Stabæks neuer Torjäger Daniel Nannskog (31) hat bis Ende letzten Jahres in China vor 25.000 Zuschauern gespielt, viel Geld verdient und gehörte in der chinesischen Liga zu den Toptorjägern. Dann zahlte er Geld aus der eigenen Tasche, um zu Stabæk zu kommen. Jetzt ist der Schwede der Toptorjäger in der 2. Liga in Norwegen - mit 14 Toren in 16 Spielen, spielt vor 3.000 Zuschauern im Nadderud Stadion und verdient nur noch einen Bruchteil von seinem Gehalt in China. Nach 1,5 Jahren in China beim Klub Sichuan Guangcheng zahlte er selbst zwei Monatsgehälter, nahm Frau und Kinder und zog im vergangenen Winter nach Bærum. Er hatte von dem einsamen Leben in China genug. "Ich hatte kein soziales Leben. Ich mag es, mich mit Freunden zu treffen und Spaß zu haben. In China bleiben die Leute unter sich, und sie sprechen auch kein gutes Englisch. Ich war sehr einsam und hatte keine richtigen Freunde. Deshalb habe ich den Vertrag aufgelöst", sagte Daniel Nannskog der norwegischen Tageszeitung »Dagbladet«. Sein Klub wollte seinen größten Star aber nicht sofort gehen lassen. "Zuerst haben sie Nein gesagt, bis ich nur noch ein Jahr Vertrag hatte. Und ich habe in China viel, viel mehr als hier bei Stabæk verdient. Aber man lernt, dass Geld nicht alles bedeutet. Das wichtigste ist, dass es einem jeden Tag gut geht, wenn man aufwacht. Und so war das in China nicht. Zum Schluss hat es der Klub verstanden, dass ich es ernst gemeint habe", sagte Nannskog weiter. In seinem ersten Halbjahr 2003 war er der Toptorjäger in seinem Team mit 8 Toren in 14 Spielen. Im Jahr danach schoss er 9 Tore in 21 Spielen - und war Torschützenkönig im Pokal. "Sportlich lief es enorm gut. Fußball ist dort nicht so groß, aber ich habe mir in der Stadt einen Namen gemacht", sagte Nannskog. Und es geht nicht um eine Kleinstadt. In Chengdu leben 10,3 Millionen Menschen. Vor Nannskogs Wohnung standen Wachmänner und passten auf sein Hab und Gut auf. Seine Tore für Stabæk feiert er deshalb mit einem Militärgruß. "Ich habe sehr schön gewohnt, hinter hohen Zäunen mit Wachdienst. Jedes Mal, wenn ich herbei gefahren bin, haben sie mich so wie beim Militär gegrüßt. Da habe ich angefangen, selbst auch so zu grüßen. Die Wachmänner fanden, dass das so komisch aussah, dass sie nur über mich gelacht haben", erzählte Daniel Nannskog. Bei Stabæk darf er so komisch sein, wie er möchte. "Der Humor und die Freude leuchten aus dem ganzen Menschen. Er ist unglaublich aufgeschlossen und bringt uns zum Lachen. Eine Woche, nachdem er hierhin gekommen war, drohte er damit wegzugehen, weil wir kein warmes Essen hatten", sagte Stabæks Chef Ingebrigt Steen Jensen. Aber es mehr als warmes Essen, dass Nannskog nach Bærum gelockt hat. Entscheidend war, dass bei Stabæk sein früherer Trainer, Jan Jönsson, arbeitet. "Ohne Jönsson hätten wir ihn wohl nicht bekommen", sagte Ingebrigt Steen Jensen. Das glaubt Daniel Nannskog selbst auch nicht. "Jan hat mich angerufen, als ich in China war. Er wollte hören, ob ich nach Hause kommen will, und das wollte ich. Ich bin glücklich, dass es Stabæk war. Ich fühle mich hier unglaublich wohl. Jetzt bin ich zufrieden und glücklich", sagte Daniel Nannskog. Noch schöner wäre es, in der nächsten Saison in der 1.Liga in Norwegen (Tippeliga) zu spielen. Aber dort möchte er für keinen anderen Klub als Stabæk spielen. "Ich denke im Moment nicht daran, Stabæk zu verlassen. Es muss fürchterlich viel passieren, bevor ich hier weggehe. Ich glaube, dass die nächste Saison gut wird. Dort konzentrieren sich die Teams auf ihr eigenes Spiel. Jetzt müssen wir nur unseren Job im Herbst machen und aufsteigen", sagte Daniel Nannskog. Nannskog glaubt daran, dass er bis zum Alter von 36 bis 37 weiterspielen kann. Danach kann er sich vorstellen, in Bærum sein eigenes China-Restaurant zu eröffnen. "Das chinesische Essen, das hier zu Hause serviert wird, gibt es in China nicht. Vielleicht eröffne ich ein eigenes Restaurant, um zu zeigen, wie es gemacht wird", sagte Nannskog. In diesem Fall könnten die Besucher auf jeden Fall mit einem besonderen Gruß rechnen, wenn sie Nannskogs Restaurant besuchen. "Ich werde an der Tür stehen und den Militärgruß machen, wenn sie kommen. Das wäre ein Traum", sagte Nannskog. |