RFC Tilleur 1899
2
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1
RFC Warnant
  RFC Tilleur Offiziell
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  RFC Warnant Offiziell
5. Liga Belgien 15/16 - Samstag, 13. Februar 2016, 14:30 Uhr
RFC Tilleur - RFC Warnant (0:1) 2:1

Spielort:
Stade de Buraufosse, Saint Nicolas

Zuschauer: 800
RFCT: Fillieux - Philippe, Van Aerschot, Delcourt, Crespin - Rupcic, Di Gregorio (89.Aktan), Falcione, Andich - Bouchibti (90.+1 Janin), Brissinck
RFCW: Henrotte - Simon, Cambresy (86.Crasset), Klein, Moureaux - Thiry, Praillet (78.Bultot), Neerdael, De Vierman - Licour, Vanstechelman (84.Forchelet)
Tore:
0:1 Licour (43.),
1:1 Brissinck (60.),
2:1 Falcione (77.)
Schiedsrichter: Dominique Lousberg

An diesem kühlen und regnerischen Samstag ging es gemeinsam mit Mike über Düsseldorf, Mönchengladbach und Aachen in die Nähe der belgischen Stadt mit L., dessen Namen ich jetzt gerade leider vergessen habe. Genauer gesagt fuhren wir in die kleine Gemeinde Saint Nicolas, und noch genauer in deren Ortsteil Tilleur, der eine der vielen, wunderbaren belgischen Stadionperlen beheimatet. Schnell fanden wir in der sehr bergigen Landschaft das "Stade de Buraufosse" des RFC Tilleur. Von dort oben hat man einen sehr schönen Überblick über diese komische Stadt, die auf übrigens Niederländisch "Luik" heißt, und die gesamte Umgebung mit den vielen kleinen Vororten. Die Industriekulisse wirkt nach wie vor irgendwie so, wie das Ruhrgebiet vor vielen Jahren mal ausgesehen haben muss. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Stadion Sclessin von Standard, aus der Stadt, die auf Spanisch "Lieja" heißt, und dessen deutscher Namen mir immer noch - aus welchem Grund auch immer - entfallen ist.

Da wir aber erst einmal Hunger hatten, machten wir uns zunächst auf die Suche nach einer Frituur, um natürlich - wie üblich bei einem Besuch in Belgien - wieder landestypisch zu speisen, also irgendwas Frittiertes. Leider hatten wir an diesem Tag aber kein Glück, denn trotz 30-minütigem Herumkurvens durch die Straßen von Tilleur und Saint Nicolas gelang es nicht eine offene "Friterie", wie es auf französisch ganz korrekt heißt, zu finden. So ging es - immer noch hungrig - wieder zurück zum Stadion. Naja, immerhin kennen wir uns jetzt richtig gut in der Umgebung aus, denn wir befuhren viele Straßen mehrmals und auch noch in verschiedene Richtungen. Wunderbar!. "Ach, hier waren wir doch auch schon mal", war wohl der meist gesprochene Satz des Tages. Zu sehen bekamen wir aber insgesamt wenig Schönes. Wie schon beim Besuch in Seraing im Jahr 2014 wirkte hier doch alles etwas trist und heruntergekommen, unter anderem durch die vielen leerstehenden Ladenlokale, durch eingeschlagene Fensterscheiben und überall herumliegenden Müll. Aus irgendeinem Grund ist hier das Wetter auch seit 2004 immer trüb, wenn ich hierhin fahre.

Also ging es eine halbe Stunde vor Anpfiff hinein in das "Stade de Buraufosse", wo man sich als Liebhaber von alten, schon zerfallenden Stadien quasi die Finger wund fotografieren kann. Die beeindruckende Anlage strahlt immer noch den Charme der 1960er Jahre aus, in denen sie gebaut wurde. Auf der einen Längsseite findet man eine relativ moderne, überdachte Sitzplatztribüne, die verschiedene Sitzmöglichkeiten bietet: außen einfache Holzbänke, weiter innen immerhin Sitzschalen, und in der Mitte sogar Kinosessel mit Armlehnen, für die "Großkopferten" in Tilleur und Umgebung. Gegenüber gibt es dazu noch eine sehr schöne alte, überdachte Stehplatztribüne, die ebenfalls wegen der Dachkonstruktion sehr eindrucksvoll wirkt. Hinter dem einen Tor findet man aber sicher die beeindruckendste Tribüne dieser Anlage: Eine sehr hohe und sehr steil wirkende Stehplatzkurve, die in ihrer Art ein bisschen an den alten Bökelberg in Mönchengladbach erinnert. Diese wird aber leider nicht mehr sonderlich gepflegt und ist mittlerweile total vermoost, und auch deswegen für Zuschauer gesperrt. Aber ein offenes Tor lud uns quasi ein, uns auch diese Schönheit mal näher zu betrachten. Hinter dem anderen Tor gibt es auch ein paar Stehstufen, und direkt dahinter das Vereinsheim, von dem aus man als Zuschauer das Spiel bei schlechtem Wetter im Warmen hinter Scheiben verfolgen kann. Hier wollten wir jetzt erst einmal unseren Hunger und Durst stillen. Das war aber nicht ganz so einfach. Denn wie schon vorher bekannt, spricht man im französischsprachigen Belgien genauso wie in Frankreich leider sehr oft kein einziges Wort Englisch. Im hintersten Winkel der Welt, auf der einsamsten Insel am Ende der Welt kann man sich mit Englisch irgendwie verständigen, nur in Frankreich und in der Wallonie klappt das leider nicht. Mit "Händen und Füßen" gelang es uns aber immerhin, ein Stück kalte Pizza zu bestellen. Die war zwar ganz genüßlich, aber hätte durchaus etwas wärmer sein können.

