FSV Vohwinkel 1948
 
3
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  1. FC Bocholt 1900  
  FSV Vohwinkel Offiziell
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  1. FC Bocholt Offiziell
Oberliga Niederrhein 2017/2018 - Samstag, 16. September 2017, 17:00 Uhr
FSV Vohwinkel - 1.FC Bocholt (2:0) 3:0

Spielort: Sportplatz Lüntenbeck, Wuppertal
Zuschauer: 104
FSV: Karagiannis - Winter, Cansiz, Heinen, Lyttek - S.Terada (86.Sudano), Kostikidis, Zupo - R.Terada, Rehmes (74.Kanahashi), Lühr (60.Jansen) 
FCB: Schumacher - Bleker, Beckert, Winking, Gurny (46.Belkassem) - Bugla, Meißner, Nemec (71.Welter), Möllmann - Albrecht (46.Reekers), Goris
Tore:
1:0 S.Terada (1.),
2:0 Lühr (34.),
3:0 Jansen (90.)
Schiedsrichter: Sebastian Lattberg (Mülheim an der Ruhr)
Bes. Vorkommnisse: Karagiannis (FSV) hält Foulelfmeter von Bugla (Bocholt, 41.)

An diesem mit 20°C sehr spätsommerlichen, sonnigen Nachmittag ging es nochmal kurz hinüber nach Wuppertal, genauergesagt nach Vohwinkel, in den mit etwa 30.000 Einwohnern drittgrößten Stadtteil der Gemeinde im Bergischen Land. Im vorgezogenen Spiel des 7. Spieltags der fünftklassigen Oberliga Niederrhein empfing Aufsteiger FSV Vohwinkel den 1. FC Bocholt, der als großer Aufstiegsfavorit in die Saison gegangen war und bislang wohl die größte Enttäuschung der Saison in dieser Spielklasse ist.

Für mich war dieser kleine Samstagsausflug quasi eine Rückkehr in die Vergangenheit, denn vor 15 Jahren hatte ich mal für ein halbes Jahr in Vohwinkel gewohnt, am Heinrich-Bammel-Weg. Heinrich Bammel war nicht der Erfinder der Angst, wie wir damals dachten, sondern der letzte Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Vohwinkel, die schließlich 1929 in die neugegründete Stadt Wuppertal eingemeindet wurde. Blickfang von Vohwinkel ist neben dem historischen Rathaus und dem Schloss Lüntenbeck vor allem auch die Kaiserstraße, die Geschäftsstraße, die im Ort selbst komplett von der Wuppertaler Schwebebahn "überragt" wird. Genau in der Pizzeria, in der Nähe der Endstelle der Schwebebahn, wo ich auch damals vor 15 Jahren oft gegessen hatte, aß ich vor dem Besuch des Spiels eine Pizza, und machte mich dann etwa eine Stunde vor Anpfiff auf den Weg zum Sportplatz Lüntenbeck, der versteckt idyllisch in einem kleinen Waldgebiet, ein ganzes Stück außerhalb des Zentrums von Vohwinkel, liegt.

Dort hat der "Fußball Sport Verein Vohwinkel" seit 1952 sein zu Hause. Der Klub war 1948 als Lüntenbecker SV gegründet worden. 1970 entstand schließlich der FSV Vohwinkel, durch die Fusion des Lüntenbecker SV mit dem FC Vohwinkel. Noch bekannter als der FSV war eigentlich die TSG 80 Vohwinkel, die zu den Gründungsmitgliedern der Oberliga West, also der damals höchsten deutschen Spielklasse, gehört hatte, aber 1954 mit in den neugegründeten Wuppertaler SV aufging. Der unbekanntere FSV Vohwinkel hatte bis 2007 nur auf lokaler Ebene gespielt, aber in diesem Jahr sorgte man erstmals auch überregional für etwas Aufmerksamkeit, als der Aufstieg in die Landesliga Niederrhein gelang und Ex-Profi Holger Gaißmayer 41 Saisontore dazu beisteuerte. Gaißmayer blieb dem Klub als Spieler (bis 2008) und auch anschließend als Trainer (bis 2013) treu, war auch an diesem Nachmittag im FSV-Trainingsanzug anwesend. Allerdings konnte ich nicht ausmachen in welcher Funktion.

Im Sommmer 2017 war dem FSV Vohwinkel als Meister der Landesliga Niederrhein der wohl bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelungen und so stieg man erstmals in die Fünftklassigkeit und damit in die höchste Spielklasse am Niederrhein auf. Der Start in die neue Liga bedeutet für den FSV nicht überraschend bislang ein stetiges Auf und Ab. Durch den heutigen 3:0-Erfolg über den 1. FC Bocholt steht man mit drei Siegen und vier Niederlagen eigentlich auf einem guten Mittelfeldplatz in der Tabelle der Oberliga Niederrhein. Da verwundert es doch, dass man beispielsweise das letzte Heimspiel mit 3:5 gegen den in dieser Spielklasse bislang völlig überforderten Düsseldorfer SC 99 verloren hat.

Denn an diesem Nachmittag zeigte der FSV eine richtige starke Leistung, und das gegen einen der Aufstiegsfavoriten. Der 1. FC Bocholt hatte sich vor dieser Saison mit einigen namhaften Spielern verstärkt, unter anderem mit Keeper Maurice Schumacher und Torjäger Philipp Goris von Regionalliga-Aufsteiger KFC Uerdingen, erwischte aber heute einen mehr als gebrauchten Tag. Bereits nach 20 Sekunden stand es 1:0 für die Gastgeber durch den Japaner Shun Terada. Das war wahrscheinlich das schnellste Tor, das ich je bei einem Livespiel gesehen habe. Gerade die beiden Brüder Terada, die kurz vor Saisonbeginn vom Wuppertaler SV ausgeliehen worden waren, machten echt Spaß. Shun Terada hatte in der vergangenen 41(!) Tore für den Düsseldorfer SC 99 in der Landesliga erzielt, und damit die Landeshauptstädter mehr oder weniger im Alleingang zum Aufstieg in die Oberliga Niederrhein geschossen. Auch in dieser Saison kommt der ältere Terada nach 7 Spielen schon wieder auf drei Tore und sechs Assists. Auch das 2:0 für den FSV durch Lühr war eine Co-Produktion der Terada-Brüder, die zwei Mal schnell und großartig geschaltet hatten. Zum gebrauchten Tag für den 1. FC Bocholt passte es, dass man kurz vor dem Halbzeitpfiff noch einen Fouelfmeter zugesprochen bekam, aber auch diesen vergab.

In der zweiten Halbzeit war es ein Spiel auf ein Tor. Der 1. FC Bocholt drängte auf das Anschlusstor, aber schaffte es nicht wirklich gefährlich zu werden. Kurz vor dem Ende des Spiels zeigte sich der tolle Sommer 2017 noch einmal von seiner besten Seite. Nach einem Gewitter mit heftigem Regenschauer wurde das Spiel kurz unterbrochen. In der Nachspielzeit erhöhte dann schließlich der eingewechselte Jansen für den FSV Vohwinkel noch auf 3:0. Die beiden Terada-Brüder hätten das Ergebnis bei einigen Kontermöglichkeiten sogar noch höher schrauben können.