SV Arminia Hannover
 
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      Heeslinger SC      
  Arminia Hannover Offiziell
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  Heeslinger SC Offiziell
Oberliga Niedersachsen 15/16 - Samstag, 26. März 2016, 16:30 Uhr
Arminia Hannover - Heeslinger SC (0:2) 0:3

Spielort: Rudolf-Kalweit-Stadion, Hannover
Zuschauer: 370
SVA: Ziesing - Neubert, Preine, Meyer, Zimmermann - Menneking, Soumah (71.Kabashi), Gos, Rüdiger - Schlichting, Lukac (53.Saade)
HSC: Trapp - Warnke, Völkner, Bremer - Shakirov (89.Klindworth), Lippold (79.Voigt), Müller, Rehling, Gerken, Sobolewski - Stüve (86.Finke)

Tore:
0:1 Völkner (4., Rechtsschuss),
0:2 Lippold (35., Rechtsschuss),
0:3 Gerken (90.+3, Rechtsschuss)
Schiedsrichter: Christian Stein (Wolfsburg)

Der Karsamstag 2016 begann für mich im hohen Norden, in Lübeck. Nach dem gestrigen Besuch bei Altona 93 hatte ich in einer weiteren Hansestadt genächtigt, um der Ostsee an diesem Tag einen ersten kleinen Kurzbesuch abzustatten. So ging es nach einem ausgiebigen Frühstück im Ibis-Budget-Hotel in Lübeck in etwa 15 Minuten ins Seebad Travemünde, um bei dem herrlichen Wetter etwas Sonne zu tanken. Das Wetter war einfach perfekt einladend für einen ersten kleinen Spaziergang auf der Promenade und am schönen Sandstrand in Travemünde. Für ein erstes Eis 2016 reichten die Temperaturen zwar morgens noch nicht, aber immerhin konnte man das erste Mal in diesem Jahr beim Mittagessen schön draußen sitzen, und dabei noch aufs Meer und gegen die strahlende Sonne schauen. Beim Start zur Rückfahrt Richtung Ruhrgebiet zeigte das Thermometer mittags immerhin Außentemperaturen von +15°C an.

Ziemlich genau in der Mitte der Rückfahrt von Lübeck nach Bochum bot sich an diesem Nachmittag noch der Besuch einer weiteren Stadionperle an. Bei immer noch frühlingshaften Temperaturen und blauem Himmel erreichte ich etwas mehr als eine Stunde vor dem Anpfiff das "Rudolf-Kalweit-Stadion" vom glorreichen aber tief im Mittelmaß versackten SV Arminia Hannover. Bei der Suche nach dem Eingang zum Vereinsheim landete ich zufällig auf einem der Nebenplätze, wo sich bereits Spieler warmmachten. Ein Blick ins Smartphone verriet, dass hier gleich die SG Blaues Wunder ein Heimspiel in der Kreisliga Hannover bestreiten würde. Auch ne nette Anlage, mit ein paar Stufen auf einer Längsseite, aber leider mit Anstoß auch erst um 16 Uhr, so dass ich mich doch schon Richtung Stadioneingang von Arminia aufmachte.

Der "Sportverein Arminia e.V. Hannover" wurde 1910 von einigen Schülern höherer Lehranstalten, Kaufmannslehrlingen und Handlungsgehilfen zu Füßen der "Waterloosäule" in Hannover gegründet. Man wählte als Namenspaten den Cheruskerfürst Arminius, der im Jahre 9 n. Chr. gemeinsam mit seinen Kämpfern die Römer unter Varus besiegt hatte. Daraus wurde letztlich Arminia, die weibliche Form des Heldennamens. Als Erstes fällt dem neutralen Betrachter natürlich auf, dass das Vereinslogo und die Vereinsfarben von Arminia grün-weiß sind, das Team aber stets in blau-weiß spielt, und im Volksmund auch "die Blauen" genannt wird. Das kommt daher, dass die Vereinsfarben eigentlich tatsächlich grün-weiß sind, aber es zur Zeit der Gründungs des Klubs in Hannover die Regelung gab, dass jede Trikotfarbe nur von einem einzigen Verein getragen werden durfte. Weil die Farbe grün schon besetzt war, entschied man sich für blau, und läuft bis heute stets in blau-weißen Trikots auf. Bis in die 1930er Jahre war man die sportliche Nummer eins der Stadt, und kämpfte hin und wieder auch um die Deutsche Meisterschaft mit. 1930 verlor man das Achtelfinale gegen den FC Schalke 04 im neutralen Stadion an der Castroper Straße in Bochum mit 2:6.

Dem heute gefühlte Welten entfernten Lokalrivalen Hannover 96 war man lange Zeit noch ein ebenbürtiger Gegner. Bis in die 1950er Jahre spielte Arminia Hannover stets erstklassig, von 1963 bis 1974 in der damals zweitklassigen Regionalliga Nord, und 1976 gelang der bislang letzte Höhepunkt der Vereinsgeschichte, als man sich für die 2. Bundesliga qualifizierte und sich dort immerhin vier Jahre lang halten konnte (übrigens alle vier Jahre lang gemeinsam mit Hannover 96). Das war das bislang letzte Mal, dass der Klub überregional Schlagzeilen produzierte, denn danach begann der finanzielle und auch sportliche Abstieg bis in die Sechstklassigkeit. 2014 gelang immerhin wieder die Rückkehr in die fünftklassige Oberliga Niedersachsen, wo man derzeit immer noch spielt, aber auch schon wieder vom Abstieg bedroht ist.

