FC Sankt Pauli 1910
 
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VfL Bochum 1848
 
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Photomafia Bochum
VfL Bochum bei Westline
2. Bundesliga 16/17 - Samstag, 17. Dezember 2016, 13:00 Uhr
FC St. Pauli - VfL Bochum (0:1) 1:1

Spielort: Millerntor-Stadion, Hamburg
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft)
FCP: Heerwagen - Hedenstad, L.Sobiech, Gonther, Keller - Hornschuh (46.Empen) - Miyaichi, Sobota, Choi, Buballa (17.Neudecker, 90.Rosin) - Bouhaddouz

VfL: Riemann - Gyamerah, Hoogland, Perthel, Rieble - Losilla, Stiepermann - Merkel, Wurtz, Quaschner (87.Novikovas) - Mlapa (46.Canouse)
Tore:
0:1 Mlapa (20., Rechtsschuss, Vorarbeit Quaschner),
1:1 Bouhaddouz (76., Linksschuss, Vorarbeit Keller)
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Rote Karte: Perthel (VfL, 28., grobes Foulspiel)

Gemeinsam mit meinem Vater und Mike ging es an diesem letzten Wochenende vor Weihnachten zur letzten kleinen Tour des Jahres 2016. Für mich startete diese Tour bereits am Freitag Morgen um 5, als der Wecker mich sehr unsanft aus dem Schlaf holte. Nachdem ich also alle samt Gepäck eingesammelt hatte, ging es um 6:30 Uhr los und, nachdem wir unterwegs kurz vor Hamburg den neuen VfL-Mannschaftsbus überholten, aber Hamburg noch links liegen ließen, erreichten wir fünf Stunden später Burg auf Fehmarn, wo es in einer Bäckerei auf der Hauptstraße erst einmal frische, leckere Brötchen gab. Danach fuhren wir zur gebuchten Ferienwohnung am Südstrand auf Fehmarn und obligatorisch folgte ein erster kleiner Spaziergang direkt an der Ostsee, bei zaghaften Sonnenstrahlen und Temperaturen knapp über Null Grad. Nach kurzer Erholungspause ging es nochmal zum Hauptort der Insel, nach Burg, auf einen kurzen Besuch des sehr ansprechenden Weihnachtsmarktes auf dem Marktplatz und auf ein heißes Getränk bei "Frau Schmidt". Auf Empfehlung von Mike aßen wir anschließend noch im Gasthof Meetz in Bannesdorf. Und es hatte sich gelohnt! Zusammen mit dem ausgezeichneten Weinrestaurant beim Besuch meiner Schwester im vergangenen Mai in der Nähe von Würzburg war das ganz sicher das beste Essen des Jahres. Abgeschlossen wurde der Abend schließlich bei ein paar Bier in der Kneipe unserer Ferienanlage.

Am nächsten Morgen ging es schon wieder früh aus den Federn, denn heute stand ja der Höhepunkt dieser Tour mit dem Besuch des Auswärtsspiels des VfL Bochum beim FC Sankt Pauli auf dem Programm. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir das diesige bis nebelige Hamburg und die Reeperbahn. Nach einem kleinen Currywurst-Snack auf der Reeperbahn ging es auch schon zum Stadion, bzw. erst einmal zum Fanladen vom FC St. Pauli, wo ich mich noch Jeff verabredet hatte. Jeff hatte ich 2009 bei einem Fußballspiel in Oberhausen kennengelernt und ist ein in Amsterdam lebender Waliser, der neben seinem Heimatklub Cardiff City auch noch den FC Sankt Pauli und Sparta Rotterdam favorisiert. Durch das Plaudern über vergangene Fußballerlebnisse und zukünftige Fußballpläne vergaßen wir ein bisschen die Zeit. Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff eilte ich schließlich zur Haupttribüne, wo ich im Vorverkauf ein Ticket über den Onlineverkauf ergattert hatte. Beim Anstehen entdeckte ich in der langen Warteschlange ein bekanntes Gesicht neben mir, dachte ich. Ein zweiter Blick verriet, dass tatsächlich "Fettes Brot" genau neben mir anstand und auf den Einlass wartete.

Gerade an meinem Platz angekommen, ging es dann auch schon los. Und es entwickelte sich ein emotionales und hart umkämpftes Spiel, also ein typischer Fight zweier Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. In der vergangenen Saison hatten beide noch mit um den Aufstieg gespielt, und beide nach dem Verpassen des großen Ziels - wie üblich - leider viele Leistungsträger verloren. Während der Letztjahresfünfte VfL Bochum aber trotz dieser Tatsache und trotz vieler Verletzungssorgen doch noch eine ganze ordentliche, also wenigstens mittelmäßige Saison spielt, liegt der Letztjahresvierte FC Sankt Pauli sang- und klanglos auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga.