In der fünfthöchsten Spielklasse des Königreiches empfing der RFC Tilleur an diesem Samstag den RFC Warnant zum vorgezogenen Spitzenspiel. Es stand nämlich das Duell Tabellenführer gegen Tabellenzweiter in der höchsten Liga der Provinz L. auf dem Programm. Der "Royal Football Club Tilleur" ist leider nicht mehr der Originalklub, sondern nur - wie so oft in Belgien - das Produkt von vielen Fusionen und Neugründungen. Der originale RFC Tilleur wurde 1899 gegründet und hatte die Stammnummer 21 des Belgischen Fußballverbandes (war also der 21.-älteste Fußballverein des Landes) und spielte sogar zeitweise bis in die 1960er Jahre immer mal wieder erstklassig, aber fusionierte nach sportlichem Niedergang schließlich 1995 mit dem "RFC de Liege" zum neuen Verein "RFC Liege-Tilleur". Der Grund war ganz einfach, dass der Traditionsklub RFC de Liege (Stammnummer 4) ein neues Stadion brauchte, weil das eigene Stadion in Rocourt leider abgerissen worden war. Eigentlich war das Ganze aber mehr eine Art feindliche Übernahme, denn der RFC de Liege strich das Wort "Tilleur" schon sehr bald wieder aus seinem Vereinsnamen und zog auch bald schon wieder in ein anderes, größeres Stadion um, nämlich nach Seraing ins "Stade du Pairay". Inzwischen hatten im Jahr 1999 alte Vereinsmitglieder längst wieder einen neuen "RFC Tilleur" gegründet, der zunächst noch "RFC Tilleur-St.Gilles" hieß. 2014 gab es eine weitere Fusion mit "Cité Grace-Hollogne", um sich die Viertligalizenz zu sichern. Seitdem heißt der Klub wieder "RFC Tilleur" und versteht sich natürlich als Nachfolger des alten Klubs von 1899, wie man auch im neuen Vereinslogo sieht. Nach nur einer Saison in der 4. Liga folgte allerdings schon wieder der Abstieg, und so kämpft man in dieser Saison um den direkten Wiederaufstieg.

Und beim Erreichen dieses Saisonziels sieht es zurzeit sehr positiv aus, denn durch den heutigen Erfolg gegen den direkten Konkurrenten hat man jetzt acht Punkte Vorsprung auf den zweiten Platz, 9 Spieltage vor dem Saisonende. Die offiziell 800 Zuschauer (wir hätten die Zuschauerzahl eher auf 300 geschätzt) sahen kein besonders niveaureiches aber ein sehr kämpferisches Spiel, auf tiefem Rasen bei Dauerregen. Genauso hatten wir das aber auch erwartet (und erhofft). In der ersten Halbzeit war es quasi ein Spiel auf ein Tor. Die "Himmelblauen" rannten auf das Tor der Gäste an, aber schafften es irgendwie nicht, den Ball im Netz des Gegners unterzubringen. Mit ihrer erst zweiten Torchance in dieser Begegnung stellten die Gäste kurz vor der Pause den Spielverlauf völlig auf den Kopf, und gingen total unverdient mit 1:0 in Führung. In der zweiten Hälfte drehten die Gastgeber aber verdientermaßen dieses Spiel, gewannen noch 2:1 und kamen so dem Aufstieg in die 4. Liga ein großes Stück näher.

Auf dem Rückweg schickte uns das Navi natürlich wieder eine andere Route entlang, und meinem Satz "Das sieht ja hier genauso aus wie in Seraing." folgte ganz schnell die Erkenntnis "Das ist ja Seraing!". Im Nachhinein stellte ich fest, dass das Stadion von Seraing gerade einmal 8 km entfernt vom Stadion in Tilleur liegt. Na toll, hier hätten wir eine gute Frituur gekannt, wo wir uns vor dem Spiel hätten stärken können.
Eingang "Stade de Buraufosse"
Eingang "Stade de Buraufosse"
Vereinsheim mit Hintertortribüne
Vereinsheim mit Hintertortribüne
Haupttribüne
Haupttribüne
Gegentribüne
Gegentribüne
für Zuschauer gesperrte Hintertorkurve
für Zuschauer gesperrte Hintertorkurve
für Zuschauer gesperrte Hintertorkurve
für Zuschauer gesperrte Hintertorkurve
ehemaliger Eingang zur Hintertorkurve
ehemaliger Eingang zur Hintertorkurve
Teams vor dem Einlauf
Teams vor dem Einlauf
Seitenwahl
Seitenwahl
Team RFC Tilleur vor dem Anpfiff
Team RFC Tilleur vor dem Anpfiff
Anstoß 1. Halbzeit
Anstoß 1. Halbzeit
Spielszene vor dem Vereinsheim
Spielszene vor dem Vereinsheim