BSV Kickers Emden
 
2
:
1
   VfL Oythe 1947   
  Kickers Emden Offiziell
:
  VfL Oythe Offiziell
Landesliga Weser-Ems 15/16 - Samstag, 4. Juni 2016, 14:00 Uhr
Kickers Emden - VfL Oythe (2:1) 2:1

Spielort: Ostfriesland-Stadion, Emden
Zuschauer: 157
BSV: Buss – Meyer, Sabljic (59.Flessner), Diekmann, Menzel – Goosmann, Visser – Geiken, Steffens, Schmidt (59.Kasten) – Bloem (76.Eyüpoglu)
VfL: Meyer - Odabasi (71.Grave), Meyer, Hesselmann, Strey - Stukenborg, Graf von Merveldt - A.Wohlers (68.Suffner), Kohls - Schönewolf, Emich (54.P.Wohlers)

Tore:
1:0 Steffens (11.),
2:0 Bloem (14.),
2:1 Graf von Merveldt (34.)
Schiedsrichter: Anja Klimm (Osnabrück)

Viel hat der Spielplan dieser Tage leider nicht mehr zu bieten. Die meisten (für mich) interessanten Ligen befinden sich schon in der Sommerpause. In der sechstklassigen Landesliga Weser-Ems bot die Ansetzung des letzten Spieltages der Saison 2015/2016 aber noch mal eine interessante Möglichkeit gleich zwei schöne Stadien, die bei mir schon länger auf der To-Do-Liste standen, an einem Tag abzuhaken. Zwei attraktive Stadien zweier Klubs, die beide vor ein paar Jahren noch sehr ambitioniert waren, aber inzwischen wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

Früh morgens quälte ich mich aus dem Bett, um in etwas mehr als zwei Stunden über die Autobahn A 31 schließlich Emden, die größte Stadt Ostfrieslands, zu erreichen. Aber es hatte sich gelohnt. Alleine schon wegen des Wetters, das mich mit Sonnenstrahlen, fast blauem Himmel und Temperaturen knapp unter 30 °C empfing. Also ging es erst mal zum Stadtstrand Emdens an der Nordsee, für ein bisschen Sonnenbaden und ein bisschen Erfrischung. Schön ist der Ausblick auf die Industrie auf der anderen Seite in den Niederlanden zwar nicht, aber immerhin ist es die Nordsee und die vorbeifahrenden Fähren nach Borkum sorgen wenigstens für ein bisschen Fernweh. Von da aus ging es nochmal kurz in die Innenstadt von Emden. In der Ratsdelft im Emder Hafen steht das Rathaus und liegen zahlreiche Museumsschiffe. In unmittelbarer Nähe steht auch das "Dat OTTO Huus", wo man dem wohl aktuell bekanntesten Sohn der Stadt, Otto Waalkes, ein Museum und einen Fanshop gewidmet hat. Besonders angenehm war ich überrascht, als ich feststellte, dass 35 Minuten Parken im "City-Parkhaus", mitten in der Innenstadt, in Emden lediglich zehn Cent kosten. Ich kann mich nicht erinnern, mal so günstig geparkt zu haben.

Dann ging es weiter zum Ostfriesland-Stadion, wo ich eine halbe Stunde vor Anpfiff eintraf und einen kostenneutralen Parkplatz direkt vor dem Eingang fand. Die Kickers aus Emden hatten vor gar nicht so langer Zeit einige Mal an die Tür zur 2. Bundesliga angeklopft, aber irgendwann war das Geld alle, und es ging sportlich wieder bergab. 1994 war man sogar in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, scheiterte aber. In den 2000er Jahren war man ebenso ein paar Mal nah dran, am Aufstieg in die Zweitklassigkeit. Man schaffte es 2008 sogar, sich für die neugegründete 3. Liga zu qualifizieren, aber zog sich trotz guter Platzierung nach nur einem Jahr freiwillig wieder zurück. Inzwischen ist man also in der Sechstklassigkeit gelandet. In dieser Saison war man lange mitten im Aufstiegskampf, aber sechs Niederlagen in Folge vor der heutigen Begegnung sorgten für das jähe Ende aller Aufstiegshoffnungen. An diesem schwülwarmen Samstag Nachmittag empfing man am letzten Spieltag der Saison 15/16 den Tabellennachbarn VfL Oythe. Für beide ging es in diesem Spiel also um nichts mehr.

