SV Lippstadt 1908 
 
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 FC Gütersloh 2000
  SV Lippstadt Offiziell
Fanszene Lippstadt
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  FC Gütersloh Offiziell
Oberliga Westfalen 14/15 - Montag, 25. Mai 2015, 15:00 Uhr
SV Lippstadt - FC Gütersloh (0:0) 1:1

Spielort: Stadion am Bruchbaum, Lippstadt
Zuschauer: 990
SVL: Höttecke - Parensen, Lübbers, De Souza, Kolodzig - Kickermann, Köhler, Jevric, L.Schröder - Ramsey, Krause

FCG: Rump - Rath, Beuckmann, Wieckowicz, Schubert - Gürer (72.Basdas), Fischer Riepe (71.Meiertoberens), Schürmann (67.Schiller), Birkenhake - Thomas, Kraus
Tore:
0:1 Schubert (59.),

1:1 Krause (79.)
Schiedsrichter: Stefan Tendyck (Bottrop)

An diesem zuerst bedeckten und später doch noch sonnigen Pfingstmontag ging es zusammen mit Mike zunächst meiner Schwester und ihrer Familie endlich mal wieder einen Besuch abzustatten, nicht nur, weil es perfekt auf dem Weg nach Lippstadt lag. Leider (oder eigentlich glücklicherweise) schmeckte das Essen und der Nachtisch so gut, dass wir relativ spät das neue Stadion des SV Lippstadt erreichten. Wir fanden aber noch einen einigermaßen guten Parkplatz direkt an der Wiedenbrücker Straße und eilten zum Kassenhäuschen. Letztendlich waren es nur zwei oder drei Minuten, die wir verpassten.

Seit Januar 2015 ist der SV Lippstadt von seinem alten Stadion "Am Waldschlösschen" in das neue Stadion "Am Bruchbaum" umgezogen. Wobei umgezogen auch nicht das richtige Wort ist, denn "Am Bruchbaum" war auch schon zuvor das Trainings- und Nachwuchszentrum des Vereins, und die ehemalige Heimat von Borussia Lippstadt (einem der beiden Vorgängervereine). Durch den Verkauf des Grundstücks an ein Handelsunternehmen wird das alte Stadion "Am Waldschlösschen", die ehemalige Heimat von Teutonia Lippstadt (dem anderen Vorgängerverein), leider in Kürze abgerissen und durch ein "Nahversorgungszentrum" ersetzt. "Am Bruchbaum" hat man also ein neues, kleines Stadion gebaut, mit einer modernen Haupttribüne mit Sitzplätzen, einem VIP-Bereich und ein paar Stehplätzen für die "Fanszene Lippstadt". Wie im alten Stadion gibt es auf der gegenüberliegenden Seite ein paar Stehstufen, dazu noch hinter dem einen Tor ein paar Stehplätze für die Gästefans. Hinter dem anderen Tor befindet sich das Vereinsheim des SV Lippstadt. 

An diesem Pfingstmontag kam es in der fünftklassigen Oberliga Westfalen vier Spieltage vor dem Saisonende zum "Derby" gegen den FC Gütersloh. Die Fans beider Klubs sehen dieses Duell im Moment als dasDerby an. Leider ist aber die Fanszene des FC Gütersloh nur noch ein Schatten von dem, was sie mal Ende der 1990er Jahre war, als man regelmäßig vor 6.000 bis 8.000 Zuschauern spielte und 1998 beinahe in die 1. Bundesliga aufgestiegen wäre. Heute verloren sich keine 100 FCG-Anhänger im Gästeblock und fielen eigentlich nur durch Pöbeln auf, während die Fanszene Lippstadt wie gewohnt einen gelungenen, durchgehenden Support hinlegte. Auch auf dem Rasen merkte man in einem harten Spiel deutlich die Derbyatmosphäre. Nach einer torlosen ersten Halbzeit gingen die Gäste nach ca. einer Stunde Spielzeit etwas überraschend in Führung, denn die Gastgeber waren bis dahin zumindest optisch überlegen. Plötzlich war es aber ein ganz anderes Spiel, in dem die Gastgeber jetzt richtig Gas gaben und das Spiel unbedingt noch drehen wollten. Es reichte aber nur noch zum Ausgleichstor, zehn Minuten vor dem Ende, durch Sven Krause. Immerhin konnte der SV Lippstadt dadurch seine unglaubliche Serie fortsetzen: Man ist jetzt seit 17 Oberliga-Spielen ungeschlagen. Wäre der Saisonstart nicht so bescheiden gewesen, hätte man auch schon in dieser Saison wieder mit um den Aufstieg spielen können. So  bleibt es am Ende wohl bestenfalls bei Platz fünf.

Der "Spielverein Lippstadt 1908 e.V." entstand 1997 aus einer Fusion der beiden Lippstädter Klubs Teutonia und Borussia Lippstadt. Die beiden bekanntesten Fußballer, die der Vorgängerverien Borussia Lippstadt herausbrachte, waren die Brüder Karl-Heinz und Michael Rummenigge, die von Lippstadt zum FC Bayern München wechselten und dort Karriere machten. Karl-Heinz Rummenigge, wie sein Bruder gebürtiger Lippstädter, ist aktuell Vorstandsvorsitzender beim deutschen Rekordmeister. Von 1998 bis 2008 spielte der neue Klub SVL ununterbrochen in der damals viertklassigen Oberliga Westfalen. 2008 verpasste man die Qualifikation für die fünftklassige, neueingeführte NRW-Liga und spielte bis 2012 in der sechstklassigen Westfalenliga. 2012 durfte man als Meister der sechstklassigen Westfalenliga an den Qualifikationsspielen zur neu eingeführten viertklassigen Regionalliga West teilnehmen, aber scheiterte an der SSVg Velbert. 2013, also nur ein Jahr später, gelang dann als souveräner Meister der Oberliga Westfalen doch erstmals der Aufstieg in die Regionalliga West. Gleichzeitig qualifizierte man sich auch für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals, wo man zu Hause am Waldschlösschen vor 3.500 Zuschauern dem Erstligisten Bayer 04 Leverkusen mit 1:6 unterlag. Nach nur einer Saison stieg man allerdings wieder in die fünftklassige Oberliga Westfalen ab, wo man sich nach schwachem Start wieder stabilisiert hat.

Der FC Gütersloh wurde im Jahr 2000 als Nachfolgeverein des insolventen FC Gütersloh gegründet, der mitten in der Saison 1999/2000 in der damals drittklassigen Regionalliga den Spielbetrieb einstellen musste, nachdem man vorher drei Jahre lang in der 2. Bundesliga gespielt hatte. Die beste Zweitligasaison war dabei die Saison 1997/1998, die man als Tabellenfünfter beendete, nachdem man lange sogar vom Aufstieg in die 1. Bundesliga träumen durfte. In der gleichen Saison stellte man mit Angelo Vier (18 Saisontore) sogar den Torschützenkönig der 2. Bundesliga. Statt 1. Bundesliga folgten allerdings in der nachfolgenden Saison der Abstieg in die Regionalliga, die anschließende Insolvenz und der Abstieg bis in die sechstklassige Westfalenliga. Inzwischen hat man sich immerhin wieder in die fünftklassige Oberliga Westfalen hochgearbeitet. Mit dem DJK Gütersloh (1974 bis 1976) hat ein weiterer Vorgängerverein schon einmal in der 2. Bundesliga gespielt.