stöger, Eisfeld, Weilandt - Diamantakos
VfL 2.HZ: Dornebusch - Soares, Baack, Fabian, Gyamerah - Losilla - Merkel, Mlapa, Saglam, Gündüz - Wurtz

Tore:
0:1 Diamantakos (18.), 0:2 Celozzi (24.), 1:2 Langer (34.), 1:3 Wurtz (66.), 1:4 Merkel (72.), 1:5 Soares (75.), 1:6 Saglam (90.)
Schiedsrichter: Bastian Börner (Iserlohn)

An diesem Mittwoch stand also wieder einmal das "Bochumer Stadtderby" auf dem Programm, das aus Sicht des heutigen Gastgebers ja irgendwie gar keins ist, weil man gar nicht zur Stadt Bochum gehören möchte. 1975, also ausgerechnet in meinem Geburtsjahr, war die bis dahin selbstständige Stadt Wattenscheid in die Stadt Bochum eingemeindet worden, ist aber nie wirklich in Bochum angekommen. Auch nach über 40 Jahren fühlt man sich dort als Wattenscheider und nicht als Bochumer, und die wiedereingeführten Kfz-Kennzeichen mit den drei Buchstaben "WAT" finden dort scheinbar reißenden Absatz, wie man dort auffällig oft auf den Straßen sieht. Wobei man sich als Bochumer, der bei der Eingemeindung noch nicht einmal geboren war, immer fragt, wo die Feindseligkeit einem gegenüber herkommt, sobald man den Stadtteil betritt. Als hätte man höchstpersönlich für die Eingemeindung gesorgt.

Beim Duell VfL Bochum gegen SG Wattenscheid 09 kann man aber - mal abgesehen von dieser Brisanz - sonst eigentlich nicht wirklich von einem Traditionsduell sprechen. In den vergangenen 50 Jahren kreuzten sich lediglich vier Mal die Wege beider Klubs. In drei gemeinsamen Spielzeiten in der 1. Bundesliga und in einer gemeinsamen Saison in der 2. Bundesliga gab es dafür in acht Duellen nur einen einzigen Sieg für die SGW. Bei strömendem Regen siegte die SGW kurz vor Weihnachten 1992 durch zwei Tore von Souleyman Sané (durch wen auch sonst?) mit 2:0 gegen den geliebten Nachbarn im Lohrheidestadion. Leider erinnere ich mich noch viel zu gut daran. Ein Kumpel hatte Tickets für die alte Haupttribüne im Lohrheidestadion besorgt, und nach dem Abpfiff saßen wir wie die begossenen Pudel dort, nicht nur wegen des Dauerregens. Viel lieber denke ich da aber an die ersten beiden Bundesliga-"Heimspiele" der SG09 im geliebten Ruhrstadion zurück, die der VfL beide gewinnen konnte. Das erste Bundesliga-Stadtduell hatte es am 8. Dezember 1990 gegeben, als der VfL auswärts zu Hause im Ruhrstadion mit 4:0 gewann, durch Tore von Stefan Kohn und Jupp Nehl, sowie einen späten Doppelpack des eingewechselten, damals noch blutjungen Peter Peschel. Das bislang letzte Pflichtspielduell beider Klubs gab es bereits am 6. Mai 1995, als der VfL durch Tore von Michalke, Közle und wiederum Peschel mit 3:1 im Lohrheidestadion gewann und schließlich in dieser Saison in die 1. Bundesliga aufstieg, während die SGW in dieser Spielzeit als Tabellenletzter abstieg und es anschließend für die Schwarz-Weißen sogar noch weiter abwärts ging. 

Auch in den vergangenen 20 Jahren hatte es natürlich einige Pflichtspielduelle gegeben, aber immer nur, wenn die zweite Mannschaft des VfL auf die erste der SGW traf.  Und da ist die Bilanz genau andersherum, auch wenn sich die Zwote des VfL meist in der Tabelle vor der Stadtteil-Konkurrenz platziert hatte. Denn von den insgesamt zehn Derbys mit Schwarz-Weiß gewannen die kleinen VfLer nur ein einziges, nämlich das allerletzte, bevor die zweite Mannschaft des VfL nach der Saison 14/15 abgesetzt wurde. Am 2. April 2015 siegten die kleinen VfLer nämlich mit 2:0 im Lohrheidestadion. Genau dieses Spiel, zusammen mit dem letzten Testspielduell mit den VfL-Profis, hatte aber dafür gesorgt, dass es jahrelang aus Sicherheitsgründen kein Testspiel-Duell mehr zwischen den beiden Vereinen mehr gegeben hatte. Beim letzten Testspiel am 11.10.2012 in der Lohrheide waren im Gästeblock geklaute Blockfahnen des Gegners präsentiert und zerrissen worden, und auch außerhalb des Stadions hatte es noch ordentlich "geknallt". Beim letzten Duell der VfL-Zwoten mit der SGW 2014 hatte es bereits vor dem Anpfiff einen doppelten Platzsturm gegeben, und wiederum hatte die Polizei vor und nach dem Spiel so viel in der Wattenscheider Innenstadt zu tun, dass die letzten Testspielduelle jeweils unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden mussten.

In diesem Jahr war es überraschenderweise mal wieder so weit, dass Zuschauer bei der Austragung dieses Duells dabei sein durften. Was auch daran gelegen haben könnte, dass der schwarz-weiße Nachbar mal wieder in Geldnöten ist und die Einnahmen aus dem Spiel deshalb gut gebrauchen kann. Aber auch aus Bochumer Sicht war es ein besonderes Spiel, denn nur einen Tag zuvor hatte es vereinsintern offenbar den großen Knall gegeben, denn der bisherige Cheftrainer Gertjan Verbeek war nach knapp 2,5 Jahren völlig überraschend am Vormittag beurlaubt worden. Am gleichen Tag hatte man bereits den Nachfolger präsentiert: Ismail Atalan, für den nur einen Tag später, also an diesem Abend, schon sein erstes Testspiel als neuer Cheftrainer des VfL Bochum auf dem Programm stand.

Und bis auf eine kleine Phase kurz vor der Halbzeitpause beherrschte der VfL dieses Testduell auf jeden Fall sehr eindrucksvoll nach Belieben. Da hat man sich in der Vergangenheit schon deutlich schwerer gegen Regionalligisten getan. Nur nach dem überraschenden Anschlusstreffer für die SGW in der 34. Minute wackelte die VfL-Defensive etwas und die Gastgeber waren drauf und dran, noch vor dem Pausenpfiff ein zweites Tor nachzulegen. In der zweiten Hälfte dann waren die VfLer, die komplett durchgewechselt hatten, wieder hoch überlegen, ließen überhaupt nichts mehr anbrennen und gewannen dieses Spiel schließlich äußerst souverän. Zugegebenermaßen ging den Gastgebern, die auf Grund von Personalnöten nicht komplett durchwechseln konnten, in der Schlussphase auch etwas die Puste aus. Aber trotzdem hat dieser Abend aus VfL-Sicht Spaß gemacht.