Berchem Sport   
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Sporting Hasselt
  Berchem Sport Offiziell
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  Sporting Hasselt Offiziell
3.Liga Belgien 14/15 - Sonntag, 23.November 2014, 15:00 Uhr
Berchem Sport - Sporting Hasselt (0:4) 1:7

Spielort: Ludo Coeckstadion, Antwerpen
Zuschauer: 500
KBS: Merckx - Derijck, Dierickx (46.Clemente), Paridaans (46.Boujouh) - Nyason, Verstraeten, Claessens, Kocak - Faes (46.Troonbeeckx), Verhoeven, Stevens

KSH: Swinnen - Lowet, Huismans, Weerts, Geebelen - Demulder (68.El Idrissi), Carratta, Teker (80.Clabots), Sagiam - Ulenaers, Karadayi (73.Antheunis).
Tore:
0:1 Sagiam (11.),
0:2 Paridaans (15., Eigentor),
0:3 Geebelen (18.),
0:4 Karadayi (44.),
0:5 Karadayi (65.),
0:6 Ulenaers (75.),
0:7 Saglam (78.),
1:7 Boujouh (79.)
Schiedsrichter: Tim Pots (Beveren)

Der letzte Sonntag vor der Adventszeit ist in Nordrhein-Westfalen traditionell so gut wie fußballfrei. Deswegen ging es an diesem schön sonnigen Novembertag also bei +15°C ca. mit Mike und Michael von Bochum aus immer die A40 entlang Richtung Westen, also praktisch immer geradeaus, über Essen, Duisburg, Venlo, Eindhoven, bis plötzlich nach etwa zwei Stunden Fahrtzeit das Ortsschild mit unserem Tagesziel "Antwerpen" auftauchte. In Venlo hatten wir vorher noch einen kurzen Zwischenstopp zum Kaffee kaufen gemacht. Schon erschreckend, wie viele Menschen an einem Sonntag in Venlo zum Einkaufen sind, während ich mich um diese Uhrzeit an einem normalen Sonntag wahrscheinlich gerade das erste Mal im Bett umgedreht hätte. In Antwerpen angekommen, endete die Suche nach dem (zweit)wichtigsten Ziel des Tages auch schon nach wenigen Minuten erfolgreich: Eine "Frituur" war gefunden. Ohne einen Frituurbesuch und dem typisch belgischen Pommesbuden-Flair und -Genuss ist ein Belgien-Trip eigentlich unvorstellbar. Schließlich verließen wir zufrieden den Ort des Genusses wieder, ließen den Wagen am kostenfreien Parkplatz stehen, gingen zu Fuß rund 20 Minuten Richtung Antwerpener Innenstadt und kamen bei den frühlingshaften Temperaturen ordentlich ins Schwitzen. Ich war eigentlich für typisches November-Wetter angezogen und nicht für Frühlingstemperaturen. Die Altstadt der mit fast 500.000 Einwohnern größten Stadt des Landes konnte voll überzeugen. Besonders der ebenfalls typisch belgische "Grote Markt" ("Großer Markt") mit dem spätgotischen Rathaus sowie zahlreichen prunkvollen Zunfthäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert und der nahen, alles überragenden "Liebfrauenkathedrale" wirkte schon sehr imposant. Ebenso wie die Altstadt liegt auch die ehemalige Stadtburg Antwerpens, die heutzutage als Schifffahrtsmuseum genutzt wird, wunderschön direkt am Fluss Schelde. Hier war ich sicherlich nicht zum letzten Mal!

Nachdem wir den kulturellen Teil dieses Ausflugs erledigt hatten, ging es noch einmal in ca. 15 Minuten mit dem Wagen über den Autobahnring in den Süden Antwerpens in den Stadtteil Berchem, der ca. 40.000 Einwohner hat, um den fußball-kulturellen Teil des Tages folgen zu lassen. Quasi direkt an der Autobahn E19 gelegen ist das Stadion des örtlichen Fußballklubs, das Ludo Coeckstadion von Berchem Sport, einem großen, belgischen Traditionsverein, der seine besten Zeiten allerdings schon lange hinter sich hat. Das alte Stadion, das 1928 gebaut und 1929 offiziell eröffnet wurde, sollte der Höhepunkt des Tages werden und konnte alles halten, was es vorher versprach. Zu sehen bekamen wir eine uralte belgische Stadionperle, die ihren letzten Ausbau 1931 erhalten hat, und außer der sehr gepflegten Haupttribüne (2001 erneuert) mit etwa 2.700 überdachten Sitzplätzen und einem modernen VIP-Raum bald komplett auseinander zu fallen scheint. Der "Zahn der Zeit" nagt überall im weiten Rund. Hier scheint die Zeit 1931 tatsächlich stehen geblieben zu sein, und man kann die Zeiten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wo der Klub seine erfolgreichste Zeit hatte und drei Mal Belgischer Vizemeister (1949, 1950 und 1951) wurde, gut nachempfinden, so authentisch wirkt alles
noch. Damals war hier so gut wie jedes Spiel mit 20.000 Zuschauern ausverkauft. Heute holt sich überall erkennbar die Natur das Stadion zurück. Symbolisch für den Niedergang des ehemals so erfolgreichen Klubs sind nicht nur die ehemaligen, jetzt total verrotteten Kabinen, Unterkünfte und Toiletten hinter den Tribünen, und der überall herumliegende Müll, sondern auch das gelbe kleine, im Innenraum in den Vereinsfarben stehende und mit Vereinslogo beklebte Auto, das auch nicht so aussieht, als hätte es jemand in den letzten Jahren irgendwie gepflegt. Ich bin mir sehr sicher, dass diese "Bruchbude", wenn sie in Deutschland stehen würde, komplett für Zuschauer gesperrt wäre. Hier in Belgien nimmt es aber man nicht so eng, und so sind alle Tribünen begehbar und geöffnet.

