Altonaer FC von 1893
 
5
:
1
FC Türkiye Wilhelmsburg
  Altona 93 Offiziell
:
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Oberliga Hamburg 15/16 - Freitag, 25. März 2016, 14:00 Uhr
Altona 93 - FC Türkiye Wilhelmsburg (1:1) 5:1

Spielort: Adolf-Jäger-Kampfbahn, Hamburg
Zuschauer: 681
AFC: du Preez - Lipke, Körner, Balzis, Buchholz - Moslehe, Pfeifer, Brügmann (83.Jeremejev), Niemeyer, Brisevac (66.Segedi) - Kranich
FCT: Capa - Mustafov, D.Barlak, Sobczyk, M.Barlak (64.Kocin) - Pettersson, Pohlmann, Güner, Iscan (74.Dzigbede), de la Cuesta - Sanchez

Tore:
0:1 de la Cuesta (14., Foulelfmeter, Rechtsschuss, de la Cuesta),
1:1 Brisevac (16., Linksschuss, Vorarbeit Pfeifer),
2:1 Brisevac (50., Linksschuss, Vorarbeit Moslehe),
3:1 Brisevac (62., Rechtsschuss, indirekter Freistoß),
4:1 Segedi (81., Distanzschuss),
5:1 Brügmann (82., Linksschuss)
Schiedsrichter: Ralph Vollmers (Geesthacht)
Rote Karte: Sobczyk (39., FCT, wegen Tätlichkeit)

Am Osterwochenende 2016 sollte es mal wieder für eine Tour in den Norden geben. Leider machten mir aber die vielen ausgefallenen Spiele der letzten Wochen aber einen Strich durch die Rechnung, denn durch die vielen Nachholspiele wurde der Spielplan für Ostern noch einmal kurzfristig komplett durcheinander gewirbelt, und es wurde am Ende doch nur eine "Tour light". Am Karfreitag startete ich morgens in Bochum, und trotz eigentlich großen Zeitpolsters wurde es zwischenzeitlich knapp mit dem anvisierten 14-Uhr-Spiel in Hamburg. Die Autobahnen waren - wie an Ostern gewohnt - proppenvoll und durch einen Unfall bei Osnabrück versank die A1 komplett im Stauchaos, so dass ich mich ein ganzes Stück über Land- und Bundesstraßen bis nördlich von Osnabrück kämpfen musste. Dazu kam noch Dauerregen und bedeckter Himmel den ganzen Tag lang. Nicht besonders einladend. Letztendlich ging es ab Osnabrück - wieder auf der A1 - dann doch einigermaßen schnell und so erreichte ich die Adolf-Jäger-Kampfbahn im Hamburger Stadtteil Altona, die quasi direkt an der Autobahn A7 liegt, etwa 40 Minuten vor dem Anpfiff.

Der "Altonaer Fußballclub von 1893" (kurz: "Altona 93" oder "AFC") hat sich in den letzten Jahren als so etwas wie die neue Idylle in Hamburg für kommerzgenervte Fans herauskristallisiert. Der AFC hat jetzt einen Ruf, wie er vorher eigentlich nur für den FC Sankt Pauli abonniert war (und auch noch ist). Hier bei Altona 93 ist die Zeit aber wirklich überall irgendwo in den 1950er oder 1960er Jahren stehengeblieben. Das sieht man schon von außen am Vereinsheim oder am Eingangstor. Hier haben vor allem auch einige ehemalige Anhänger des FC Sankt Pauli eine neue Heimat gefunden, und sorgen von der Fankultur her für eine kleine Wiedergeburt. Hinter dem einen Tor findet man den sog. "Zeckenhügel", wo einige Altpunker stehen, und eine selbstmitgebrachte Anzeigetafel betätigen. "Hauptsache Bier" steht auf einer der Zaunfahnen auf der Gegengerade, wo unter anderem ehemalige Mitglieder von St. Paulis "Schwarzem Block" stehen, die gegen die Kommerzialisierung und "Verbürgerlichung" ihres Ex-Lieblingsklubs protestieren. Und der Name dieser Zaunfahne ist auch Programm bei Altona 93. Hier geht es einfach nur um Fußball schauen, Bier trinken und ab und zu mal sein Team anfeuern. Gerade einmal 4 km sind es bis zum Millerntor des FC St. Pauli, aber mittlerweile trennen beide Vereine Welten, wenn man sieht, wie kommerziell sich der "Kiezklub" inzwischen entwickelt hat. Für Liebhaber von alten, zerfallenden Stadien ist die Adolf-Jäger-Kampfbahn jedenfalls so etwas wie das Hochamt. Auf der Gegengerade schält sich der Lack von den schiefen Wellenbrechern. Eigentlich sind überall im Stadion
die Stufen mittlerweile recht schief. Alles ist wunderbar verkommen, voller Aufkleber und überall im weiten Rund holt sich die Natur das Stadion nach und nach, aber doch sehr sichtbar zurück.

