SV Wilhelmshaven   
 
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SC Türkgücü Osnabrück
  SV Wilhelmshaven Offiziell
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  SC Türkgücü Offiziell
Landesliga Weser-Ems 15/16 - Samstag, 4. Juni 2016, 17:00 Uhr
SV Wilhelmshaven - Türkgücü Osnabrück (1:1) 1:2

Spielort: Jadestadion, Wilhelmshaven
Zuschauer: 80
SVW: Krey – Nguini Belinga, Atoui (67.Omeirat), Schlumberger, Greif – Köhler, Kurzawa – Hasani, Wielspütz, F.Janssen - Plichta
SCT: Krzyzostaniak - Ulusoy (63.Saglam), Ucar, Deniz, Moscardini - Hasso, Persson - Altunsaban, Andrade, Güraslan - Selvi (59.Aygün)

Tore:
0:1 Güraslan (10., Foulelfmeter),
1:1 Schlumberger (45.+2),
1:2 Moscardini (50.)
Schiedsrichter: Robin Melzer (Sande)

Von Emden ging es in etwa einer Stunde Richtung Nordost in eine weitere niedersächsische Hafenstadt, nach Wilhelmshaven. Auch beim SV Wilhelmshaven wollte man hoch hinaus, in den Profifußball, und fiel am Ende ganz tief. Schon vor diesem heutigen Spiel an einem wunderschönen Sommerabend gegen den SC Türkgücü Osnabrück stand der Abstieg in die siebtklassige Bezirksliga fest. Mitte/Ende der 1990er Jahre hatte man noch überregional für Aufmerksamkeit gesorgt, als man in die damals drittklassige Regionalliga Nord aufstieg und alternde Stars wie den Litauer Valdas Ivanauskas verpflichtete, die den Klub in die 2. Bundesliga führen sollten. Der sportliche Erfolg wollte sich aber nicht so recht einstellen, und so stieg man zwischenzeitlich wieder in die Oberliga ab und konnte eine Insolvenz gerade noch verhindern.

2006 schaffte man aber noch einmal die Rückkehr in die jetzt viertklassige Regionalliga Nord, und da begann erneut das Unheil für den Verein. 2007 hatte man Sergio Sagarzazu verpflichtet, einen Argentinier mit italienischem Pass. Seine beiden ehemaligen Klubs aus Argentinien forderten plötzlich eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von 160.000 Euro, die der SV Wilhelmshaven nicht zahlen wollte, weil er diese Summe als zu hoch für einen Regionalligisten empfand. Vor allen Instanzen der Sportgerichte verlor der SV Wilhelmshaven allerdings, und musste Geldstrafen und Punktabzüge in den Jahren 11/12 und 12/13 hinnehmen. Weil sich der SV Wilhelmshaven nach wie vor weigerte, diese für einen kleinen Klub horrend wirkende Summe zu zahlen, wurde am 8. November 2013 von der FIFA höchstpersönlich entschieden, dass der SVW nach Ende der Saison 13/14 zwangsweise absteigen muss.

Am 5. Juli diesen Jahres gibt es jetzt die Entscheidung in dieser Sache vor dem Bundesgerichtshof, nachdem das Oberlandesgericht Bremen bereits zu Gunsten des SV Wilhelmshaven entschieden hat. Wenn sich der Bundesgerichtshof diesem Urteil anschließt, dürfte der Fall "SVW" noch sehr interessant werden.

Auf jeden Fall ist es sehr schade, was aus dem SV Wilhelmshaven mittlerweile geworden ist. Zum letzten Heimspiel der Saison verloren sich nicht einmal 100 Zuschauer in dem durchaus schicken, kleinen Stadion. Während für die Gastgeber dieses Duell sportlich sowieso bedeutungslos war, ging es für die Gäste aus Osnabrück, die vor diesem Spiel auf dem ersten Abstiegsplatz standen, noch um den Klassenerhalt. Dazu musste allerdings heute ein Sieg her, und gleichzeitig musste der VfL Wildeshausen sein zeitgleich ausgetragenes Heimspiel gegen SV Holthausen-Biene verlieren. Der SC Türkgücü tat jedenfalls alles dafür, um das Wunder noch zu schaffen. Man spielte die Wilhelmshavener teilweise dermaßen an die Wand, dass diese einem leid tun konnten. Allerdings vergaben die Gäste eine hundertprozentige Chance nach der anderen. Nur Kapitän Güraslan traf per Elfmeter. Freudige Nachrichten gab es dazu aus Wildeshausen, die zur Pause 0:1 zurücklagen. Das hätte den Osnabrückern zum Klassenerhalt gereicht. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte machten die Gastgeber aus Wilhelmshaven dann mit ihrer allerersten Torchance in diesem Spiel doch tatsächlich noch den Ausgleich. Statt 0:5 oder 0:6 stand es also 1:1 zur Halbzeit. So verrückt kann Fußball manchmal sein.

In der zweiten Hälfte machten die Gäste dann früh das 2:1, und brachten diesen Vorsprung sicher und souverän nach Hause. Zum Klassenerhalt reichte es für den SC Türkgücü Osnabrück aber dennoch nicht, denn der VfL Wildeshausen hatte sein Spiel in der zweiten Halbzeit gedreht und noch mit 2:1 gewonnen. Also tat sich auf dem Rasen in den letzten Minuten nicht mehr allzuviel und schließlich schlichen am Ende beide Teams mit hängenden Köpfen als Absteiger in die Bezirksliga vom Platz.


Wie (fast) alles in Wilhelmshaven ist auch das 1999 fertiggestellte Jadestadion sehr schick und modern, aber eigentlich total überdimensioniert. Selbst in der erfolgreichsten Saison 1999/2000, in der man sehr nah am Aufstieg in die 2. Bundesliga war, kamen
im Schnitt gerade mal 3.845 Zuschauer in den offiziell 7.500 Anhänger fassenden Ground. Es handelt sich hier um ein reines Fußballstadion, das an drei von vier Seiten überdacht ist. Nur der Gästebereich ist nicht überdacht. Auf der Haupttribüne gibt es einen VIP-Bereich, mit roten Kinosesseln, wo man das Spiel hinter Glas verfolgen kann. Dieser Bereich war an diesem Nachmittag für alle Zuschauer geöffnet, und tatsächlich setzten sich bei dem schwülwarmen Wetter ein paar Leute lieber in den Bereich nach innen hinter Scheiben, wo es luftmäßig kaum auszuhalten war.

Der "SV Wilhelmshaven Germania 1905" ist ein Produkt verschiedener Fusionen von Klubs in der Stadt. Der zugleich älteste und erfolgreichste Vorgängerklub war "Wilhelmshaven 05", der 1905 gegründet wurde und 1943 sogar das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft erreichte, aber am FC Schalke 04 scheiterte. Ende der 1990er Jahre spielte man in der damals drittklassigen Regionalliga Nord und plante den großen Wurf, also den Aufstieg in die 2. Bundesliga, schaffte dies aber trotz großer finanzieller Anstrengungen nie. 1999 zog man in das neugebaute Jadestadion um und verpflichtete den litauischen Nationalspieler Valdas Ivanauskas. Es folgte der Absturz in die damals viertklassige Oberliga. Von 2008 bis 2014 spielte man erneut in der jetzt viertklassigen Regionalliga Nord. Wegen anhaltender finanzieller Probleme gab es allerdings mehrere Punktabzüge und schließlich den Zwangsabstieg 2014. Weil die Lizenz für die fünftklassige Oberliga Niedersachsen ebenso abgelehnt wurde, folgte gleich der Absturz in die sechstklassige Landesliga Weser-Ems.