|
||||||||||||||||||||||||
|
Per Billigflug ging es an diesem Wochenende nach Stockholm, und mein Mobilfunkanbieter empfing mich gleich gebührend: "Herzlich Willkommen in Spanien ...". Naja, von den Temperaturen passte es ja. Schon 24 °C am frühen Morgen (tagsüber waren es dann mehr als 30°C). Am Samstag Nachmittag ging es dann mit der U-Bahn bis zur Haltestelle "Solna Centrum", wo man nach endlos vielen, gefühlten Rolltreppenkilometern direkt am Stadion landet. AIK spielt im Råsunda Stadion, dem Nationalstadion, in dem die schwedische Fußballnationalmannschaft den Großteil seiner Heimspiele bestreitet, und das in der Gemeinde Solna liegt, die nördlich an die Hauptstadt Stockholm grenzt. Am Stadion gab es dann gleich die erste Überraschung. Ich hatte eigentlich langweiligen Sommerfußball erwartet, da Stockholm und Malmö immerhin ca. 5-6 Autostunden voneinander entfernt liegen und auch in Schweden gerade Sommerferien sind. Aber die Anhänger der beiden großen schwedischen Traditionsklubs nehmen sich gegenseitig sehr wohl als Konkurrenten wahr, und die Gäste von Malmö FF kamen mit ca. 500 Anhängern und einem kompletten Sonderzug in die Hauptstadt. So bildete sich bei der Ankunft der Gästefans plötzlich ein "Empfangskommando" von Heimfans. Die Polizei konnte beide Gruppen nur mit Mühe auseinander halten. Und das auf eine Weise, die ich so auch noch nicht gesehen habe. Zwei Polizeiwagen hielten voll auf die Gruppe der AIK-Anhänger und stoppten erst Zentimeter vor den Leuten. So blieben den AIK-Anhängern nur die Möglichkeiten "Weglaufen" oder "sich überfahren lassen". Das wiederholte sich so lange, bis die Gruppen weit genug auseinander getrieben waren. Auch die Atmosphäre im Stadion war an diesem Tag viel besser als vorher erwartet. Die Gästefans aus Malmö zeigten sich zu Beginn sehr sangesfreudig, aber wurden durch das enttäuschende Spiel ihres Teams immer leiser. Erst in den letzten zehn Minuten, als das Spiel quasi zu Gunsten der Gastgeber gelaufen war, fingen sie wieder an ihr Team zu supporten bzw. einfach sich selbst zu feiern. Die AIK-Anhänger supporteten durchgängig und laut und bewiesen eindeutig, dass sie fanmäßig zum Besten gehören, was Skandinavien zu bieten hat. Zum Einlauf der Teams zeigten sie Fahnen in den Vereinsfarben, also gelb, schwarz und weiß, und dazu wurde Rauch in den gleichen Farben gezündet. Allerdings wurde so viel Rauch gezündet, dass das ganze Stadion eingenebelt wurde und das Spiel erst mit 10-minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte. Vor dem Spiel schien Malmö FF, das derzeit nach gut der Hälfte der Saison auf dem zweiten Tabellenplatz liegt und noch gute Chancen auf den Schwedischen Meistertitel hat, klarer Favorit zu sein, denn AIK lag vor diesem Spiel nur auf dem drittletzten Platz, dem Relegationsplatz. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Nach wenigen Sekunden des Spiel musste der Schiedsrichter schon auf den Elfmeterpunkt zeigen, als Malmös Torwart Johan Dahlin einen AIK-Spieler nur noch per Foul am noch früheren Führungstor hindern konnte. Nach noch nicht einmal gespielten 120 Sekunden führten die Gastgeber also schon mit 1:0, denn Kenny Pavey verwandelte souverän. Malmö schlug sich an diesem Tag definitiv einfach selbst, denn beim zweiten Gegentor kurz vor der Pause rettete Dahlin zunächst vor einem AIK-Spieler, spielte den Ball aber genau auf einen anderen AIK-Spieler, nämlich Flávio, der locker zum 2:0 einschieben konnte. In der 75. Minute schwächten sich die Gäste dann erneut, als Stürmer Edward Ofere auf den AIK-Torwart alleine zulief und ihn mit gestrecktem Fuß niederstreckte statt auszuweichen. Nach diesem Platzverweis war das Spiel entschieden und plätscherte die restlichen Minuten nur noch dahin. AIK, was "Allmänna Idrottsklubben" bedeutet, oder auf deutsch "Allgemeiner Sportklub", stammt ursprünglich aus Stockholm, aber zog 1937 durch den Bau des Nationalstadions mit nach Solna um und ist mit 15.000 Mitgliedern einer der größten schwedischen Sportvereine. Die Fußballabteilung wurde 11 Mal Schwedischer Meister; das letzte Mal in der vergangenen Saison 2009. Leider ereilte AIK in dieser Saison das gleiche Schicksal wie die meisten skandinavischen Meisterteams: Der Ausverkauf begann und die Leistungsträger verließen reihenweise den Klub. So spielt man dieses Jahr als Titelverteidiger nur gegen den Abstieg. In der vergangenen Saison gelang dabei sogar das Double, denn zum achten Mal in der Vereinsgeschichte gewann man den Schwedischen Pokal. Malmö FF aus der drittgrößten Stadt Schwedens gehört mit 15 Meistertiteln (der letzte 2004) und 14 Pokalsiegen (der letzte 1989) zu den erfolgreichsten Klubs in Schweden. International war der größte Erfolg das Erreichen des Finals der Champions League (damals noch Europapokal der Landesmeister) im Jahr 1979, wo man Nottingham Forest 0:1 unterlag. Bekanntester Export von Malmö FF in den letzten Jahren war eindeutig Zlatan Ibrahimovic, der aus der eigenen Jugend stammt und im Juli 2001 für 7,8 Millionen Euro an Ajax Amsterdam verkauft wurde. |
|||||||||||||||||||||||