Seraing United
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   K.SK. Heist   
  Seraing United Offiziell
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  KSK Heist Offiziell
2.Liga Belgien 14/15 - Samstag, 6.September 2014, 20:00 Uhr

Seraing United - KSK Heist (1:0) 3:0

Spielort: Stade du Pairay, Seraing
Zuschauer: 1.000
RFC: Didillon - Bojovic, Dikaba, D'Onofrio (68.Vaccaro), Gendarme - Preseaux, Bochet, Dufer, Kehli - Gueye (71.Sodiq), Stevance (46.Boumediene)

KSK: Vandenbossche - Gilis, Grant, Jacobs (73.Van Praet), Van den Bergh (65.Van den Broeck) - Wijns, Hairemans, Vandemarliere, Webers - Nkuman (62.Rymenants), Ruiz
Tore:
1:0 Gueye (44.),
2:0 Boumediene (49.),
3:0 Boumediene (51.)
Schiedsrichter: M. Smeets

An diesem spätsommerlich warmen aber bedeckten Samstag ging es mit Björn und Mike nach dem Besuch des Testspiels des VfL Bochum bei Borussia Mönchengladbach noch ein Stündchen weiter Richtung Westen, in die Provinz Liege, ins französichsprachige Belgien, genauergesagt in die 64.000-Einwohner-Stadt Seraing. Bonjour tristesse! Seraing ist zwar prinzipiell schön an der Maas gelegen, aber das Stadtzentrum wirkt doch sehr heruntergekommen, mit jeder Menge leerstehender Ladenlokale und ganzer Häuser, eingeschlagener Fensterscheiben und herumliegendem Müll auf den Straßen und Wegen. Wie in Liege und Umgebung üblich umrahmen große Stahlwerke und Fördertürme auch hier das kleine Stadtzentrum. Zusammen mit dem bedeckten Himmel wirkte das ganze Ambiente hier ein bisschen so, wie man sich das Ruhrgebiet vor ca. 80 bis 100 Jahren vorstellt. Ein bisschen wirkt es hier so, als hätten die Massen nach dem Ende des industriellen Booms diesen Ort fluchtartig wieder verlassen. Große Fußballromantik strahlt dagegen das "Stade du Pairay" aus. Der 1906 erbaute Ground liegt direkt in einem Wohngebiet, verfügt über vier wunderschöne Flutlichtmasten, die die ganze Umgebung bei Dunkelheit erstrahlen lassen und einem das Gefühl geben, gerade irgendwo mitten auf der britischen Insel zu sein. Dazu verfügt das Stadion neben einer Sitzplatztribüne auf der einen Längsseite noch auf der anderen Längsseite über eine große Stehplatztribüne. Neben Seraing spielt in diesem Stadion derzeit mit dem RFC de Liege auch noch einer der traditionsreichsten belgischen Fußballklubs (Stammnummer 4!).

Auch wenn es sich bei dem neuen Klub "Seraing United" um einen klassischen, modernen "Plastikklub" handelt, hat der Fußball in dieser typischen Industriestadt eine lange Tradition. Der 1904 gegründete "RFC Seraing" spielte einige Jahre erstklassig und feierte seinen größten Erfolg in der Saison 1993/94, als man Dritter wurde und sich so für den UEFA-Cup qualifizierte, wo man in der ersten Runde unglücklich an Dynamo Moskau scheiterte. Zwei Jahre später war der Klub pleite und fusionierte mit Standard de Liege. Andere ehemalige Klubsmitglieder beteiligten sich nach dem Ende ihres Vereins an "Royal Union Liegeoise" und sorgten dafür, dass der Klub aus Liege ins Stade du Pairay nach Seraing umzog und wenig später in "R. FC Sérésien" umbenannt wurde. Der
R. FC Sérésien schaffte es allerdings niemals über die Fünftklassigkeit hinaus. 2013 wurde der FC Metz neuer Haupteigentümer des Klubs, mit dem Ziel, den Verein als Farmteam in der zweiten belgischen Liga zu etablieren. Vom in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Boussou Dour Borinage wurde dazu die Zweitligalizenz erworben und so schaffte der Verein im Sommer 2014 den unglaublichen Sprung von der fünften in die zweite Liga. Mit Moussa Gueye, Sodiq Popoola, Samy Kehli und Keeper Thomas Didillon bekam der Klub zum Start gleich vier talentierte Spieler des FC Metz.

Der Plan des FC Metz scheint nach den ersten Eindrücken in dieser Saison aufzugehen, denn der neue Klub liegt nach fünf Spieltagen auf Platz 5 in der belgischen zweiten Liga, mit Kontakt zu den Spitzenplätzen. Die ausgeliehenen Spieler erhalten so Spielpraxis auf relativ hohem Niveau und vielleicht wechselt in der Winterpause schon der eine oder andere Spieler von Seraing in die erste französische Liga. Der Senegalese Moussa Gueye, dem kurz vor der Pause das hochverdiente Führungstor für Seraing gelang, spielte die Defensive der Gäste ein ums andere Mal an diesem Abend schwindelig. Kurz nach der Pause erhöhte der eingewechselte Boumediene per Doppelschlag auf 3:0. Anschließend ließen es die Gastgeber etwas ruhiger angehen, und beschränkten sich darauf, den sicheren Vorsprung zu verteidigen. So plätscherte das Spiel in den zweiten 45 Minuten nur noch ereignislos vor sich hin.

 

Alternativbericht von Björn bei "Wohin der Ball auch rollt"