Auf der Haupttribüne prangen mittlerweile 1.400 Schalensitze aus dem alten Hamburger Volksparkstadion. Direkt daneben befindet sich die sog. "Meckerecke", also dort stehen die Anhänger, die den Verein schon etwas länger begleiten. Die Currywurst bzw. die Currysoße, an der Würstchenbude daneben, hat absolutes Weltklasseniveau und gehört sicherlich zum Besten, was ich bislang in einem Stadion gegessen habe. Es ist hier aber halt alles wie "früher". Es gibt keinen Dauersupport und kein Dauerschwenken von Fahnen, sondern nur ab und zu ein situationsbezogen paar Anfeuerungsrufe, also Support der typisch britischen Art. Gefallen kann dabei z.B. der Wechselruf "A", "F", "C" zwischen den drei Anhängerbereichen "Meckerecke", "Zeckenhügel" und "Gegengerade". Die Lounge eines dort beheimateten Bierherstellers auf der Gegengerade mit zwei überdachten Sofas passt irgendwie gar nicht so richtig zum Gesamteindruck, aber gehört halt auch irgendwie dazu.

Das Ende der altehrwürdigen Adolf-Jäger-Kampfbahn, in der der Verein seit 1908 spielt, ist aber leider in Sicht. Bereits 2007 hatte Altona 93 seine geliebte Adolf-Jäger-Kampfbahn für 11,25 Millionen Euro an den Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) verkauft, der das Stadion abreißen und dort Wohnungen errichten möchte. Auch ein Ersatz für Altona 93 ist eigentlich schon gefunden: Ein neues, schickes Stadion für knapp 3.000 Zuschauer mit neuer Geschäftsstelle, einem Clubheim, Gastronomie und zwei Kunstrasenplätzen ist schon geplant. Zur Saison 2016/2017 sollte Altona 93 eigentlich schon in das neue Heim umziehen, aber derzeit sieht so aus, als sollte der Klub doch noch etwas länger in seiner traditionellen Heimat spielen. Weil Altona 93 nach eigener Aussage von der Stadt nicht über alle Kosten informiert worden war, ziehen sich die Verhandlungen weiter hin, denn der Kaufvertrag mit Altoba gilt erst nach einer Einigung mit der Stadt auf ein neues Domizil für Altona. Ein Rücktritt vom Verkauf des alten Stadions dürfte aber für den Verein auch keine Alternative sein, denn dann müsste man erst mal den Vorschuss von 200.000 Euro, der schon geflossen ist, wieder zurückzahlen.

Der Klub versprüht aber nicht nur aktuelle, kreative Fankultur, sondern Altona 93 ist dazu auch noch einer der ältesten deutschen Fußballvereine überhaupt. Der Verein wurde als "Altonaer Fußball- und Cricketclub 1893" am 29. Juni 1893 von Gymnasiasten und jungen Kaufleuten gegründet und gehörte 1894 zu den Gründern des "Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes" und schließlich auch am 28. Januar 1900 in Leipzig in der Gaststätte „Mariengarten“ zu den 86 Vereinen, die den Deutschen Fußballbund (DFB) gründeten. Die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte erlebte der Klub vor dem Ersten Weltkrieg, als man regelmäßig Meister in Hamburg wurde und um die Deutsche Meisterschaft mitspielte. In den 1960er Jahren spielte man immerhin noch in der damals noch zweitklassigen Regionalliga Nord, vor regelmäßig 27.000 Zuschauern in der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Seit den 1980er Jahren hält man sich meistens in der Oberliga, die damals noch drittklassig war, aber inzwischen ja nur noch fünftklassig ist. Ambitionen auf einen Aufstieg in die viertklassigen Regionalliga Nord bestehen sehr wohl, aber am Ende einer jeden Saison fehlen immer doch ein paar Punkte, und man landet irgendwo in der oberen Tabellenhälfte.

