SC Herford   
1
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2
SC Paderborn 07
  SC Paderborn Offiziell
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  SC Herford Offiziell
Westfalenpokal (VF) 2017/2018 - Dienstag, 31. Oktober 2017, 13:30 Uhr
SC Herford - SC Paderborn (0:0) 1:2

Spielort: Ludwig-Jahn-Stadion, Herford
Zuschauer: 1.762
SCH: vom Hofe - Heermann, Safonov, Wohlann - Bartling, Vezzon (78.Zech), Wehmeier, Papaspiros, Kleit (61.Glaveski), Röber - Gecim (90.Mädler)
SCP: Ratajczak - Stingl, Strohdiek, Collins, Bertels - Schallenberg (80.Krauße), Wimmer, Kruska (60.Michel), Soyak - Geurts (60.Zolinski), van der Biezen
Tore:
0:1 Bertels (60.),
1:1 Röber (86.),
1:2 van der Biezen (89.)
Schiedsrichter: Tobias Severins (Wiedenbrück)

In diesem Jahr war der 31. Oktober, im "Luther-Jubiläumsjahr", also zum 500. Jahr des Beginns der Reformation unter Martin Luther, ausnahmsweise einmal in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, was für den Fußballbegeisterten ganz profan erst einmal eine weitere Möglichkeit zu einem Stadionbesuch bedeutet. Denn logischerweise waren für diesen Tag im gesamten Bundesgebiet jede Menge interessante Fußballspiele angesetzt. So setzte auch der Sport-Club aus Herford sein Heimspiel im Viertelfinale des Westfalenpokals für genau diesen Tag an, natürlich mit der Hoffnung möglichst viele Zuschauer anzuziehen, oder zumindest mehr, als bei einer Austragung an einem Abend mitten in der Woche gekommen wären. Wobei eine Austragung an einem Abend sowieso schwierig geworden wäre, weil das Ludwig-Jahn-Stadion des SC Herford über keine Flutlichtanlage verfügt, und der Kunstrasen-Nebenplatz, auf dem der Klub gewöhnlicherweise seine Heimspiele in der sechstklassigen Westfalenliga spielt, bestimmt den Sicherheitsauflagen für diese Begegnung nicht gerecht geworden wäre.

Mit fast 2.000 Zuschauern ging der Plan, möglichst viele Besucher für dieses Pokalspiel anzulocken, jedenfalls für den SCH voll auf. Für viele Groundhopper war dieses Duell ja auch so etwas wie ein Pflichtbesuch, eben aus dem Grund, dass der SC Herford seine Heimspiele fast ausnahmslos auf dem Nebenplatz hinter der Haupttribüne austrägt und man dieses großartige Stadion sonst nur mit einem Heimspiel der Zweitliga-Frauen des Herforder SV besuchen kann. Die Zahl der Groundhopper an diesem Nachmittag ist natürlich schwer zu schätzen, aber war definitiv dreistellig, denn alleine mehr als 100 hatten sich bei der Groundhopper-App für dieses Spiel angemeldet. Außerdem sah man verdächtig viele Leute, die das Stadion, mit einem Fotoapparat ausgerüstet, umrundeten.

Mit Mike, Marc und Max ging es also an diesem Tag nach Ostwestfalen und etwa eine Stunde vor dem Anpfiff erreichten wir das Ludwig-Jahn-Stadion und fanden auch relativ schnell einen kostenneutralen Parkplatz in direkter Nähe. Erst einmal ging es in ein kleines italienisches Restaurant, wo es (leckere) Riesenportionen zu einem sehr günstigen Preis gab. Zehn Minuten vor dem Anpfiff trafen wir am Eingang ein, wo sich eine ordentlich lange Schlange an den beiden Kassen gebildet hatte. Wider Erwarten ging es dann aber doch recht schnell, und so waren wir pünktlich zum (aber auch leicht verspäteten) Anstoß im Stadion.