Man träumt in Berchem wieder von besseren Zeiten. So erzählte uns einer der Ordner am Eingang, dass der Klub für den Fall des Aufstiegs in die 2. Liga ein neues, modernes Stadion bekommt. Die 2. Liga scheint für Berchem Sport aber derzeit meilenweit entfernt zu sein. Das heutige Spiel bestätigte das eindrucksvoll. Schon nach 19 Minuten führten die Gäste mit 3:0 und führten die Gastgeber phasenweise richtig vor, dass es einem selbst als neutralem Betrachter irgendwie weh tat. Kurz vor der Pause erhöhten die Gäste aus Hasselt sogar auf 4:0, und nach der Pause sah es eigentlich so aus, als würden die Gäste diesen Vorsprung in den zweiten 45 Minuten nur noch verwalten. Da legten sie plötzlich noch einmal los und nahmen die bedauernswerten Gastgeber endgültig total auseinander, und erhöhten auf 7:0, bevor die Gastgebern wenigstens noch das Ehrentor gelang. Nach gut der Hälfte der Saison liegt Berchem Sport auf dem 13. Tabellenplatz (von 18 Teams), aber trotz der heutigen Pleite mit beruhigendem Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Hasselt sprang durch den heutigen Erfolg auf den dritten Tabellenplatz und darf weiterhin vom Aufstieg in die 2. Liga träumen. Überraschenderweise gab es heute sogar etwas Support auf beiden Seiten. Etwa 20 bis 30 Heimsupporter mit Fahnen und Schals hatten sich gegenüber der Haupttribüne, in Höhe der Mittellinie, eingefunden, und unterstützten ihr Team zu Beginn des Spiels etwas, bis ihnen verständlicherweise die Lust verging. Auch von den Gästen war leiser Support zu hören. Ein bisschen unverständlich nur, warum die Gästeanhänger nicht zusammen in einem Block standen, sondern sich überall im Stadion verteilt hatten. So gingen die Anfeuerungsrufe, die mal aus der einen und mal aus der anderen Ecke kamen, viel zu sehr unter. Insgesamt aber deutlich mehr, als ich erwartet hatte, war doch beim Spiel in Hasselt, das wir im Mai dieses Jahres besucht hatten, überhaupt kein Support zu vernehmen.

"Koninklijk Berchem Sport" (kurz: KBS, zu deutsch: Königlich Berchem Sport) aus dem gleichnamigen Antwerpener Stadtteil wurde 1906 gegründet und hat die Stammnummer 28 des Belgischen Fußballverbandes (ist also der 28.-älteste Fußballklub Belgiens). Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte war die dreimalige Vize-Meisterschaft hintereinander 1949, 1950 und 1951, wo jeweils nur der RSC Anderlecht mehr Punkte sammeln konnte (1950 war man sogar punktgleich mit Anderlecht, und wurde nur wegen der schlechteren Tordifferenz Zweiter). Ingesamt spielte der Klub immerhin 41 Jahre in der höchsten belgischen Fußball-Liga, zwischen 1922 und 1987. Die Saison 1986/87 war bislang die letzte im belgischen Fußball-Oberhaus. Danach begann ein sportlicher Abstieg bis in die 5. Liga (2000). Etwa zu dieser Zeit stieg ein armenischer Diamantenhändler in den Klub ein und man schaffte bis 2002 den direkten Durchmarsch zurück in die 3. Liga und 2003 sportlich als Drittligameister auch noch den Aufstieg in die 2. Liga. Für die 2. Liga bekam man aber keine Lizenz und pendelt seitdem mehr oder weniger zwischen 3. und 4. Liga hin und her.

Der "Koninklijke Sporting Klub Hasselt" (zu deutsch: Königlicher Sportklub Hasselt") kommt aus der gleichnamigen flämischen 75.000-Einwohner-Stadt, die sehr nah an der niederländischen Grenze, nicht weit entfernt von Roermond und Eindhoven, liegt und versteht sich als Nachfolger des Traditionsklubs "Koninklijke Sporting Club Hasselt", der immerhin die Stammnummer 37 des Belgischen Fußballverbandes hatte und 1908 gegründet wurde. 2001 fusionierten der KSC Hasselt und der KSK Kermt, ein Stadtteilklub aus Hasselt, zum neuen KSK Hasselt. Bäume ausgerissen hat der Fusionsklub bislang noch nicht. Man pendelt seit der Neugründung immer zwischen dritter und vierter Liga hin und her. 2013 gelang durch einen vierten Platz in der vierten Liga der Wiederaufstieg in die dritte Liga, in der man in der Saison 13/14 souverän den Klassenerhalt schaffte und jetzt sogar Richtung zweiter Liga schielt.