Das 1918 erbaute "Stadion am Bischofsholer Damm", das seit 2004 "Rudolf-Kalweit-Stadion" heißt, ist eine der großen, alten Stadionperlen im Norden Deutschlands. 1963 stand sie kurz vor dem Abriss, weil die Stadt Hannover an gleicher Stelle ein nagelneues Stadion bauen wollte. Aber der Verein weigerte sich schließlich, das Stadion zu verkaufen, und musste letztlich nur eine Hintertorseite für eine neue Schnellstraße opfern. Auch heute besteht das Stadion noch aus den drei Tribünen. Auf der anderen Hintertorseite und auf der Gegengerade gibt es hohe Stehränge, an denen auch schon der Zahn der Zeit nagt. Aber auch das macht gerade den Charme dieser alten Stadionperle aus: Überall holt sich auch hier die Natur so langsam die Stehränge zurück. Dazu gibt es gegenüber eine schicke, aber schon etwas wackelige Haupttribüne, mit der Stadiongaststätte und sehr schönen Sitzmöglichkeiten genau an der Mittellinie. 1976, nach dem Zweitligaaufstieg, war die alte Haupttribüne mit Ausnahme der Grundmauern abgerissen worden, aber die Sitzplätze bestehen nach wie vor aus Holz. Ganz vorne gibt es dazu Logen, die die Tribüne trotzdem wie aus einer längst vergangenen Zeit erscheinen lassen. Das neue Stadiondach erwarb man damals übrigens aus Dortmund, von der alten "Kampfbahn Rote Erde".

Über ein offenes Tor ging ich einfach mal im Innenraum etwas spazieren, und wurde überraschenderweise überhaupt nicht böse beäugt, sondern von allen Verantwortlichen freundlich per Handschlag begrüßt. Auch mal nett. Naja, sie dachten wohl, dass ich irgendwie zur Gastmannschaft gehöre. Wie schon gestern bei Altona ist das besonders Angenehme hier, dass es einfach, ohne Schnickschnack, nur um Fußball geht, und alles drumherum völlig entspannt ist. Auf der noch bebauten Hintertorseite versammeln sich die letzte Reste der Arminia-Fankultur. Die Anhängerschar ist zwar mittlerweile klein, aber dennoch immer noch sehr aktiv und kreativ. Neben ein paar Zaunfahnen gibt es auch ab und zu noch ein paar Anfeuerungsrufe. Der fanatischste Anhänger von Arminia Hannover ist aber ganz sicher ein Schäferhund, der ebenfalls irgendwie zur aktiven Fanschar gehört und der das Spiel wirklich mitzuverfolgen scheint. Er hat den Ball jedenfalls 90 Minuten lang im Visier, und bellt jedes Mal laut und besonders wild, wenn der Gegner vor das Arminia-Tor kommt oder auch der Torwart einen Abschlag macht.

Sportlich läuft es derzeit auch nicht rund bei Arminia. Zwar hat man noch jede Menge Nachholspiele, stand aber vor diesem Spiel auf einem Abstiegsplatz, musste dieses Spiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf also unbedingt gewinnen. Auch die Anzeigetafel wird von der aktiven Fanszene von Arminia selbst bedient. An diesem Nachmittag war das allerdings keine freudige Angelegenheit. In den ersten 35 Minuten mussten die Arminia-Anhänger gleich zwei Mal die Zahlen auf der "falschen" Seite austauschen, denn die Gäste führten zu diesem Zeitpunkt bereits verdient mit 2:0, obwohl die Gastgeber eigentlich in den ersten Minuten die bessere Mannschaft waren. Aber zwei dicke Abwehrpatzer bescherten den Gästen an diesem Nachmittag den Sieg. In der Nachspielzeit, als die Gastgeber alles nach vorne geworfen hatten, erhöhten sie per Konter sogar noch auf 3:0. Damit droht der Arminia weiter der erneute Absturz in die Sechstklassigkeit.
Vereinsgaststätte von Arminia Hannover hinter der Haupttribüne
Vereinsgaststätte von Arminia Hannover hinter der Haupttribüne
"Wall of Fans"
"Wall of Fans"
Stehplätze neben der Haupttribüne
Stehplätze neben der Haupttribüne
Haupttribüne mit Holzbänken und Logen
Haupttribüne mit Holzbänken und Logen
"Schon blau?"
"Schon blau?"
Stehränge hinter dem einen Tor
Stehränge hinter dem einen Tor
Rasen im Rudolf-Kalweit-Stadion
Rasen im Rudolf-Kalweit-Stadion
Ersatzbank vor der Haupttribüne
Ersatzbank vor der Haupttribüne
Stehränge im Rudolf-Kalweit-Stadion
Stehränge im Rudolf-Kalweit-Stadion
Gegengerade
Gegengerade
Spielplakat
Spielplakat
Arminia-Hannover-Fans
Arminia-Hannover-Fans
Einlauf Teams
Einlauf Teams
Seitenwahl
Seitenwahl
Anstoß vor der Haupttribüne
Anstoß vor der Haupttribüne
Arminia-Hannover-Fans
Arminia-Hannover-Fans
ehemaliger Fanshop
ehemaliger Fanshop
Anzeigetafel nach dem 0:2
Anzeigetafel nach dem 0:2
Vorbereitungen für das Osterfeuer in Travemünde
Vorbereitungen für das Osterfeuer in Travemünde
Segelboot in Travemünde
Segelboot in Travemünde
Travemünde
Travemünde
Ostern auf der Promenade in Travemünde
Ostern auf der Promenade in Travemünde
Bahnhof Travemünde
Bahnhof Travemünde