KV Kortrijk     
 
2
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1
Standard de Liège
  KV Kortrijk Offiziell
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  Standard de Liege Offiziell
Jupiler Pro League 2017/2018 - Mittwoch, 27. Dezember 2017, 20:30 Uhr

KV Kortrijk - Standard de Liege (0:0) 2:1

Spielort: Guldensporenstadion, Kortrijk
Zuschauer: 8.714
KVK: Kaminski - D'Haene, Kumordzi, Kagelmacher, Ouali - Azouni, Makarenko - De Smet (75.Attal), Stojanovic (66.Lepoint), Chevalier - Perbet
SDL: Ochoa - Pocognoli, Laifis, Luyindama, Cavanda - Agbo, Marin - Mpoku (70.Ndongala), Carlinhos (44.Scholz), Edmilson - Sá (89.Emond)
Tore:
0:1 Marin (65., Handelfmeter),
1:1 Cavanda (83., Eigentor),
2:1 Perbet (90.+3, Linksschuss, Vorarbeit Attal)
Schiedsrichter: Nathan Verboomen (Mechelen)
Gelb-Rote Karte: Agbo (42., Liege, wiederholtes Foulspiel)

Am Tag nach Weihnachten ging es gemeinsam mit Björn für mich endlich mal wieder nach Belgien. Über Venlo, Eindhoven, Antwerpen und Gent ging es in etwa drei Stunden nach Westflandern, genauergesagt nach Kortrijk. Die 75.000-Einwohner-Stadt liegt schon sehr nahe der französischen Grenze (etwa 9 km von der belgisch-französischen Grenze entfernt), gehört aber noch zum niederländisch-flämischen Sprachraum. Trotz der vermeintlichen Sprachbarriere gehört die Stadt zur Euregio Kortrijk-Lille mit insgesamt 1,9 Milllionen Einwohnern.

Waren wir noch bei Sonnenschein und blauem Himmel in Essen gestartet, empfing uns Kortrijk am Abend mit Dauerregen und starkem Wind, also recht ekligem Wetter. Als erstes wurde - obligatorisch bei einem Besuch in Belgien - eine Frituur angesteuert, um die typischen Köstlichkeiten der belgischen Küche zu genießen. Anschließend fuhren wir die letzten Meter zum Guldensporenstadion des KV Kortrijk, wo wir noch einen kostenneutralen Parkplatz in direkter Stadionnähe fanden. Grund für unseren Besuch war der so genannte "Boxing Day", also der Tag nach Weihnachten, an dem vor allem in den Commonwealth-Staaten traditionell viele Sportereignisse stattfinden. Auch in Belgien wird seit vielen Jahren traditionell in der Eliteklasse des Fußballs am 26. und 27. Dezember gespielt, und so empfing der KV Kortrijk an diesem Abend niemand geringeres als Standard de Liege, also einen der großen Traditionsvereine in unserem Nachbarland, mit 10 Meistertiteln und 7 Pokalsiegen.

So viel Tradition und vor allem Erfolge kann der "Koninklijke Voetbalclub Kortrijk" (also der "Königliche Fußballklub Kortrijk") noch nicht bieten. Erst im Jahr 1971 ist der Verein aus einer Fusion des "SC Courtraisien" und "Stade Kortrijk" entstanden. Seitdem pendelt man regelmäßig zwischen erster und zweiter belgischer Liga hin und her. Zwischen 1976 und 1999 spielte man immerhin insgesamt 16 Jahre erstklassig. Seit dem letzten Aufstieg 2008 spielt man ununterbrochen in der belgischen Eliteliga. Die beste Platzierung des Klubs in der ersten belgischen Liga war bislang ein fünfter Rang in der Saison 2009/2010. Das Guldensporenstadion des KV Kortrijk ist glücklicherweise kein moderner Standardbau, sondern etwas oldschool-mäßig mit vier unterschiedlich aussehenden Tribünen und schönen, altmodischen Flutlichtmasten.