Besonders die erste Halbzeit in diesem Duell war sehr durch Hektik geprägt. Bereits nach drei Minuten gab es den ersten Schreck, als Perthel den Ball zu Riemann zurückköpfen wollte, aber Paulis Bouhaddouz dazwischen spritzte und den Ball mit der Hacke an die Latte lenkte. In der 14. Minute prallten Riemann und Paulis Buballa nach einer Flanke in den Strafraum zusammen, woraufhin der Hamburger Spieler ein Schädel-Hirntrauma erlitt. Fortan wurde Riemann bei jedem Ballkontakt vom Hamburger Publikum ausgepfiffen. Kurz danach erzielte Mlapa mit seinem sechsten Saisontor wie aus dem Nichts die Führung für den VfL. Ab der 30. Minute waren die Gäste, die das Spiel bis dahin zumindest sicher im Griff hatten, dann in Unterzahl, nachdem Perthel vom Platz gestellt wurde. Bei einem unglücklichen, ungestümen Klärungsversuch traf er Paulis Miyaichi ins Gesicht. Schiri Zwayer zeigte zunächst Gelb, dann aber nach Beratung mit seinem Assistenten Rot. Der Platzverweis geht sicher in Ordnung, aber gar nicht ging meiner Meinung nach, wie sich Paulis Verantwortliche, insbesondere Sportdirektor Andreas Rettig, aufführten, um vehement die Rote Karte zu fordern. Folge des Platzverweises war auf jeden Fall, dass die Gastgeber fortan ein deutliches Übergewicht hatten, was den Ballbesitz anging. Wirklich gefährlich wurde es für den VfL Bochum, trotz sechsminütiger Nachspielzeit in Hälfte eins aber nicht mehr.

Die zweite Hälfte wurde ingesamt etwas ruhiger, aber es blieb bei einer Richtung des Balles, nämlich in Richtung des Tores von Manuel Riemann. Aber auch in Halbzeit zwei blieb St. Pauli trotz optischer Überlegenheit unglaublich harmlos, während die Gäste ihre wenigen Kontermöglichkeiten jedes Mal sehr schlecht ausspielten. Irgendwann war klar, dass eigentlich nur ein Abwehrpatzer des VfL noch etwas an diesem Spielstand und dem damit dritten Auswärtssieg bei St. Pauli ändern könnte. Und der kam dann leider auch, eine Viertelstunde vor Schluss, als erst Gyamerah den Ball blöd an der Eckfahne vertendelte, und Riemann die anschließende Flanke in den Strafraum genau vor die Füße von Bouhaddouz fallen ließ, der den Ball nur noch ins Tor schieben musste. So wurde es zum Ende der Partie doch noch mal hektisch, aber es änderte sich glücklicherweise nichts mehr daran, dass die Gastgeber vor dem gegnerischen Tor wahnsinnig ungefährlich waren.

Also beendet der VfL Bochum die Hinrunde auf dem elften Tabellenplatz mit ordentlichen 22 Punkten, was angesichts der Verletzungsmisere und des großen Personalumbruchs meiner Meinung nach völlig ok ist. Vor allem, wenn man betrachtet, dass das Team, das in der vergangenen Saison um den Aufstieg mitgespielt hat, zum gleichen Zeitpunkt der Saison auch nur zwei Punkte mehr auf dem Konto hatte, also 24. Am Torverhältnis erkennt man aber dann doch den großen Unterschied zur vergangenen Saison. 15/16 lag das Torverhältnis nach 17 Spielen bei 24:18 Toren, 16/17 bei 24:28. Das heißt, dass man in dieser Saison genauso viele Tore gemacht hat, aber satte 10 Gegentore mehr kassiert hat. Dass die Defensive in so gut wie jedem Spiel umgestellt werden musste, hat dazu sicherlich auch seinen Beitrag zu dieser Bilanz geleistet. Besonders auswärts ist bei nur einem Sieg und 9:17 Toren noch viel Luft nach oben, während man zu Hause im Ruhrstadion in dieser Spielzeit noch ungeschlagen ist.

Für uns ging es nach dem Spiel direkt wieder zurück in unser Wochenend-Quartier auf die Insel Fehmarn. Naja, fast direkt, denn auf Mike, der in einer Kneipe hinter dem Gästeblock versackt war, musste ich noch ein Weilchen warten, bevor es losgehen konnte. So konnte ich mir wenigstens noch ein bisschen "Hamburgs geilsten Weihnachtsmarkt" auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn anschauen. Nach dem Abendessen ging es schließlich noch mal zum schönen Weihnachtsmarkt nach Burg auf Fehmarn und zum Abschluss nochmal in die Hotelkneipe, allerdings ohne Mike, bei dem wohl eines der vielen Bier oder Jägermeister schlecht gewesen sein muss. Am Sonntag ging es nach einem letzten Strandspaziergang unspektakulär wieder zurück ins Ruhrgebiet.

