Racing Mechelen
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   KSV Roeselare   
  Racing Mechelen Offiziell
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  KSV Roeselare Offiziell
2. Liga Belgien 14/15 - Sonntag, 8. März 2015, 15:00 Uhr
Racing Mechelen - KSV Roeselare (0:1) 0:2

Spielort: Oscar van Kesbeeck Stadion, Mechelen
Zuschauer: 1.500
KRC: Knipping - Camara (81.Delen), Depret, Kerckhofs, Van Sanden - Vermylen (87.Salcuk), Hmouda, Bassa Ngonga (61.De Visscher), Debouver - da Silva, Coenen

KSV: Lentz - Embrechts, De Jonghe (71.Mbuba), Borry (46.Damman), Raes - Vanthourmout, Seoudi, Myny, Impens (65.Camozzato) - Provoost, Okitokandjo
Tore:
0:1 Raes (7.),
0:2 Okitokandjo (69.)
Schiedsrichter: Istvan Lagaert

An diesem Sonntag ging es bei 18°C und blauem Himmel in etwa zwei Stunden über Antwerpen nach Mechelen, in die flämische 80.000-Einwohner-Stadt, die ca. 20 km südlich von Belgiens größter Stadt gelegen ist. Dieses Mal war ich zu Gast beim zweiterfolgreichsten Klub der Stadt, bei Racing Mechelen, die im vergangenen Jahr als Drittligameister erstmals seit 20 Jahren wieder den Aufstieg in den Profifußball geschafft haben. In den 1940er und 1950er Jahren hatte dieser Verein seine erfolgreichsten Zeiten (1952 wurde man Belgischer Vizemeister). Und bei der Ankunft am Stadion, das wunderschön direkt in einem Wohngebiet liegt, merkt man sofort, dass die Zeit nach den letzten Erfolgen dort irgendwie stehen geblieben sein muss. Aber das macht es für mich auch so interessant. Schon der Eingang mit den alten Kassenhäuschen, wo man als fast zwei Meter großer Mensch in die Knie gehen muss, um einen Blick in die winzige Luke und ein Ticket zu bekommen, und den großen Buchstaben "KRCM" über dem Eingangstor, hat schon einiges. Die im Vergleich zum Rest des Stadions gewaltig wirkende, alte Haupttribüne hinterlässt mit dem in Stein gemeißelten Vereinslogo ebenfalls einen mondänen Eindruck. Wunderschön auch der Eingangsbereich der Haupttribüne, wo man mit dem Slogan "Welkom in de Hel van Racing Mechelen" ("Willkommen in der Hölle von Racing Mechelen") empfangen wird. Angst hat hier schon seit mehr als 50 Jahren kein Gegner mehr so richtig, aber man fühlt die vergangenen Zeiten, als Racing zu den Größen des belgischen Fußballs gehörte, und es den Gegnern dünn durch die Hose lief, als sie hierhin mussten.

Vom Abstieg 1994 in die 3. Liga konnte sich der Klub lange Zeit nicht erholen. Nach einigen Jahren der Mittelmäßigkeit in der dritten Liga, folgte 2010 sogar der Absturz in die vierte Liga. 2011 schaffte man als Erster aber wenigstens wieder den direkten Wiederaufstieg in die dritte Liga, und das war so etwas wie eine Wiederauferstehung für den Traditionsklub, der 1904 gegründet wurde und die Stammnummer 24 hat (also der 24. älteste Verein Belgiens ist). Nachbar KV Mechelen, der derzeit in der 1. Liga spielt, wurde zwar im gleichen Jahr gegründet, hat aber "nur" die Nummer 25. 2013 hatte Racing den Aufstieg als Zweiter in der Relegation nur ganz verpasst, aber 2014 gelang als Drittligameister endlich mal wieder der Aufstieg in die Zweitklassigkeit. Derzeit sieht es aber so, als sollte das "Abenteuer 2. Liga" nur eine Saison dauern, denn nach 29 von 34 Spieltagen liegt man auf dem vorletzten Tabellenplatz, also auf dem ersten Abstiegsplatz. Die Verunsicherung bei den Gastgebern merkte man auch an diesem Nachmittag überdeutlich. Die Gäste, die auch nur im unteren Tabellenmittelfeld liegen, siegten souverän, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Sie waren auch technisch ganz klar besser, während den Gastgebern jede Menge Stockfehler und teilweise sogar amateurhafte Fehler passierten. Nur den Willen kann man den Gastgebern nicht absprechen, aber einige Spieler scheinen in dieser Liga überfordert zu sein, wenn man betrachtet, dass Roeselare auch keine besonders gute Saison spielt und derzeit nur Zweitligamittelmaß repräsentiert.

Das Publikum von Racing hat jedenfalls viel Geduld mit seinem Team, oder hat sich mit der Unterlegenheit ihres Teams gegen die Gegner in dieser Saison abgefunden. Trotz einer unterirdischen Leistung gab es keine Pfiffe und noch nicht einmal Unmutsbekundungen. Überhaupt herrscht eine britische Fußballatmosphäre im "Oscar van Kesbeeck Stadion". Nicht nur dass der Großteil der Anfeuerungsrufe auf Englisch gesungen wird. Nein, der Support der Gastgeber ist rein situationsbezogen, d.h., es gab lange Phasen, in denen es sehr still war, aber sobald ihr Team mal so etwas wie eine Torchance oder zumindest einen Angriff startete, wurde es sofort richtig laut. Potenzial ist jede Menge da bei Racing Mechelen, davon konnte man sich überzeugen. Die etwa 20 Gästeanhänger verhielten sich meist still. Für etwas Unterhaltung sorgte nur ein Gästeanhänger mit Bierbauch, der oberkörperfrei ein bisschen mit dem Heimfans anlegte.

Es wäre richtig schade, wenn dieser Traditionsverein nach nur einem Jahr wieder in der Drittklassigkeit verschwinden würde. Vor allem auch für dieses wunderschöne, alte Stadion, das 1923 eröffnet wurde und in das mal mehr als 20.000 Zuschauer passten. Wegen finanzieller Schwierigkeiten verkaufte der Klub Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre die Grundstücke hinter den beiden Toren und so wurde aus einem Stadion mit Laufbahnen ein reines Fußballstadion. So steht hinter dem einen Tor jetzt ein großer Wohnkomplex, der so scheußlich im Vergleich zum Stadion nebenan wirkt, dass es fast schon wieder kultig aussieht. Tatsächlich verfolgten an diesem Nachmittag einige Bewohner vom Balkon aus diesen Klassiker des belgischen Fußballs. Einer sogar mit einem mit Fahnen und Schals geschmückten Balkon. Fazit: Auf jeden Fall ein Sonntagsausflug, der sich voll gelohnt hat!

Eingang "Oscar van Kesbeeck Stadion"
Eingang "Oscar van Kesbeeck Stadion"
Haupttribüne
Haupttribüne
Haupttribüne
Haupttribüne
Einlauf Teams
Einlauf Teams
das 0:1 in der siebten Minute
das 0:1 in der siebten Minute
Gästefans, und der Dom von Mechelen im Hintergrund.
Gästefans, und der Dom von Mechelen im Hintergrund.