Concordia Wiemelhausen
3
:
1
   SC Wiedenbrück 2000   
  Concordia Wiemelhausen Offiziell
:
  SC Wiedenbrück Offiziell
Westfalenpokal 14/15 - Samstag, 22.November 2014, 14:00 Uhr
Concordia Wiemelhausen - SC Wiedenbrück (2:1) 3:1

Spielort:
Kunstrasenplatz "Glücksburger Straße", Bochum
Zuschauer: 300
CWH: Klüppel - Ruhe, Löhr, Impellizzeri, Hammernick - Freitag, Kerstiens, Wilhelm (70.Kokoschka), Wißfeld - Drzymalla (67.Winkel), 
Siemienowski (89.Kronies)

SCW:Hölscher (38.Hahnemann) - Volkmer, Sumelka (46.Koltujac), Colak, Rogowski - Strickmann, Zech, Lauretta, Puhl (83.Loose) - Bednarski, Wassey
Tore:
1:0 Wißfeld (33.),
1:1 Bednarski (43.),
2:1 Freitag (45.+2, Foulelfmeter).
3:1 Kokoschka (90.+2)
Schiedsrichter: David Hennig (Herne)
Rote Karte: Colak (50., Wiedenbrück, Beleidigung)

Im Achtelfinale des Westfalenpokals empfing die in der achtklassigen Bezirkliga kickende Concordia Wiemelhausen an diesem sonnigen aber kalten Samstag Nachmittag Ende November den in der viertklassigen Regionalliga West spielenden SC Wiedenbrück 2000. Auch wenn die Rot-Weißen in dieser Saison noch ungeschlagen sind und in der Bezirksliga nach 13 Spielen mit 12 Siegen und einem Unentschieden deutlich auf dem ersten Tabellenplatz liegen, gingen sie natürlich gegen den aktuellen Tabellensiebten der Regionalliga West als krasser Außenseiter in diese Partie. Concordia Wiemelhausen hatte in der ersten Runde 2:0 beim ebenfalls in der Bezirksliga spielenden SV Vestia Disteln aus Herten gewonnen, in Runde zwei gelang die erste große Überraschung mit dem 3:2-Heimsieg gegen die ebenfalls in der viertklassigen Regionalliga West spielende SG Wattenscheid 09. Der Favorit aus der Stadt im Kreis Gütersloh musste im Westfalenpokal vorher zwei Mal ins Sauerland. In der ersten Runde setzte man sich mit 2:0 beim in der siebtklassigen Landesliga spielenden BSV Menden durch, und in der zweiten Runde siegte man 3:1 beim in der sechstklassigen Westfalenliga spielenden SuS Langscheid/Enkhausen.

Am Ende siegte Concordia Wiemelhausen an diesem Nachmittag in einem typischen und unglaublich spannenden Pokalfight völlig verdient mit 3:1, gegen pomadig wirkende Wiedenbrücker, die dieses Spiel wohl im Schongang gewinnen wollten. Der SC Wiedenbrück lief quasi in Bestbesetzung auf (auch mit dem Ex-VfLer Oliver Zech). Nur Aleksandar Koltujac (früher u.a. bei Greuther Fürth und dem VfL Osnabrück) musste zunächst auf der Bank Platz nehmen. Ansonsten spielte genau die Elf, die in der Vorwoche 0:1 bei den Sportfreunden Siegen in der Regionalliga verloren hatte. Umso beeindruckender ist der Erfolg von Concordia Wiemelhausen. Nach einer ausgeglichener Anfangsphase hatten die Gastgeber zwischen der 15. und 20. Minute ihre erste starke Phase. Als man kurz vor Pause eigentlich den Eindruck gewinnen konnte, dass die Gäste dieses Spiel so langsam in den Griff bekommen, fiel die Führung für die Gastgeber. Nach feinem Freistoßtrick von Löhr auf Freitag legte dieser den Ball schön in die Mitte, wo Wißfeld zum 1:0 einschob. Bei dieser Aktion verletzte sich Wiedenbrücks Keeper Hölscher so schwer, dass er kurz danach ausgewechselt werden musste. Die turbulente Schlussphase der ersten 45 Minuten begann mit dem Ausgleichstor für die Wiedenbrücker in der 43. Minute und endete in der Nachspielzeit, als sich Wiemelhausens Kapitän Siemienowski schön durchsetzte und nur noch per Foul gestoppt werden konnte. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Freitag sicher zum 2:1.

