FC Sankt Pauli II
 
2
:
1
    VfB Lübeck    
  FC St. Pauli Offiziell
:
  VfB Lübeck Offiziell
Regionalliga Nord 2017/2018 - Sonntag, 1. Oktober 2017, 14:00 Uhr
FC St. Pauli II - VfB Lübeck (0:0) 2:1

Spielort: Edmund-Plambeck-Stadion, Norderstedt
Zuschauer: 350
FCSP: Zimmermann - Park, Koglin, Keller, Carstens, Lee (90.Ambrosius) - Conteh (77.Pfeiffer), Zehir, Bräuning, Choi (60.Sobotta) - Schneider
VfB: Gommert - Halke, Marheineke, Wehrendt, Weissmann (35.Gomig) - Nogovic, Deichmann, Gebissa, Hoins (46.Löffler) - Isitan (82.Richter) - Noel
Tore:
0:1 Noel (54., Vorarbeit Isitan),
1:1 Keller (68., Foulelfmeter, Vorarbeit Schneider),
2:1 Schneider (90.)
Schiedsrichter: André Schönheit (Bremerhaven)

Nach dem Debakel des VfL Bochum am Samstag bei Holstein Kiel verbrachte ich auch noch die Nacht in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Und nach dem Frühstück im Hotel ging es in etwa 20 Minuten noch einmal an die Spitze der Kieler Förde, nach Laboe. Bei dem herrlichen Wetter mit 20°C, blauem Himmel und Sonnenschein ging ich die Promenade und den netten Sandstrand entlang und genoss ein kleines bisschen Urlaubsfeeling. Irgendwann hatte ich aber genug Sonne getankt und machte mich auf den Weg gen Süden, denn auch an diesem Tag hatte ich noch etwas Fußball auf dem Plan. Nach ca. 100 km legte ich deshalb nochmal einen kleinen Stopp ein. An der Ausfahrt Hamburg-Schnelsen verließ ich die Autobahn A7 und fuhr direkt wieder über die Landesgrenze zurück nach Schleswig-Holstein, nach Norderstedt.

Die 80.000-Einwohner-Gemeinde Norderstedt liegt direkt an der Grenze zu Hamburg, gehört aber politisch zu Schleswig-Holstein, und ist die fünftgrößte Stadt des nördlichsten deutschen Bundeslands. Fußballerisch gehört Norderstedt allerdings dann doch wieder zu Hamburg, denn der heimische FC Eintracht Norderstedt gehört dem Hamburger Fußballverband an. Überhaupt ist Norderstedt ein Zwitter zwischen den beiden Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, denn man hat u.a. die gleiche Vorwahl wie die Hansestadt (040) und manche Straßen verlaufen quasi quer über die Stadt- und Landesgrenze unter Beibehaltung des Namens und Fortsetzung der Nummerierung.

Der eigentliche Nutzer des Edmund-Plambeck-Stadions ist auch der ortsansäßige FC Eintracht Norderstedt, aber seit diesem Sommer gibt es mit der zweiten Mannschaft des FC Sankt Pauli wieder einen zweiten Nutzer des Grounds in der viertklassigen Regionalliga Nord, nachdem auch die U23 des Hamburger SV hier ein paar Jahre lang ein zu Hause gefunden hatte. Die U23 des FC St. Pauli hatte auch bereits in der Saison 2014/15 hier ihre Heimspiele ausgetragen, war aber seit 2015 in das Stadion Hoheluft, das ich im vergangenen Sommer besucht hatte, nach Eppendorf umgezogen. Das Stadion des SC Victoria Hamburg wird aber aktuell in einen Kunstrasenplatz umgebaut. Theoretisch hätte die U23 des FC St. Pauli zwar hier weiter seine Heimspiele austragen dürfen, weil Kunstrasenplätze in der Regionalliga grundsätzlich erlaubt sind, aber weil man gerne weiter auf Naturrasen spielen möchte, blieb nur der Umzug zurück nach Norderstedt, denn leider verfügt Hamburg mit Ausnahme der beiden Bundesliga-Stadien über keinen weiteren regionalliga-tauglichen, verfügbaren Ground, also über kein weiteres Stadion, das den teilweise sinnlos hohen Sicherheitsstandards für diese Spielklasse entspricht.

Das Edmund-Plambeck-Stadion, das nach dem langjährigen Vorsitzenden des 1. SC Norderstedt (dem Vorgängerverein der Eintracht) benannt wurde, bietet aktuell etwa 5.000 Zuschauern Platz und verfügt auf einer Längsseite über eine überdachte Sitzplatztribüne mit 1.320 Sitzschalen, und auf zwei weiteren Seiten unüberdachte Stehplatzstufen, ist also ein ganz ordentlicher Regionalliga-Ground, als reines Fußballstadion, wo man schön nah dran am Geschehen ist. Neben der Haupttribüne befinden sich noch die Kabinen und ein Vereinsgebäude. Das Stadion ist ein Teil eines Sportparks, zu dem noch mehrere Kunstrasenplätze gehören. Die angebotene Currywurst hat den Test jedenfalls mit Bravour bestanden und konnte voll überzeugen und hat absolut Bundesliga-Niveau.

Am 10. Spieltag der viertklassigen Regionalliga Nord empfing die zweite Mannschaft des FC Sankt Pauli an diesem sonnigen Nachmittag also den VfB Lübeck. Während es für die U23 des Kiezklubs wie fast jedes Jahr eigentlich nur um den Klassenerhalt geht, hat man sich in der Marzipanstadt wieder hohe Ziele gesetzt, nämlich den Aufstieg in die 3. Liga. Dem hinkt man aber schon zu einem noch frühen Saisonzeitpunkt schon weit hinterher. Trotzdem wurde der VfB heute von ca. 200 Fans begleitet, für die auch ein Teil der Gegengerade geöffnet wurde. Support gab es von den Gästefans aber heute leider kaum. Nur ab und zu - meist spielbezogen - meldete man sich mal zu Wort. Da hatte ich mir etwas mehr erhofft.

Nach enttäuschender und höhepunktarmer erster Halbzeit nahm das Spiel in den zweiten 45 Minuten endlich richtig Fahrt auf. Kurz nach der Pause gingen die Gäste etwas überraschend in Führung. Die Gastgeber wirkten aber gar nicht geschockt, sondern drehten jetzt richtig auf. Sie brauchten aber schon einen Elfmeter, um endlich zum hochverdienten Ausgleichstreffer zu kommen. Die jungen Kiezkicker drängten jetzt mit aller Macht auf das Siegtor, und wurden in der Nachspielzeit doch noch belohnt, nachdem sie vorher in der Schlussphase zwei Mal nur den Pfosten trafen.