FC Utrecht    
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Heracles Almelo
  FC Utrecht Offiziell
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  Heracles Almelo Offiziell
1. Liga Niederlande 2016/2017 - Sonntag, 11. Dezember 2016, 14:30 Uhr
FC Utrecht - Heracles Almelo (1:0) 2:0

Spielort:
Stadion Galgenwaard, Utrecht
Zuschauer: 17.429
FCU: Jensen - Leeuwin, van der Meer, Troupee, Janssen - Ayoub, Strieder (22.van der Maarel), Amrabat - Barazite (68.Ludwig), Haller, Zivkovic

HAL: Castro - Breukers, te Wierik, Pröpper (46.Kuwas), Hoogma - Duarte (81.Vermeij), Bruns, Pelupessy - Gosens, Armenteros, Darri (88.Navratil)
Tore:
1:0 te Wierik (32., Eigentor),
2:0 Haller (85., Foulelfmeter)
Schiedsrichter: B. Nijhuis
Rote Karte: Breukers (90., Almelo)

An diesem mit 10°C sehr milden Dezember-Sonntag ging es in etwas weniger als zwei Stunden über Oberhausen und Arnhem nach Utrecht, in die viertgrößte Stadt der Niederlande. Nach dem Pflichtteil, also dem Begutachten der sehr sehenswerten Altstadt und dem Testen einer örtlichen Frituur, kam die Kür, also der Besuch des "Stadion Galgenwaard" des FC Utrecht. Vorher hatte ich auf der Website gelesen, dass es am Stadion wenig Parkplätze geben soll und das deswegen das Parkhaus direkt am Ground empfohlen wird. Deswegen fuhr ich zunächst dorthin, aber wurde abgewiesen, weil das Parkhaus bereits belegt war. Das war aber letztendlich mein Glück, denn das Tagesticket dort sollte stolze 15,- Euro kosten, und nach etwas Suchen fand ich doch noch relativ schnell einen kostenneutralen Parkplatz, ebenfalls in Laufweite des Stadions. Rund um das Stadion Galgenwaard befinden sich die Anlagen vieler weiterer kleinerer Fußballvereine mit den für die Niederlande üblichen unglaublich vielen Sportplätzen, jeweils einem großen, gemütlich aussehendem Vereinsheim und jeder Menge kostenloser Parkplätze. So parkte ich auf einem der Vereinsgelände, das in unmittelbarer Nähe zum Jugendzentrum des FC Utrecht (ebenfalls mit sechs Fußballplätzen und sogar einem mit kleiner Sitzplatztribüne) liegt und schaute - unterwegs zum Stadion Galgenwaard - auf verschiedenen Plätzen noch etwas unterklassigen Fußball. Fast auf jedem der vielen Plätze, an denen ich vorbeiging, lief irgendwo gerade ein Fußballspiel. Zu Fuß waren es etwa 15 Minuten zum Eingang des "Stadion Galgenwaard", wo eine Stunde vor dem Anpfiff noch nicht viel los war.

Das änderte sich aber sehr bald, denn der Ground des FC Utrecht füllte sich für einen eher unattraktiven Gegner doch ganz ordentlich. Man hatte aber auch einiges dafür getan, denn für dieses Spiel hatte der Verein den "Vater-Sohn-Tag" ausgerufen. Das heißt, dass man als Vater sein Kind kostenlos mit ins Stadion nehmen konnte, was offensichtlich auch sehr viele Väter an diesem Nachmittag getan hatten. Die vielen kleinen (neuen) Besucher wurden vor dem Spiel noch mit Clowns unterhalten, die für sie aus Luftballons alle möglichen Figuren kneteten und knoteten. Das Spiel selbst war sehr ansehnlich, denn die Gastgeber entfachten von der ersten Minute an ein furioses Offensiv-Feuerwerk, das auch dem neutralen Betrachter echt Spaß beim Zuschauen machte. Am Ende gewannen sie dieses Spiel zwar "nur" mit 2:0, aber das Endergebnis hätte locker auch genauso gut 5:0 oder 6:0 heißen können, bei einem Chancenverhältnis von 9:0 für den FCU. Die Gäste aus Almelo schafften es tatsächlich nicht ein einziges Mal in den 90 Minuten gefährlich vor das Tor des Gegners zu kommen. Ich habe selten einen so unterlegenen Gegner gesehen, und da ist es eigentlich kaum zu glauben, dass beide Klubs vor diesem Duell lediglich drei Punkte in der Tabelle trennten.

Stimmungsmäßig war das allerdings (im wahrsten Sinne des Wortes) kein Feuerwerk, was auf den Rängen abgebrannt wurde. Teilweise war es so still im Stadion, das eine plötzlich fallengelassene Stecknadel den Großteil der Zuschauer wahrscheinlich furchtbar erschreckt hätte, aber dann gab es natürlich auch wieder Phasen, wo es brachial laut wurde und alle vier Tribünen leidenschaftlich in die von der "Bunnikside" initiierten Gesänge einstimmten, vor allem in Drangperioden der Gastgeber. Also typisch britischer Support. Aber genauso hatte ich es erwartet und genauso kennt man es ja aus den Stadien unserer Nachbarn. Die etwa 100 Leute im Gästeblock versuchten sich ultramäßig, aber durchgehenden Support gab es auch von da nicht gerade.