Zur zweiten Halbzeit kam bei Wiedenbrück der Bundesliga-erfahrene Koltujac in die Partie und die Gäste begannen sofort sehr offensiv und versuchten von der ersten Sekunde an viel Druck aufzubauen. Bereits nach gespielten fünf Minuten in Halbzeit zwei war dieses Konzept schon wieder komplett über den Haufen geworfen, denn Wiedenbrücks Abwehrspieler Colak leistete sich eine Unbeherrschtheit und beleidigte Wiemelhausens sportlichen Leiter als "Missgeburt". Dafür sah er glatt Rot und die Gäste wirkten lange Zeit geschockt und planlos, obwohl sie trotzdem weiter das aktivere Team waren. Die Gastgeber machten in der zweiten Halbzeit nur noch das Nötigste und verlegten sich ganz auf gelegentliche Konter. So blieb dieses Duell bis weit in die Nachspielzeit hinein unglaublich spannend. Zum Schluss warfen die Gäste natürlich noch einmal alles nach vorne. Erst quasi mit dem Schlusspfiff sorgte der eingewechselte Kokoschka mit einem sehr schön ausgespielten Konter mit dem 3:1 für die endgültige Entscheidung in diesem Spiel.

Damit steht Concordia Wiemelhausen jetzt völlig sensationell im Viertelfinale des Westfalenpokals und ist rein theoretisch nur noch zwei Siege vom Einzug in die erste Hauptrunde im DFB-Pokal in der kommenden Saison 15/16 entfernt. Im Moment sieht es sogar so aus, dass ein weiterer Sieg zum großen Erfolg reichen würde, denn die beiden Favoriten Preußen Münster und Arminia Bielefeld liegen in der 3. Liga derzeit auf den Plätzen 1 und 2, und das würde für die beiden auch die automatische Qualifikation für den DFB-Pokal bedeuten und gleichzeitig auch die Qualifikation für die anderen Halbfinalisten des Westfalenpokals (wenn denn Münster und Bielefeld ebenfalls das Halbfinale erreichen sollten).

Seit Beginn dieser Saison ist Jürgen Heipertz, der von 1995 bis 2011 Leiter der Jugend- und Amateurabteilung des VfL Bochum war, neuer Cheftrainer bei Concordia Wiemelhausen. Vor dieser Saison hat man sich für einen Bezirksligisten sehr ordentlich verstärkt. Mit Löhr, Kaiser und Kokoschka kamen gleich drei Spieler mit Erfahrung aus der sechstklassigen Westfalenliga, von Absteiger Schwarz-Weiß Wattenscheid 08. Aus der ebenfalls sechstklassigen Landesliga Niederrhein, vom Vogelheimer SV, stieß auch noch Stürmer Maximilian Schreier, Sohn der VfL-Legende Christian Schreier, zum Kader von Concordia. Ramon Wilhelm und Gerrit Wißfeld kamen 2013 sogar von TuS Heven aus der fünftklassigen Oberliga Westfalen.

Seit Ende 2013 spielt Concordia Wiemelhausen endlich wieder in der eigenen Anlage an der Glücksburger Straße, direkt am Wiemelhauser Kirchviertel gelegen, nachdem man zwischenzeitlich für einige Wochen an die Wielandstraße in Innenstadtnähe ausgewichen war, weil der Hauptplatz von Asche auf Kunstrasen umgerüstet wurde. Nach wie vor ist die Heimat von Concordia für mich eine der schönsten Anlagen in Bochum, vor allem mit dem wunderschönen Malakowturm der ehemaligen Zeche "Julius Philipp", der inzwischen von der Ruhr-Universität Bochum übernommen wurde, als grandioser Hintergrundkulisse.
... der Malakowturm der ehemaligen Zeche Julius Philipp im Hintergrund
... der Malakowturm der ehemaligen Zeche Julius Philipp im Hintergrund
... Wiemelhausens Coach Jürgen Heipertz
... Wiemelhausens Coach Jürgen Heipertz
... Jubel über den Sieg nach dem Schlusspfiff
... Jubel über den Sieg nach dem Schlusspfiff