Als etwas schwierig stellte es sich nur heraus, den für uns richtigen Eingang zu finden. Björn hatte für uns beide Tickets auf der Gegentribüne, direkt neben dem Gästeblock, besorgt, und so suchten wir zunächst vergeblich einen Eingang in der Nähe des Gästeblocks. Ein Ordner verriet uns schließlich, dass wir quasi einmal ganz ums Stadion herum müssen. Es schüttete immer noch wie aus Eimern, also war die Lauferei kein besonderes Vergnügen. Auf unseren Plätzen angekommen, realisierten wir zum ersten Mal, dass wir heute eigentlich ganz großes Glück hatten. Denn der früher an diesem Abend ebenfalls angesetzte Erstligakick beim KV Oostende war bereits abgesagt worden, wie uns das Handy verriet, und der Rasen hier im Guldensporenstadion war logischerweise auf Grund des Wetters auch nicht in allerbestem Zustand. Auch die restliche Zeit bis zum Anpfiff schüttete und stürmte es weiter, aber glücklicherweise sah man hier von einer kurzfristigen Absage ab. Denn dann hätten wir nicht nur die knapp 600 km hin und zurück völlig umsonst heruntergespult, sondern dann hätte Björn seine Komplettierung der belgischen ersten Liga wieder verschieben müssen.

Dem Rasen tat diese Entscheidung, das Spiel trotzdem auszutragen, aber natürlich nicht allzu gut. Während er zu Beginn bis auf die Strafräume noch einigermaßen grün aussah, konnte man am Ende dieser Partie eigentlich kaum noch zusammenhängende grüne Flächen zwischen all dem Matsch erkennen. Links neben uns lieferten die Gästefans aus Liege einen durchgängig lauten ultra-orientierten Support ab. Von den Heimfans kam erst einmal leider nicht viel, aber das sollte sich in der Schlussphase dieses Spiels ändern.

Auch das Spiel selbst war überraschenderweise gar nicht öde, sondern auch für den neutralen Betrachter sehr kurzweilig, und das nicht nur aus sportlicher Sicht. Für besonders viel Emotionen sorgte Lüttichs Nigerianer Uche Henry Agbo, der in der 42. Minute die Gelb-Rote Karte sah, aber sich minutenlang weigerte, den Platz zu verlassen. Währenddessen belagerten seine Mitspieler heftig und wild diskutierend den Schiedsrichter, dem es überhaupt nicht gelang, die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Nachdem Agbo schließlich doch überredet werden konnte, das Spielfeld zu verlassen, musste er auf dem Weg in die Kabine noch an der kompletten Heimkurve vorbei. Als er erst der Haupttribüne den Mittelfinger zeigte und dann einen halbleeren, auf ihn geworfenen Bierbecher zurück in den Stehblock hinter dem Tor pfefferte, drohte die Lage völlig zu eskalieren, denn er hörte auch jetzt nicht auf, die Heimfans weiter zu provozieren. Aber seine Mitspieler, ein Betreuer und die Spieler von Kortrijk schafften es doch irgendwie ihn ohne weitere Eskalation in die Katakomben zu bringen. Die Halbzeitpause kam jetzt zum absolut richtigen Zeitpunkt, denn dadurch beruhigte sich die Lage wieder.


Die technisch klar besseren Gäste aus Liege wurden nach der Pause trotz Unterzahl immer offensiver und kamen durch einen verwandelten Handelfmeter zur mittlerweile verdienten Führung. Vorher hatten sie schon einige gute Möglichkeiten relativ kläglich vergeben. Etwas überraschend kamen die Gastgeber in der 83. Minute zum Ausgleich, und drehten jetzt richtig auf und in der Nachspielzeit das Spiel tatsächlich sogar noch komplett zu ihren Gunsten.

Alternativbericht von Björn bei "Wohin der Ball auch rollt"
Heimblock vor dem Spiel
Heimblock vor dem Spiel
Heimfans KV Kortrijk
Heimfans KV Kortrijk
Tumulte nach dem Platzverweis
Tumulte nach dem Platzverweis
Heimblock
Heimblock