1. April 2003

Saison-Vorschau 2003


Vorbericht Stabæk IF, Saison 2003: Aus Vision wurde Stagnation

Die Zeit der großen Visionen in Stabæk ist vorbei. Jetzt geht es mehr um Zahlungsprobleme.

Die »Blue Dream Arena« liegt immer noch als goldenes Traumschloss im Bewusstsein der Stabæk-Fans. Die Realisierung des Stadion-Neubaus in Fornebu kann die Vitamin-Spritze sein, die der Klub braucht, um wieder in die Offensive zu kommen. Das neue Stadion soll im Jahr 2004 gebaut werden und 15.000 Plätze haben, davon 1.500 Stehplätze für die Stabæk-Fans. Es soll 300 Millionen Kronen (ca. 38 Millionen Euro) kosten und das schönste und modernste Stadion Norwegens werden. Ein Teil des Geldes soll durch Aktienverkäufe erwirtschaftet werden.

Sportlich sieht es für Stabæk zurzeit nicht so positiv aus. Strahlendes Blau und Weiß wurde zu langweiligem Grau. Alles nahm im Jahr 1998 seinen Weg. Die Mannschaft schoss sich mit Raketengeschwindigkeit in die Spitze der norwegischen Eliteliga und realisierte nur drei Jahre nach der damals scheinbar utopischen »Ullevall-95«-Vision den Traum vom Pokalsieg. Stabæk IF schlug Rosenborg Trondheim im Pokalfinale in Ullevaal und erreichte den dritten Platz in der Meisterschaft.

Das nächste Ziel sollte natürlich sein, Rosenborg auch in der Tippeligaen vom Thron zu stoßen. Mittlerweile ist klar, dass sie es nicht geschafft haben. Stabæk musste sich mit zwei 5. Plätzen in den beiden nachfolgenden Jahren begnügen, und so wurde vor der Saison 2001 kräftig aufgerüstet.

Jan Åge Fjørtoft wurde aus Deutschland von Eintracht Frankfurt verpflichtet. Dazu wurde einer der besten Torjäger in Norwegens Eliteliga, der Isländer Tryggvi Gudmundsson, von Tromsø IL losgeeist. Auch Martin Andresen wurde vom FC Wimbledon zurückgeholt. Die Engländer hatten 22,8 Millionen Kronen (ca. 2,8 Millionen Euro) für Andresen bezahlt und ihn schon zum neuen David Beckham hochgelobt. Er konnte dort den hohen Erwartungen nie gerecht werden und kehrte vor der Saison 2001 nach Stabæk zurück.

Mit Petur Marteinsson, Tobias Linderoth, Tommy Svindal Larsen und Christian Wilhelmsson dazu noch auf dem Platz, hatte Stabæk eine Spitzenmannschaft. Auf dem Papier. Auf dem Platz musste sich Stabæk mit einem 4. Platz zufrieden geben. Der Preis für den bescheidenen Aufstieg war hoch, nicht nur in Kronen. Die Idylle war zu Ende, zum ersten Mal gab es Unruhe im norwegischen Musterklub.

Fjørtoft war keine sportliche Verstärkung und brachte Chaos und Konflikte in den Klub. Der Trainer, Anders Linderoth, der Garant für den schönen Stil der Mannschaft, warf die Brocken nach einer brutalen Niederlage in Bergen hin. Nach der Saison verschwand auch noch der Spieler, der den schönen und kreativen Stil von Stabæk am besten symbolisierte, Tommy Svindal Larsen (ging zum 1.FC Nürnberg). Das gleiche machten Tobias Linderoth und Petur Marteinsson.

In der letzten Saison konnte Stabæk nie wirklich in den Kampf um die Meisterschaft eingreifen. Gute Leistungen im Pokal konnten die Saison retten, aber die Mannschaft verlor im Halbfinale gegen Odd Grenland und verpasste so das Finalfest in Ullevaal. Mit dem unglücklichen Aus im UEFA-Cup gegen den RSC Anderlecht wurden auch die Hoffnungen auf einen internationalen Aufstieg enttäuscht.

Jetzt geht es weniger um kühne Ambitionen, als um unbezahlte Rechnungen. Der Klub schuldet Tobias Linderoth 3 Millionen Kronen (ca. 400.000 Euro) nach seinem Wechsel in die Premier League zum FC Everton. Das größte Sturmtalent, der Isländer Marel Baldvinsson, wurde in die erste belgische Liga, nach Lokeren, verkauft. Mit Christian Wilhelmsson würde man gerne noch einen weiteren Leistungsträger verkaufen.

Stabæk war in den letzten sechs Jahren fünf Mal auf dem 5. Platz am Ende der Saison. Es ist schwierig zu beurteilen, ob es in dieser Saison besonders besser laufen wird.

Bewertung:

Tor:
Ein dichter Kampf zwischen Jon Knudsen und Anders Rotevatn. Stabæk hat damit ein sehr solides Torwartpaar, aber keiner von den beiden gehört zur Topklasse bei den Torhütern. (4 von 6 Punkten)

Abwehr:
Der junge André Muri hat sich in der letzten Saison sehr positiv entwickelt und kann in dieser Saison sehr wichtig für Stabæk werden. Er ist zurzeit nicht in Topform durch Verletzungen. In der Hinterhand hat man noch Routinier André Flem. Mike Kjølø wird den zweiten Posten in der Innenverteidigung einnehmen. Tom Stenvoll hat sich einen Stammplatz als Rechtsaußen erspielt, während Christian Holter auf der anderen Außenseite spielen wird. Stabil. (4 von 6 Punkten)

Mittelfeld:
Tommy Stenersen war im letzten Herbst in Topform, und spielt in der defensiven Rolle zusammen mit dem Dänen Peter Sand. In der Offensive wird Martin Andresen die zentrale Rolle als Spielmacher übernehmen. Auf den offensiven Außenpositionen werden Christian Wilhelmsson und vielleicht der junge Samir Fazlagic, der aus der eigenen Jugend stammt, spielen. Bester Mannschaftsteil. (6 von 6 Punkten)

Angriff:
Nach einer blassen ersten Saison in Nadderud, schlug Tryggvi Gudmundsson in der letzten Saison richtig ein, als er 25 Mal für Stabæk traf. Mit guter Unterstützung der drei offensiven Mittelfeldspieler sollte er auch in dieser Saison fleißig treffen. Thomas Finstad hat großes Potenzial. (5 von 6 Punkten)

Trainer:
Gaute Larsen übernahm die Mannschaft, als Anders Linderoth während der Saison 2001 die Brocken hinwarf. Er zeigte Stärke und Authorität gegenüber der Mannschaft, besonders gegenüber Fjørtoft. Er macht einen guten Job. (4 von 6 Punkten)

Wunschelf:
Knudsen - Stenvoll, Kjølø, Muri, Holter - Stenersen, Sand - Wilhelmsson, Andresen, Fazlagic - Gudmundsson