Deutschland U21        
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Kosovo U21
  Deutscher Fußball-Bund
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  Kosovarischer Fußballverband Offiziell
U21-EM-Qualifikation 2017/2018 - Dienstag, 5. September 2017, 19:00 Uhr
Deutschland U21 - Kosovo U21 (1:0) 1:0

Spielort:
Stadion an der Bremer Brücke, Osnabrück
Zuschauer: 5.331
GER: Nübel - Baumgartl, Anton (46.Neuhaus), Klostermann, J.Horn - M.Eggestein, Kehrer - Öztunali, Hartel (66.Waldschmidt), Amiri - J.Eggestein (77.Serra)

KOS: Bekaj - Voca, Ismajli, Kolgeci - Mema, Kabashi (39.Jashari) - Krasniqi, Loshaj - Gashi (86.Shabani) - Hasani - Bytyqi (80.Pllana)
Tore:
1:0 M.Eggestein (45., Rechtsschuss, Vorarbeit Öztunali)
Schiedsrichter: Dumitru Muntean (Moldawien)

Beruflich unterwegs in Osnabrück ergab sich für mich die Gelegenheit, dieses Spiel anzuschauen, dass ich mir ansonsten wahrscheinlich eher nicht angeschaut hätte. Am nächsten Tag durfte ich meinen Verlag bei einem Kongress in der OsnabrückHalle vorstellen, und nach dem Aufbau des Messestandes, dem Einchecken im Hotel sowie einem kleinen Snack im Hotelrestaurant machte ich noch per Bus auf den Weg zum "Stadion an der Bremer Brücke", wo an diesem Abend also das erste EM-Qualifikationsspiel der neuformierten deutschen U21-Nationalmannschaft auf dem Programm stand. Erst einmal stellte ich fest, dass die angeschlagenen Busabfahrtzeiten in Osnabrück scheinbar nur Zirkazeiten sind, denn trotz der Tatsache, dass der nächste Bus eigentlich in fünf Minuten kommen sollte, stand ich noch fast 20 Minuten wartend an der Haltestelle, und so langsam wurde die Zeit bis zum Anpfiff um 19 Uhr knapp. Schließlich hatte ich mich nicht in der Nähe des Stadions, sondern in unmittelbarer Nähe zur Kongresshalle für den nächsten Morgen einquartiert. Dann fuhr der Bus auch noch einmal quer durch die Innenstadt, aber es wurde am Ende mal wieder eine Punktlandung. Etwa zwei Minuten vor dem Einlauf der beiden Teams saß ich auf meinem Platz auf der Haupttribüne, praktischerweise direkt am Gang.

Geöffnet waren für dieses Länderspiel nur die beiden Längsseiten, also die Bereiche mit Sitzplätzen. Die beiden Hintertorseiten, die ausnahmslos aus Stehplätzen bestehen, mussten wie üblich bei solchen Spielen aus Sicherheitsgründen leer bleiben. Trotz des bei so einem Länderspiel üblichen Event-/Klatschpappen-/Kinder-Publikums gefiel mir die Atmosphäre irgendwie, was aber ausschließlich am Stadion selbst gelegen haben dürfte. Für mich ist das "Stadion an der Bremer Brücke" nach wie vor eines der schönsten in Deutschland überhaupt. Klein, kompakt, schöne Flutlichtmasten, mitten in einem Wohngebiet gelegen und keine Laufbahnen, was bedeutet, dass man von jedem Platz aus extrem nah am Geschehen ist."... und die Tribünen stehen derart nah am Spielfeld, dass man den nassen Rasen riechen kann. Das Ambiente ist perfekt für ehrliche Fußballschlachten." (aus dem Buch "Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien" von Werner Skrentny). Oder anders formuliert dem Bochumer Ruhrstadion irgendwie sehr ähnlich.

Über das Spiel muss man leider nicht viele Worte verlieren. Für den Titelverteidiger Deutschland, den immer noch frischgebackenen U21-Europameister 2017, war es Auftakt in die Qualifikation für die nächste U21-EM im Juni 2019 in Italien und San Marino. Für Gegner Kosovo war es dagegen schon das vierte Quali-Spiel für 2019. Das Kosovo ist ein absoluter Länderspiel-Neuling, denn erst am 3. Mai 2016 hatte die UEFA beschlossen, Kosovo als 55. Mitglied aufzunehmen. Das erste offizielle U21-Länderspiel für den Kosovo hatte es dann auch erst am 25. März 2017 gegen Irland in Dublin gegeben, das man auch gleich mit 1:0 gewinnen konnte. Nach einem Heimsieg und einer Auswärtsniederlage gegen Norwegen ging man heute also mit viel Selbstvertrauen und bereits sechs Punkten auf der Habenseite in die Partie gegen den Titelverteidiger. Das Spiel selbst verlief dann aber leider doch recht ereignislos. Denn die Gäste aus dem Kosovo waren extrem defensiv eingestellt und beschränkten sich weitestgehend auf die Verteidigung des eigenen Tores, und den Gastgebern fiel nicht sonderlich viel Kreatives ein. Vielleicht auch kein großes Wunder, denn das deutsche Team war völlig neuformiert. Aus dem Kader der U21-EM im vergangenen Juni waren gerade einmal vier Spieler übriggeblieben. Den Gästen aus dem Kosovo gelang in Halbzeit eins nicht ein einziger Torschuss, und auch in der zweiten Hälfte musste Schalke-Keeper Nübel nicht oft eingreifen. Das Spiel machten also nur die Gastgeber, die aber schon eine exzellente Einzelleistung brauchten, um dieses Spiel zu gewinnen und wenigstens für einen positiven Start in die EM-Qualifikation zu sorgen. Der Bremer Maximilian Eggestein nutzte kurz vor dem Pausenpfiff eine Unkonzentriertheit der Kosovaren und erzielte aus der Drehung das sehenswerte Tor des Tages.

Fußball-Stimmung in dem Sinne gab es an diesem Abend erwartungsgemäß nicht, aber wenigstens die paar Hundert Gästeanhänger, die mir direkt gegenüber saßen, starteten ab und zu mal Gesänge. Der Großteil der kosovarischen Anhänger trug allerdings nicht die National- bzw. Landesfarben blau und gelb, sondern die Fans im Gästeblock waren mehrheitlich in rot und schwarz, also in den albanischen Landesfarben gekleidet, sowie mit albanischen Trikots und Fahnen ausgerüstet. Das ist natürlich auch kein Wunder, bezeichnen sich doch laut Wikipedia ca. 88 % der Einwohner des Kosovos als Albaner. Stimmung auf Heimseite gab es nur, wenn DFB-Maskottchen Paule die Zuschauer zum rhythmischen Klatschen animierte. Ansonsten war es teilweise still wie bei einem Kreisligaspiel, also die berühmte Tennis-Daviscup-Atmosphäre, so dass man die Rufe der Spieler auf dem Platz ungewohnt deutlich vernehmen konnte. Aber das hatte ich jetzt auch nicht groß anders erwartet.