Trotzdem wurde es vor knapp 150 Zuschauern, die das Stadion dem Strand oder Freibad vorgezogen hatten, ein durchaus interessantes Spiel, zumindest in der ersten Halbzeit. Die Gastgeber waren sichtbar bemüht, die Niederlagenserie vergessen zu lassen, und spielten einen schönen, offensiven Fußball. Bereits nach 14 Minuten führten sie verdientermaßen 2:0, und ließen es fortan etwas ruhiger angehen. Trotzdem hatten sie auch weiterhin Großchancen im Minutentakt, weil die Defensive der Gäste wohl schon in der Sommerpause war. Mehrfach verpassten die Emder das dritte Tor. Völlig überraschend kamen die Gäste dann nach etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit zum Anschlusstreffer. So ging es auch in die Pause. In der zweiten Halbzeit zeigten beide Teams keine besonderen Ambitionen mehr, dieses Ergebnis noch verändern zu wollen. Mit dem 17. Saisonsieg im 32. Saisonspiel schafften die Kickers einen versöhnlichen Saisonabschluss und damit einen guten vierten Tabellenplatz in der Landesliga Weser-Ems.

Das Ostfriesland-Stadion ist mitten in einem Wohngebiet im Stadtteil Früchteburg gelegen, und ist ein schickes, kleines, reines Fußballstadion, das an allen vier Seiten über Ausbau verfügt. Als vor ein paar Jahren hier noch regelmäßig mehrere tausend Zuschauer die Heimspiele der Emder Kickers besucht haben, herrschte hier sicher eine wunderschöne Fußballatmosphäre. Von überall aus ist man hier besonders dicht am Geschehen. Das Stadion verfügt über eine überdachte Tribüne mit Sitz- und Stehplätzen auf der einen Längsseite, und unüberdachten Stehplätzen auf der Gegengerade. Hinter einem Tor befindet sich der unüberdachte Gästestehplatzbereich und die Anzeigetafel, auf der anderen Hintertorseite gibt es überdachte Stehplätze. Eine Handvoll aktive Fans sind den Kickers immerhin noch aus ihrer erfolgreichen Zeit treu geblieben, aber außer ein paar Zaunfahnen und ein paar zaghaften Anfeuerungsrufen beim Einlauf der Teams gab es keinerlei Stimmung.
Stadtstrand Emden
Stadtstrand Emden
Stadtstrand Emden
Stadtstrand Emden
Stadtstrand Emden
Stadtstrand Emden
Fähre nach Borkum
Fähre nach Borkum
"Dat OTTO Huus" - Museum und Fanshop für Otto Waalkes
"Dat OTTO Huus" - Museum und Fanshop für Otto Waalkes
Emder Rathaus
Emder Rathaus

Der "Barenburger Sportverein Kickers Emden" (wie man seit einer Fusion im Jahre 2008 heißt) wurde 1946 als "Ballspielverein Kickers Emden" gegründet und spielte zunächst von 1949 bis 1964 in der damals zweitklassigen Amateuroberliga Niedersachsen. Seine letzte große Zeit, mit überregionalem Aufsehen, hatte der Klub in den 1990er Jahren, als ein Tankstellen-Unternehmer die Kickers fast bis in die 2. Bundesliga geführt hätte. Wie so häufig bei anderen Vereinen endete diese Phase aber mit einem Schuldenberg und dem sportlichen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. 1994 hatte man die Meisterschaft in der damals drittklassigen Oberliga Nord gewonnen, war aber in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, wo man regelmäßig vor 12.000 Zuschauern im Ostfriesland-Stadion gespielt hatte, knapp gescheitert. Zunächst konnte der Verein sich aber wieder erholen. 2005 gelang erneut der Sprung in die Drittklassigkeit, nämlich die Qualifikation für die Regionalliga Nord, und 2008 sogar die Qualifikation für die 3. Liga. Nach nur einer Saison und trotz eines beachtlichen 6. Tabellenplatzes in der Saison 2008/2009 zog man sich aber aus wirtschaftlichen Gründen wieder aus der 3. Liga zurück und stieg freiwillig in die fünftklassige Oberliga Niedersachsen ab. Nach der Insolvenz, die man aber letztendlich erfolgreich meisterte, folgte im Jahre 2012 sogar der Absturz in die Landesliga Weser-Ems, wo man seitdem spielt.