Zum ersten Mal zu Besuch im (damals noch alten) Millerntor-Stadion war ich tatsächlich im letzten Jahrtausend, beim Zweitligaspiel beider Klubs in Hamburg am 29. August 1999, als man ein lahmes 0:0 sah, der VfL aber am Ende dieser Saison trotzdem mal wieder in die 1. Bundesliga aufstieg. Wirklich viel zu holen gab es für den VfL am Millerntor bislang nicht. Zu dem 3:0-Erfolg im DFB-Pokal am 20. August 1977 kam immerhin in der Saison 13/14 ein 1:0-Erfolg durch ein Tor des Isländers Eyjolfsson. Dem gegenüber stehen sieben Heimsiege der Hamburger und jetzt sechs Mal konnte der VfL immerhin einen Punkt mit zurück ins Ruhrgebiet mitnehmen. Eine richtige Klatsche wie bei meinem letzten Besuch im Mai 2015 hatte es auch in der Saison 2005/06 gegeben, als der VfL Bochum als Tabellenführer der 2.Liga und späterer Zweitligameister 0:4 beim damals drittklassigen FC St. Pauli unterlag, der anschließend auf seiner "Bokal-Tour" neben dem Bochum noch Wacker Burghausen, Hertha BSC Berlin und Werder Bremen bezwang und bis ins Halbfinale kam. 

Der FC Sankt Pauli wurde 1910 gegründet, war aber eigentlich bis in die 1980er Jahre ein ganz "normaler" Verein, bis eben zu jener Zeit, also Ende der 1980er Jahre, zufälligerweise das Image des "etwas anderen Vereins" kreiiert wurde. Aus der Hausbesetzer- und Sympathisantenszene des Stadtteils entwickelte sich eine alternative Fanszene des FC Sankt Pauli, die so komplett anders war, als Fanszenen anderer vergleichbarer Klubs zu dieser Zeit. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel St. Pauli wurde zu jener Zeit der hippe Vorort, wo sich viele Studenten, Künstler usw. ansiedelten. Seine Popularität hat der FC Sankt Pauli nicht wie andere Fußballvereine irgendwelchen großen sportlichen Erfolgen der Vergangenheit oder Gegenwart zu verdanken, sondern einzig und allein seinem Image, das dem Verein sogar eine bundesweite Anhängerschar beschert hat. Seit einigen Jahren hat der Klub vor allem mit dem Spagat zu kämpfen, zwischen der notwendigen Kommerzialisierung, um im Profifußball eine Rolle spielen zu können und auf der anderen Seite weiterhin der "etwas andere Klub" zu bleiben. Längst ist "St. Pauli" eine bundesweite, kommerzielle Modemarke und (kleine) Teile der Fanszene haben sich vom Klub abgewendet und unterstützen zum Beispiel lieber den Fünftligisten Altona 93, den ich im März diesen Jahres besucht habe. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr der weiteren Kommerzialisierung derzeit wohl nicht, denn seit 2015 besteht der Aufsichtsrat mehrheitlich aus Vertretern, die der aktiven Fanszene und den oppositionellen Fangremien des Klubs entstammen. Die aktuelle Führung des Klubs steht also zum Beispiel für unumstößliches Nein zu Investoren und wieder für die Werte, die diesen Verein zu dem gemacht haben, was er immer noch ist.
Weihnachtsmarkt an der Reeperbahn
Weihnachtsmarkt an der Reeperbahn
Souvenirshop an der Reeperbahn
Souvenirshop an der Reeperbahn
Südstrand auf Fehmarn
Südstrand auf Fehmarn
Südstrand auf Fehmarn
Südstrand auf Fehmarn
Südstrand auf Fehmarn
Südstrand auf Fehmarn
Weihnachtsmarkt in Burg auf Fehmarn
Weihnachtsmarkt in Burg auf Fehmarn
Weihnachtsmarkt in Burg auf Fehmarn
Weihnachtsmarkt in Burg auf Fehmarn

Alle Spiele FC St. Pauli vs. Bochum:

77/78 (Pokal) FCSP – VfL 0:3 (VfL-Tore: Bast,Pochstein,Woelk)
77/78 (1.BL) FCSP – VfL 1:1 (Abel)
88/89 (1.BL) FCSP – VfL 1:0 (-)
89/90 (1.BL) FCSP – VfL 2:0 (-)
90/91 (1.BL) FCSP – VfL 3:3 (Kohn,Heinemann,Peschel)
93/94 (2.BL) FCSP – VfL 1:1 (Wegmann)
96/97 (1.BL) FCSP – VfL 2:1 (Kracht)
99/00 (2.BL) FCSP – VfL 0:0 (-)
05/06 (Pokal) FCSP – VfL 4:0 (-)
11/12 (2.BL) FCSP – VfL 2:1 (Azaouagh)
12/13 (2.BL) FCSP - VfL 1:1 (Dabrowski)
13/14 (2.BL) FCSP - VfL 0:1 (Eyjolfsson)
14/15 (2.BL) FCSP - VfL 5:1 (Gregoritsch)
15/16 (2.BL) FCSP - VfL 2:0 (-)
16/17 (2.BL) FCSP - VfL 1:1 (Mlapa)

15 Spiele – 7 – 6 – 2 – 25:14 Tore