Der SC Herford hatte sich also etwas überraschend bis ins Viertelfinale des Westfalenpokals gekämpft (4:1 beim Werner SC, 3:2 beim SV Hilbeck und 4:2 zu Hause gegen TuS Haltern), während der SC Paderborn (3:1 gegen Preußen Münster, 4:0 bei Roland Beckum und 15:0 bei Viktoria Rietberg) als aktueller Drittligist natürlich zu den großen Favoriten auf diesen Titel gehört. Zwar trat der SC Paderborn nur mit einer verstärkten Reservemannschaft zu diesem Pokalspiel an, war aber als aktueller Spitzenreiter der 3. Liga natürlich haushoher Favorit in diesem Duell. Vor exakt einer Woche hatte man dazu den Zweitligisten VfL Bochum in der 2. Runde des DFB-Pokals besiegt und darf sich auch in diesem Wettbewerb weiter Hoffnungen auf eine kleine Sensation machen.

Vor dem Spiel ging es also eigentlich nur um die Höhe des Paderborner Sieges, aber die Gäste aus der Pfauenstadt enttäuschten an diesem Nachmittag auf ganzer Linie. Sie bestimmten zwar (wenig überraschend) ganz klar das Spiel, aber ohne zu gefährlichen Torchancen zu kommen. So fiel auch das Führungstor in der 60. Minute fast wie aus dem Nichts. Vier Minuten vor dem Ende gelang den Gastgebern das überraschende aber gar nicht unverdiente Ausgleichstor. Aber in die Verlängerung wollten die Profis aus Paderborn dann doch nicht und schalteten plötzlich wieder einen Gang hoch und kamen noch vor dem Abpfiff zum erneuten Führungstor, das dann auch den Sieg bedeutete. Stimmung gab es keine, auch weil die aktive Fanszene des SCP nicht auszumachen war und der Rest der vielen Paderborner Fans im weiten Rund eigentlich nur durch Szenenapplaus in der 60. Minute auffiel, als ihr Torjäger und Publikumsliebling Sven Michel eingewechselt wurde.

Für den SC Herford war dieses Pokalspiel mal wieder eine Erinnerung an erfolgreiche Zeiten des Vereins, der zwischen 1976 und 1981 insgesamt vier Jahre lang der 2. Bundesliga angehört hatte. Anschließend gehörte man noch ein paar Jahre der damals noch drittklassigen Oberliga Westfalen an, bis es sportlich abwärts ging. Ein kleines Zwischenhoch gab es nochmal zur Jahrtausendwende, als man 1999 bis 2001 zwei Jahre in der dann nur noch viertklassigen Oberliga Westfalen u.a. gemeinsam mit den Amateuren des VfL Bochum spielte. Danach ging es wieder hinunter bis in die Siebtklassigkeit. 2014 schaffte man immerhin wieder die Rückkehr in die Sechstklassigkeit, in die Westfalenliga, in der man seitdem spielt.

Aus der Zeit in der 2. Bundesliga stammt auch der Zuschauerrekord des SC Herford für das Ludwig-Jahn-Stadion, das 1955 errichtet worden war und ein Leichtathtletikstadion mit sechs Bahnen ist. 
17.800 Besucher hatten damals das Zweitliga-Nachbarschaftsduell zwischen dem SC Herford und Arminia Bielefeld verfolgt. Noch mehr Zuschauer, nämlich geschätzte 25.000 bis 30.000, hatte es davor schon 1965 beim Feldhandball-DM-Finale zwischen dem TV Wellinghofen und Grün-Weiß Dankersen gegeben. Die Heimstätte des SC Herford ist heutzutage immer noch offiziell für 18.400 Zuschauer zugelassen. Alleine 1.400 Besucher finden auf der überdachten Haupttribüne Platz. An gleicher Stelle war bereits 1936 ein Stadion errichtet worden, das damals 6.000 Zuschauer fassen konnte. Wegen größerer Kriegsschäden musste das alte Herforder Stadion Anfang der 1950er Jahre aber leider abgerissen werden. Das neue Ludwig-Jahn-Stadion wurde zuletzt 1998 saniert.