TuS Erndtebrück 1895  
 
3
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SC Rot-Weiß Oberhausen
  TuS Erndtebrück Offiziell
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  Rot-Weiß Oberhausen Offiziell
Regionalliga West 15/16 - Samstag, 2. April 2016, 14:00 Uhr
TuS Erndtebrück - Rot-Weiß Oberhausen (1:0) 3:0

Spielort: Pulverwald-Stadion, Erndtebrück
Zuschauer: 400
TuS: Bäcker - Miyazawa, Below, Saglam, Schaal - Treude (77.Leo), Campagna, Balci (90.Wassinger), Andrijanic - Böhmer (75.Paulo Jorge), Edinho Junior
RWO: Udegbe - Haas, Weigelt, Hermes, Reinert - Budimbu, Kurt, Scheelen (34.Bauder), Kocabas - Engelmann (77.Sezen), Steinmetz (46.Caspari)

Tore:
1:0 Böhmer (22.),
2:0 Treude (68.),
3:0 Andrijanic (90.+3, Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Jan Sauerbier (Stolberg)
Rote Karte: Udegbe (RWO, 90.+2, Notbremse)

An diesem ersten Tag des Jahres, der sich zumindest ein bisschen wie Sommer anfühlte, ging es in etwas mehr als einer Stunde ins Siegerland, nach Erndtebrück, in die 7.000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Siegen-Wittgenstein. Wie im Sauerland fallen einem auch im Siegerland zuerst die vielen Schieferhäuser auf. Zusammen mit den bergigen Straßen und den typischen Ortsdurchgangsstraßen fühlt man sich wirklich wie im Sauerland. Kurz vor dem Ziel kommt man in Lützel sogar an einem Skilift mit einem kleinen Skigebiet vorbei. Schnee lag an diesem Tag natürlich nicht mehr, aber mit knapp 12°C war es doch merklich kühler als im Ruhrgebiet, wo das Thermometer später bis zu 18°C anzeigte.

Der Meistertitel in der Oberliga Westfalen in der vergangenen Saison 2014/2015 war der bislang größte Erfolge des "Turn- und Sportvereins Erndtebrück" in seiner Vereinsgeschichte. Denn dadurch qualifizierte man sich erstmals für die viertklassige Regionalliga West. Bis in die 1990er Jahre hinein hatte der Klub nur in der Bezirksliga gespielt. Wie bei vielen kleinen Vereinen in dieser Spielklasse ist auch in Erndtebrück ein fußballinteressierter Geldgeber der Grund für den plötzlichen sportlichen Aufschwung der letzten Jahre. Nach einigen Aufstiegen erreichte man 2011 die damals fünftklassige NRW-Liga, und konnte sich nach deren Auflösung auch direkt für die ebenfalls fünftklassige Oberliga Westfalen qualifizieren. Dort spielte man jedes Jahr vorne um den Aufstieg mit, und die logische Folge war schließlich der Aufstieg 2015.

Gleichzeitig war man durch diesen ersten Platz in der Oberliga 14/15 auch zum ersten Mal für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal 15/16 qualifiziert, wo man dem Erstliga-Aufsteiger Darmstadt 98 aber chancenlos mit 0:5 unterlag. Dort spielte man im benachbarten Siegener Leimbachstadion, wo man ebenfalls in dieser Regionalliga-Saison aus Sicherheitsgründen viele Heimspiele austragen muss, weil das heimische Pulverwald-Stadion einfach - genauso wie der ganze Verein - etwas zu klein für diese Liga erscheint. Auf der einen Längsseite des Pulverwald-Stadions findet man immerhin eine kleine überdachte Tribüne mit Stehplätzen. Was wie eine Aussichtsplattform hinter dem einen Tor wirkt, entpuppt sich als Gästeblock, mit ein paar Stehplatzstufen, eigener Bewirtung und eigenem Eingang, um den Anforderungen für diese Spielklasse gerecht zu werden. Hinter dem anderen Tor steht das Vereinsheim, wo man von einem Balkon oder im Biergarten nebenan das Spiel verfolgen kann. Insgesamt eine nette Anlage, auch wenn der Verein höchstwahrscheinlich normalerweise ohne das viele hineingepumpte Geld ein paar Klassen weiter unten spielen würde. Ein besonderer Prestigeerfolg für TuS Erndtebrück ist aber sicher, dass man in dieser Saison eine Klasse höher als der große Lokalkonkurrent Sportfreunde Siegen spielt, und somit derzeit der beste Fußballklub im Kreis Siegen ist.

Das Abenteuer Regionalliga neigt sich für den TuS Erndtebrück aber auch schon wieder dem Ende entgegen. Von Anfang an stand man auf einem Abstiegsplatz, und sah als Dauer-Vorletzter zwischendurch schon wie ein sicherer Absteiger aus. Nach einem kleinen Zwischenhoch, wo man u.a. den SC Verl zu Hause mit 5:0 besiegt hatte, gab es vor diesem Duell mit Rot-Weiß Oberhausen aber wieder sechs Niederlagen in Folge. Die heutigen Gäste aus Oberhausen befinden sich dagegen im Niemandsland der Tabelle. Vom anvisierten Aufstiegsplatz ist man ebenso weit entfernt wie von den Abstiegsplätzen. Und genauso lust- und leidenschaftslos spielten sich auch an diesem Nachmittag. So konnten die Gastgeber die letzte theoretische Chance beim Schopf ergreifen, und dieses Spiel recht locker gewinnen. Das 1:0-Führungstor fiel nach einem krassen Fehler von Oberhausens Keeper Udegbe, der einem Erndtebrücker Spieler den Ball genau in die Füße spielte. Der RWO-Torwart erwischte wohl einen sog. gebrauchten Tag, denn in der Nachspielzeit verursachte er durch eine Notbremse auch noch einen Foulelfmeter, den Andrijanic zum 3:0 für Erndtebrück nutzte. Für Udegbe bedeutete das auch die Rote Karte, und so musste mit Kurt ein Feldspieler für die letzten Sekunden ins Oberhausener Tor.

Mit Sinan Kurt (RWO) und Ridvan Balci (Erndtebrück) standen gleich zwei Spieler in der Startelf, die in der vergangenen Saison noch in der U23 des VfL Bochum gespielt hatten. Mit Caspari (RWO) und Wassinger (Erndtebrück) wurden sogar noch zwei weitere Ex-VfLer eingewechselt. Von Heimseite gab es erwartungsgemäß keine Stimmung, die Gäste wurden von knapp 100 Zuschauern begleitet, und ganz ordentlich supportet, zumindest bis zum 2:0. Mit zunehmender Spielzeit kippte die anfangs gute Stimmung bei den RWO-Anhängern, und nach dem Schlusspfiff mussten Team und Trainer noch zum Rapport zu ihren mittlerweile aufgebrachten Fans.