Nicht nur das Stadion und die Atmosphäre erinnerten an längst vergangene Zeiten, auch das Wetter tat an diesem nasskalten Nachmittag sein Übriges dazu, für ein richtiges "Oldschool-Feeling" zu sorgen. Denn der Dauerregen und der dadurch weiche, matschige Rasen ließen die zunächst weißen Trikots und Hosen von Altona 93 relativ schnell braun bis schwarz werden, so dass man die Nummern und Namen auf den Rücken der Spieler kaum noch erkennn konnte, und auch der ehemalige Strafraum auf beiden Seiten bestand irgendwann in diesem Spiel nur noch aus Matsche. Der einzig mir bekannte Name in der Startaufstellung war Altonas Felix Brügmann, dessen älterer Bruder Florian 2012/13 eine Saison für den VfL Bochum gespielt hatte. In der ausgeglichenen ersten Hälfte gingen die Gäste aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg nach 14 Minuten durch einen verwandelten Foulelfmeter zwar früh in Führung, aber der Ausgleich folgte praktisch im Gegenzug durch Brisevac. Kurz vor der Pause dezimierten sich die Gäste dann eigentlich völlig unnötig selbst. Sobczyk leistete sich eine Tätlichkeit nach einem eigentlich harmlosen Zweikampf und wurde völlig zurecht vom Platz gestellt.

In der zweiten Halbzeit gelang den Gastgebern dann ein Start nach Maß, als wiederum Altonas Spielmacher Brisevac das 2:1 für Altona erzielen konnte. Zwölf Minuten später dann die endgültige Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber. Und wiederum halfen die Gäste tatkräftig mit. Nach einem Rückpass nahm der Gästetorwart zur Überraschung aller Beteiligten den Ball in die Hand, und der Schiri gab natürlich indirekten Freistoß im Strafraum. Wieder Brisevac mit seinem dritten Tor des Tages brachte den Freistoß sehenswert im Tor der Gäste unter. Jetzt war das Spiel natürlich zu Gunsten der Gastgeber gelaufen, und als den Gästen in Unterzahl in den letzten Minuten auf dem weichen Boden etwas die Kräfte ausgingen, erhöhte Altona sogar noch auf 5:1.

Für mich ging es nach dem Abpfiff noch weitere 70 km gen Norden, bis Lübeck, um bei dem für den nächsten Tag angesagten schönen Wetter noch etwas Seeluft zu genießen. 
Eingang Adolf-Jäger-Kampfbahn
Eingang Adolf-Jäger-Kampfbahn
Hinweiskasten am Vereinsheim
Hinweiskasten am Vereinsheim
Eingang Vereinsheim
Eingang Vereinsheim
Aufkleber
Aufkleber
Fanshop
Fanshop
Spielplakat
Spielplakat
Gegengerade
Gegengerade
Hintertorkurve
Hintertorkurve
Einlauf Teams
Einlauf Teams
Seitenwahl
Seitenwahl
"Hauptsache Bier"
"Hauptsache Bier"
Aufkleber
Aufkleber
Gegengerade
Gegengerade
Anzeigetafel
Anzeigetafel
Hintertorkurve
Hintertorkurve
Haupttribüne
Haupttribüne
Die Natur holt sich langsam das Stadion zurück
Die Natur holt sich langsam das Stadion zurück
Spielszene
Spielszene
Freistoß zum 3:1
Freistoß zum 3:1
Altstadt in Lübeck
Altstadt in Lübeck
Holstentor
Holstentor
Lübeck bei Nacht
Lübeck bei Nacht