ETB Schwarz-Weiß Essen
 
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Wuppertaler Sportverein
  Schwarz-Weiss Essen Offiziell
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  Wuppertaler SV Offiziell
Niederrheinpokal VF 15/16 - Samstag, 19. Dezember 2015, 14:15 Uhr
S.W. Essen - Wuppertaler SV (0:0) 0:3

Spielort: Uhlenkrug-Stadion, Essen
Zuschauer: 650
ETB: Ritz - Witt, Müller, Michalsky, Nguanguata - Balci, Vennemann, Zeh, Stahl (72.Ouro-Akpo) - Machtemes (81.Malek), Said
WSV: Schneider - Fedler, Salau, Heinson, Leikauf - Dan.Gataric (10.Heinen), Nemec - Dal.Gataric (82.Aydogmus), Topal, Kray (87.Krone) - Ellmann

Tore:
0:1 Fedler (58., Vorarbeit Ellmann),
0:2 Ellmann (64., Vorarbeit Dal.Gataric
),
0:3 Ellmann (89.)
Schiedsrichter: Alexander Busse (Solingen)

Viertelfinale im Niederrheinpokal am altehrwürdigen Uhlenkrug in Essen, und das bei +15°C am 19. Dezember 2015. Ein Spiel, das fast alles bot, was ein typisches Pokalspiel ausmacht: Tore, Emotionen, Rudelbildung und zum Ende auch noch ein Feldspieler, der ins Tor musste. Dabei trafen an diesem sehr milden Nachmittag zwei Klubs aufeinander, die beide in der fünftklassigen Oberliga Niederrhein spielen. Der ETB Schwarz-Weiß Essen, aktueller Tabellensiebter der Oberliga, empfing den aktuellen Spitzenreiter dieser Klasse, den Wuppertaler SV. Für etwas Verwunderung sorgten gleich einmal die Trikotfarben. Während die Gastgeber in (zumindest für mich) ungewohnten blau-gelb-gestreiften Trikots aufliefen, traten die Gäste in den Farben der Gastgeber, also in schwarz-weiß an. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, mit leichten Vorteilen für die Gastgeber, die auch ganz klar die besseren Torchancen hatten. Das 0:0 zur Halbzeit war so für den Herbstmeister der Oberliga Niederrhein eher glücklich.

In der zweiten Hälfte legten die Gäste aus dem Bergischen dann aber richtig los, und kamen immer besser ins Spiel, kontrollierten es irgendwann, und kamen nach ca. einer Stunde Spielzeit folgerichtig zur 0:1-Führung. Sechs Minuten später erhöhte Wuppertals Torjäger Ellmann auf 0:2. Kurz danach der (negative) Höhepunkt dieser Partie, als Essens Müller Wuppertals Heinson ziemlich rüde foulte. Anschließend gab es "nur" Gelb für den Spieler vom ETB, was die Gemüter noch mehr erhitzte. Teilweise waren rund 50 Personen in die Rudelbildung bis hin zur wilden Schubserei beteiligt. Angeblich soll Wuppertals Coach Vollmerhausen im Gemenge auch noch einen Essener Spieler gewürgt haben, was ihm einen Platz auf der Tribüne besorgte. Es dauerte einige Minuten, bis weitergespielt werden konnte. Die Gastgeber gaben sich wenigstens nie auf und drängten weiter auf das Anschlusstor, und das ergab natürlich auf der anderen Seite viele Konterchancen für die Gäste aus Wuppertal. Eine davon nutzte erneut Ellmann zum 0:3 kurz vor dem Abpfiff. Das war aber immer noch nicht alles, denn der etwas übermotiviert wirkende Ouro-Akpo setzte in der Nachspielzeit gegen Wuppertals Keeper Schneider so hart nach, dass der sich wahrscheinlich das Nasenbein brach. Weil Wuppertal schon drei Mal ausgewechselt hatte, musste in der Nachspielzeit ein Feldspieler ins Tor. Auch diese Aufgabe übernahm Torjäger und Publikumsliebling Ellmann. Jede Torwartaktion wurde fortan von den Gästefans frenetisch bejubelt.

Damit steht der Wuppertaler SV im Halbfinale des Niederrheinpokals und darf sich dort auf attraktive Gegner wie Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen oder den FC Kray freuen. Der Sieger dieses Wettbewerbs darf in der Saison 2016/2017 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals teilnehmen. Schwarz-Weiß Essen hatte das zuletzt 2010 geschafft, als man im Finale den ewigen Lokalrivalen Rot-Weiss besiegte und in der ersten Hauptrunde auf den damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen traf (1:2).

Stimmungsmäßig waren natürlich auch die Gäste aus Wuppertal ganz klar Herr im Haus. Von den 650 Zuschauern waren mindestens 2/3 den Gästen zuzuordnen. Von Wuppertaler Seite gab es auch ganz ordentlichen, durchgehenden Support, wie üblich einen oberkörperfreien Capo und ein schönes Intro zum Einlauf der Mannschaften. Immer wieder wurden von Wuppertaler Seite Lieder zum kurz bevorstehenden Einzug in den Europapokal gesungen. Es sind für den WSV auch gerade einmal noch acht Siege, bis zur Qualifikation für die Europa League. Auf Essener Seite gab es keinen Support. Nur eine Handvoll RWE-Fans pöbelte ab und zu mal in Richtung des Gästeblocks.

Schon seit dem Jahr 1922 schon spielt die 1900 gegründete Fußballabteilung des "Essener Turnerbundes Schwarz-Weiß e.V." im Uhlenkrug-Stadion im Essener Süden, das nach einigen Rückbaumaßnahmen derzeit noch maximal ca. 9.900 Zuschauern Platz bietet. Der Zuschauerrekord von 45.000 Besuchern wurde am 23. Dezember 1951 beim Länderspiel Deutschland gegen Luxemburg aufgestellt.

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte war wohl der DFB-Pokalsieg im Jahr 1959. Zwischen 1951 und 1963 spielte der ETB insgesamt neun Jahre in der damaligen erstklassigen Oberliga West. Es folgten viele Jahre der Zweitklassigkeit, darunter auch vier Jahre zwischen 1974 und 1978 in der neugegründeten 2. Bundesliga. Danach spielte man von 1978 bis 1994 durchgehend immerhin noch drittklassig, von 1994 bis 2008 nur noch viertklassig und seit 2008 ist man durch die Einführung der 3. Liga sogar nur noch fünftklassig. Der ETB genießt vor allem durch seine gute Jugendarbeit einen ausgezeichneten Ruf und brachte u.a. Spieler wie Oliver Bierhoff (1978 bis 1985 beim ETB) oder Jens Lehmann (1978 bis 1987 beim ETB) hervor. Auch der VfL Bochum profitierte schon oft von der guten Ausbildung beim ETB. So wechselten beispielsweise Michael "Ata" Lameck, Hans Walitza oder Holger Trimhold vom ETB zum VfL.