Deutschland
 
2
:
1
 Schottland
  DFB Offiziell
:
  Scottish FA Offiziell
Qualifikation EURO 2016 - Sonntag, 7.September 2014, 20.45 Uhr

Deutschland - Schottland (1:0) 2:1

Spielort: Westfalenstadion, Dortmund
Zuschauer: 60.209
GER: Neuer - Rudy, Boateng, Höwedes, Durm - Kramer, Kroos - Th.Müller, Reus (90.+2 Ginter), Schürrle (83.Podolski) - Götze

SCO: Marshall - Hutton, R.Martin, Hanley, Whittaker - Bannan (58. S.Fletcher), D.Fletcher (58.McArthur), Mulgrew, Anya - J.Morrison - S.Naismith (82.Maloney)
Tore:
1:0 Th.Müller (18., Kopfball, Vorarbeit Rudy),
1:1 Anya (66., Rechtsschuss, S.Fletcher),
2:1 Th.Müller (70., Rechtsschuss, Höwedes)
Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen (Norwegen)

An diesem Sonntag ging es abends noch kurz hinüber in die östliche Nachbarstadt (wer denkt sich eigentlich Sonntag 20:45 Uhr als Anstoßzeit aus???), wo der frischgebackene Weltmeister die Gäste aus Schottland zum ersten Qualifikationsspiel für die EURO 2016 in Frankreich empfing. Am Ende stand ein so genannter Arbeitssieg für die DFB-Auswahl, aber vor allem drei Punkte, wo schon einen Tag später niemand mehr nachfragt, wie diese zu Stande gekommen sind. Überraschenderweise waren die Schotten nicht nur am Glas stark, sondern auch auf dem Rasen brachten sie das DFB-Team viel öfter als gedacht in Verlegenheit. Vier Tage zuvor war es in Düsseldorf zum ersten Testspiel nach der WM gekommen, wo der Weltmeister Deutschland den Vize-Weltmeister Argentinien zu Gast hatte und eine ordentliche 2:4-Packung bekommen hatte. Gerade in der deutschen Defensive merkte eine deutliche Verunsicherung, aus der die Schotten fast sogar Kapital geschlagen hätten. Wie fast schon üblich bei Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft, blieben wegen der horrenden Eintrittspreise einige tausend Plätze leer. Glücklicherweise konnte ich ein Ticket in der günstigsten Kategorie für 25 Euro ergattern. Mehr wäre mir dieses "Spektaktel" sowieso nicht wert gewesen.