Damit schaffte ich also wieder einmal ein Stadion zu besuchen, das schon seit ewigen Zeiten auf meiner To-Do-Liste stand. Schon 2007 wäre ich dort beinahe gelandet, aber auf dem Weg zum UI-Cup-Spiel FC Utrecht gegen Hammarby IF drehte ich wegen wolkenbruchartiger Niederschläge und null Sicht wieder um und entschloss mich spontan, den Ground doch lieber später zu besuchen, wenn die Autobahnen im Ruhrgebiet mal gerade nicht überflutet sind. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Nicht, weil die Autobahnen im Westen ständig unter Wasser stehen, sondern weil man, wie in den Niederlanden üblich, für die meisten Heimspiele eine Clubcard des FC Utrecht braucht, um überhaupt Tickets kaufen zu können. Meistens bekommt man ja in unserem Nachbarland aber nach freundlicher Nachfrage doch eine Ticketzusage, auch ohne im Besitz einer solchen Clubcard des jeweiligen Vereins zu sein. Nicht so beim FC Utrecht, der meine Anfragen stets entweder negativ oder erst gar nicht beantwortet hatte. Das kommt sicherlich nicht von ungefähr, denn der Klub hatte bis vor ein paar Jahren ein großes Hooligan-Problem und Ausschreitungen im und am Stadion waren an der Tagesordnung. Das ist aber seit dem letzten Umbau des Stadions eigentlich Vergangenheit. Trotzdem muss man wie heute auf ein Heimspiel gegen einen unattraktiven Gegner mit freiem Verkauf hoffen, um an Tickets zu kommen. So wie bei Heracles Almelo. Ein Klub, der traditionell von wenig Fans begleitet wird und wo es von Fanseite keinerlei Rivalitäten gibt.

Die Geschichte des "Stadion Galgenwaard" beginnt bereits im Jahr 1936, in dem der Ground erstmals eröffnet wurde. Damals fanden dort nicht nur Fußballspiele, sondern auch Radrennen, Windhundrennen, Leichtathletik und Gymnastik statt. 1981 startete der erste Umbau und schließlich 1982 wurde das "Nieuw Galgenwaard" eröffnet, das zu dem Zeitpunkt eines der modernsten Stadien des Landes gewesen sein soll. 2004 wurde der bislang letzte Umbau, wo unter anderem die Haupttribüne versetzt wurde und nach und nach alle vier Tribünen komplett neu gebaut wurden, abgeschlossen. Es ist ein reines Fußballstadion mit 24.500 Sitzplätzen und vier von einander getrennten Tribünen, die aber durch die Dachkonstruktion miteinander verbunden sind, entstanden, das doch sehr an englische Stadien erinnert, was in der Welt der modernen, immer gleichaussehenden Arenen eine erfreuliche Abwechslung ist und für eine sehr angenehme Fußballatmosphäre sorgt. Für mich ist das "Stadion Galgenwaard" sicherlich eines der schönsten in den Niederlanden, vielleicht auch, weil es einzigartig ist.

Der "Football Club Utrecht" wurde erst 1970 gegründet, durch den Zusammenschluss von drei Vereinen aus Utrecht: "Elinkwijk", "Velox" und "DOS" (DOS = "Door Oefening Sterk", zu deutsch "Durch Übung Stark"). "DOS" war vor der Fusion meistens der stärkste Klub der Stadt und holte auch 1958 den bislang einzigen Fußball-Meistertitel für Utrecht. Die Meistermannschaft von 1958 ist am "Stadion Galgenwaard", das ebenfalls der Klub "DOS" 1970 mit in den Fusionsklub einbrachte, immer noch mit einer Gedenktafel verewigt. Seit seiner Gründung 1970 spielt der FC Utrecht jetzt ununterbrochen in der niederländischen Ehrendivision und gewann immerhin drei Mal, nämlich 1985, 2003 und 2004, den Niederländischen Pokal. In der Ehrendivsion hat es dagegen noch nicht zum großen Wurf gereicht, obwohl man häufig oben mitspielt und es auch meistens für einen einstelligen Tabellenplatz reicht.
Jugendzentrum FC Utrecht
Jugendzentrum FC Utrecht
Hauptplatz Jugendzentrum FC Utrecht
Hauptplatz Jugendzentrum FC Utrecht
Stadion Galgenwaard - Haupttribüne von außen gesehen
Stadion Galgenwaard - Haupttribüne von außen gesehen
mobiler Fanshop
mobiler Fanshop
Stadion Galgenwaard außen
Stadion Galgenwaard außen
Stadion Galgenwaard - Eingang
Stadion Galgenwaard - Eingang
Gedenktafel für die Meistermannschaft von 1958
Gedenktafel für die Meistermannschaft von 1958
Gedenktafel für die Meistermannschaft von 1958
Gedenktafel für die Meistermannschaft von 1958
Stadion Galgenwaard - Haupttribüne
Stadion Galgenwaard - Haupttribüne
Die Bunnikside - die Heimat der Supporter des FC Utrecht
Die Bunnikside - die Heimat der Supporter des FC Utrecht
Einlauf Teams und Bunnikside im Hintergrund
Einlauf Teams und Bunnikside im Hintergrund
Einlauf Teams
Einlauf Teams
Stand nach 18 Minuten und 48 Sekunden
Stand nach 18 Minuten und 48 Sekunden
... ein paar Sekunden vor dem 1:0
... ein paar Sekunden vor dem 1:0