Für mich war es der erste Besuch eines Heim-Länderspiels seit dem 11.2.2009 (0:1 gegen Norwegen in Düsseldorf), also das erste Mal seit mehr als fünf Jahren. Nach den Erfahrungen mit dem schrecklichen Event-Publikum in der Düsseldorfer Arena damals, wo ich unter anderem bereits zehn Minuten vor(!) dem Einlauf der Mannschaften von den Leuten hinter mir angehalten wurde, mich endlich hinzusetzen und nicht mehr die Sicht (auf was eigentlich?) zu verdecken, hatte ich mir eigentlich geschworen, nie wieder ein Heimspiel mit dem schwarz-rot-geilen Party- und Eventvolk zu besuchen. Was hatte mich also dazu bewogen, an diesem Sonntag Abend eine Ausnahme zu machen? Vielleicht einfach die Neugier, um mal hautnah mitzuerleben, wie man ein solches Event mittlerweile begeht? Also der Spaß am Ekel? Oder nur die Aussicht, die äußerst sympathischen schottischen Fans zu erleben, wie sie die (Oldschool-) Fankultur in vollen Zügen ausleben? Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem. Jedenfalls wurden sowohl die negativen als auch die positiven Vorurteile bestätigt. Auf der einen Seite das schwarz-rot-geile Partyvolk, natürlich ausgestattet mit den lächerlichen Perücken, Hawaiiketten und selbstgemachten Schildern mit Herzen, wie bei einem Konzert einer Boyband, das allerdings heute eher still wie ein Opernpublikum war. Also mehrheitlich Leute, die man sonst eher nicht in einem Fußballstadion sieht, weil sie sich vor den Horden voller Hooligans und den bürgerkriegsähnlichen Zuständen fürchten. Hier wird ordentlich und zivilisiert konsumiert und sich brav hingesetzt, auch in der sog. "Singing Area", also den als "Supportbereich" deklarierten Blöcken der Fans der deutschen Nationalmannschaft. Auf der anderen Seite die schottischen Fans, die seit mehreren Stunden ein Glas Bier nach dem anderen in sich hineinkippen, pausenlos laut ihre Lieder brüllen und dazu friedlich ihre Fahnen, Schals oder Bierbäuche schwingen. Das geht natürlich auch ohne Alkohol. Trotzdem gefiel mir das traditionelle Begehen eines Fußballspiels der schottischen Fans doch viel besser, als das einfache, emotionslose und stille Konsumieren. Schon vor dem Anpfiff wurde man in einer derart wahnsinnigen Lautstärke von Musik beschallt, so dass eine Art "Einsingen" auch gar nicht möglich gewesen wäre. Als Anhänger der deutschen Nationalmannschaft schwankten meine Sympathien sowieso hin und her, aber spätestens, als sich in der 66. Minute mit dem Ausgleich ein Jubelorkan der schottischen Fans entlud, hoffte ich, dass die Gäste hier mindestens einen Punkt mitnehmen würden. Ich wollte sie einfach wieder und weiter ausrasten sehen. Nur knappe fünf Minuten dauerte die Ausrastphase der schottischen Fans. Dann erzielte wiederum Thomas Müller per Abstauber das 2:1 für Deutschland, das diees Spiel entschied.

Wie sehr die Schotten mittlerweilse in diesem Duell gegen Deutschland Außenseiter sind, drücken die anschließenden Worte des schottischen Torschützen Ikechi Anya aus: "Ich habe Neuer überwunden, das schaffe ich nicht mal bei FIFA". Dabei ist die schottische Fußballnationalmannschaft neben der englischen eine der ältesten der Welt. Der erste offizielle Länderspiel war ein 0:0 gegen England am 30. November 1872. Die ganz großen Erfolge fehlen aber: Schottland konnte sich acht Mal für eine Fußball-Weltmeisterschaft (das letzte Mal 1998 in Frankreich) und zwei Mal für eine Europameisterschaft (das letzte Mal 1996 in England) qualifizieren, aber schaffte es niemals die Vorrunde zu überstehen. "Bei großen Fußballturnieren sind die schottischen Fans immer vor ihren Postkarten wieder zu Hause", erzählt man auf der gesamten britischen Insel immer noch als Schottenwitz. Öfter mal wenigstens ein bisschen im Konzert der Großen dabei sein, die Großen ab und zu mal ärgern, aber jedes Mal letztendlich grandios scheitern und noch keinen einzigen wichtigen Titel gewonnen? Schottland ist quasi der VfL Bochum unter den Nationalmannschaften!

 

Alternativbericht von Björn bei "Wohin der Ball auch rollt"

Heimbilanz Deutschland vs. Schottland:

1929 (Test) GER - SCO 1:1 (D-Tore: Ruch), in Berlin
1957 (Test) GER - SCO 1:3 (Siedl), in Stuttgart
1964 (Test) GER - SCO 2:2 (Seeler(2)), in Hannover
1970 (WM-QU) GER - SCO 3:2 (Fichtel,G.Müller,Libuda), in Hamburg
1974 (Test) GER - SCO 2:1 (Breitner,Grabowski), in Frankfurt/M.
1999 (Test) GER - SCO 0:1 (-), in Bremen
2004 (EM-QU) GER - SCO 2:1 (Bobic,Ballack), in Dortmund
2014 (EM-QU) GER - SCO 2:1 (Th.Müller(2)), in Dortmund


8 Spiele – 4 – 2 – 2 – 13:12 Tore